Kaum zu glauben, aber Godzilla steht kurz vor dem Rentenalter. Stolze 60 Jahre hat das Monster bereits auf dem Buckel, aber was ist das schon für eine Kreatur, die schon vor den Dinosauriern existierte?

In dieser Zeit wurden in Japan 28 Filme produziert, zwei weitere sind amerikanischer Provenienz (und zwei gibt es, bei denen das amerikanische Studio Effektszenen von japanischen Filmen benutzt und mit neuem Material neue Filme daraus gemacht hat). Diese Menge lässt den Eindruck entstehen, als hätte es kontinuierlich gut alle zwei Jahre einen neuen gegeben, aber dem ist nicht so. Die Schlagzahl war höher, aber dafür gab (und gibt es auch) zwei Phasen, in denen keine neuen „Godzilla“-Filme produziert worden sind.

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Der Name

Eigentlich heißt das Monster ja gar nicht Godzilla. Der japanische Name ist Gojira, eine Kombination aus „gorira“ (Gorilla) und „kujira“ (Wal). In einer frühen Planungsphase des ersten Films sollte das Monster auch noch wie eine Mischung aus einem Wal und einem Gorilla aussehen. Es gibt zudem eine Geschichte, nach der einer der Handwerker bei den Toho-Produktionen den Spitznamen „Gojira“ hatte, weswegen man diesen dann dem Monster gab. Allerdings gibt es dafür keine Belege, in all den Jahren sind keine Bilder des angeblich korpulenten Mannes aufgetaucht noch hat sich je einer der Toho-Angestellten als „Gojira“ geoutet.

Der Name wurde für die US-Auswertung anglisiert. Aus Gojira wurde Godzilla.

Die Inspiration

Die Genese für den ersten „Godzilla“ im Jahr 1954 war der Erfolg einer Reprise von „King Kong und die weiße Frau“ in Japan, aber auch der Erfolg von „Panik in New York“, in dem ein Rhedosaurier die Millionen überlebt hat und in New York Amok läuft. Die Effekte dieses Films wurden von Ray Harryhausen gestaltet, mit der charmanten, aber zeitraubenden Stop-Motion-Technik, bei der die Animation vonstattengeht, indem ein Model minimal bewegt wird, man ein Bild macht, es wieder bewegt, ein weiteres Bild macht, bis schließlich mit 24 Bildern eine Sekunde Film entstanden ist.

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Diesen Weg wollte man bei Toho, dem Studio, das für die Produktion des Films verantwortlich war, nicht gehen. Man entschied sich stattdessen für den Man-in-Suit, einen Schauspieler im Monsterkostüm, der durch eine Pappmache-Stadt läuft und alles kurz und klein schlägt. Das sieht nicht gar so überzeugend aus, hat aber auch seinen eigenen Charme.

Die erste Ära

Toho hat von 1954 bis 2004 Filme mit dem grünen Giganten produziert. Das ist eine lange Zeit, die in drei Perioden aufgeteilt sind. Man spricht von der Showa-, der Heisei- und der Millennium-Ära. Showa und Heisei sind nach den Kaisern benannt, die in jener Zeit regiert haben, „Millennium“ war für die Unterscheidung nötig, da zu den Filmen dieser Ära noch immer derselbe Kaiser auf dem Thron saß.
Inhaltlich gibt es deutlich Unterschiede, die es leicht machen, die Reihe in verschiedene Perioden zu unterteilen.

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Die Showa-Ära reichte von 1954 bis 1975 und umfasst 15 Filme. Gemein haben diese Filme, dass sie mehrheitlich sehr leichtherzig daherkommen. Nur wenige Filme, darunter auch das Original von 1954 haben einen ernsteren Ton und erzählen düsterere Geschichten. Anfangs war Godzilla noch ein Monster, das eine Bedrohung für Japan darstellte, aber beginnend mit „Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah“ im Jahr 1964 änderte sich das. Godzilla machte eine Wandlung durch. Er wurde von einer Bedrohung zu einer freundlicheren Kreatur, einem Antihelden, der sich den anderen Monstern in den Weg stellt. Damit spielt auch Gareth Edwards neuer Film, der es sich am Ende nicht nehmen lässt, einen Nachrichtenbericht zu zeigen, in dem zu lesen ist: „König der Monster, Retter unserer Stadt.“

Aber während dieser Transformationsphase war Godzilla noch nicht ganz das gutmütige Monster. Diese Entwicklung wurde 1967 mit „Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn“ abgeschlossen.

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In den Filmen dieser Phase wurden einige der bekanntesten und beliebtesten Monster eingeführt, allesamt Gegner von Godzilla. Am bemerkenswertesten ist der dreiköpfige King Ghidorah, aber auch Mechagodzilla, eine Roboterversion des großen Grünen, war ein beliebter Gegner. Darüber hinaus erhielt Godzilla mit Minilla einen Sohn, der auch ausschlaggebend dafür war, Godzilla zu einer sympathischen Figur zu machen.

In den Filmen dieser Phase wurden auch Monster präsentiert, die später ihre eigenen Filme erhielten: Mothra und Rodan. In den 60er und 70er Jahre waren die Kaiju-Filme, also jene mit riesenhaften Monstern, besonders populär. Nicht nur gab es reihenweise „Godzilla“-Filme, auch Spin-offs und Rip-offs waren zahlreich vorhanden.

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Die Wartezeit ist vorbei: Die zweite Phase beginnt

Fast zehn Jahre mussten die Fans auf einen neuen Film mit dem Giganten warten, pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum war es dann aber soweit. „Godzilla – Die Rückkehr des Monsters“ ignoriert alle Filme, die zuvorgekommen sind – mit Ausnahme des 1954er-Originals. Man hat also effektiv zwei Filmreihen, für die der Originalfilm der Ausgangspunkt ist.

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Die Heisei-Ära umfasst die Jahre 1984 bis 1995. Sieben Filme wurden in diesen Jahren produziert, wobei man vor allem zwischen „Godzilla – Die Rückkehr des Monsters“ und „Godzilla, der Urgigant“ lange Zeit verstreichen ließ, nämlich fünf Jahre. Die weiteren Filme kamen dann in schnellerer Folge und präsentierten einige Monster neu, die Fans schon aus der Showa-Ära kennen.

Kernpunkt dieser Ära ist, dass sich die Filme stärker mit der Genetik des Monsters befassten. In „Godzilla – Duell der Megasaurier“ wird sogar erstmals die Entstehungsgeschichte von Godzilla erzählt. Er entstammt einer Dinosaurierart, die es in der Realität nicht gibt: Godzilla ist ein Godzillasaurus, der durch radioaktive Strahlung verändert wurde und mutierte, bis er die gigantischen Ausmaße annahm, die man nun kennt.

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Die dritte und (bislang) letzte Phase

Von 1999 bis 2004 wurden weitere „Godzilla“-Filme produziert, und zwar sechs an der Zahl. Diese sind Teil der Millennium-Ära, die mit „Godzilla 2000 – Millennium“ begann und mit „Godzilla – Final Wars“ endete.

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Dieser Film zelebrierte nicht nur den 50. Geburtstag des Giganten, sondern auch alles, was die Reihe so populär gemacht hat. In dem von Ryuhei Kitamura („Versus“) inszenierten Film reist Godzilla um die ganze Welt und kämpft gegen allerhand Monster aus seiner Vergangenheit plus das mysteriöse Monster X. Man hat dabei noch nicht mal den Emmerich-Film von 1998 vergessen, denn Godzilla trifft auch auf seinen Namensvetter aus dem amerikanischen Film, nur dass er hier umgetauft wurde: Zilla.
Schon im Vorfeld hatte Toho bekannt gegeben, dass dies der letzte „Godzilla“-Film für zehn Jahre sein würde. Man hatte zwar im Grunde erwartet, dass 2014 ein neuer japanischer Film die vierte Phase einleiten würde, aber nun ist es der zweite amerikanische Film, mit dem Godzillas Geburtstag zelebriert wird.

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Der amerikanische Godzilla

Schon der Urfilm liegt in verschiedenen Fassungen vor, denn in den USA wollte man ihn für das einheimische Publikum aufpeppen und drehte Szenen mit einem amerikanischen Reporter, der von Raymond Burr gespielt wird. Dieser dokumentiert, was Godzilla anrichtet. Der Versuch, diesen Film damit zu amerikanisieren, war jedoch nicht wirklich überzeugend.

In den 1980er Jahren wollte Steve Miner („Freitag, der 13. – Teil 2“) den ersten echten amerikanischen Godzilla produzieren und konnte sowohl Warner als amerikanischen Produzenten als auch Toho als Lizenzgeber interessieren, doch das anvisierte Budget erschien beiden zu groß. Das von Fred Dekker („Night of the Creeps“) geschriebene Drehbuch wurde darum nie verwirklicht. Zu Beginn der 1990er Jahre erwarb Sony die Rechte von Toho, eine amerikanische Trilogie zu produzieren. Es sollte jedoch noch bis 1998 dauern, bis der erste amerikanische Godzilla-Film wirklich Gestalt angenommen hatte.

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Roland Emmerich interessierte sich für den Stoff und nutzte Godzilla, um mal wieder für kräftig Krawall zu sorgen. Das Riesenmonster zerstört New York, während sein Nachwuchs wie Raptoren auf Leute Jagd macht. Der Film mit dem ersten computeranimierten Godzilla kam weder bei Fans noch Publikum besonders gut an. Die Pläne für weitere Filme wurden zu den Akten gelegt. Stattdessen wurde eine Zeichentrickserie mit Emmerichs Godzilla produziert, die es immerhin auf zwei Staffeln und 40 Folgen brachte. Übrigens gab es 1978 schon einmal eine Zeichentrickserie, die von Hanna-Barbera Productions verantwortet wurde. Diese amerikanische Produktion brachte es auf 26 Episoden.

Das essenzielle Problem von Emmerichs Film ist aber nicht, dass er sich kaum wie ein Godzilla-Streifen anfühlt, sondern dass man das Monster so extrem verändert hatte. Es sah der ikonenhaften Figur, die Zuschauer auf der ganzen Welt so gut kennen, einfach nicht mehr ähnlich genug. Ein Fehler, den Gareth Edwards mit seinem neuen Film, der fast genau zehn Jahre nach „Godzilla – Final Wars“ in die Kinos kommt, nicht gemacht hat.

Auch sein Godzilla ist computeranimiert, aber diese Animationen erinnern an die Man-in-Suit-Tradition der Reihe. Und wichtiger noch: Das Monster sieht aus, wie man es kennt!

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Die Angst vor der Bombe

Besonders im Rückblick lässt sich der erste Film, aber auch die nachfolgende Reihe interessant deuten. Japan ist das einzig postatomare Land, das aus erster Hand erleben musste, wie destruktiv eine Atombombe ist. Godzilla ist eine Metapher für die Macht des Atoms, die gnadenlos und unerwartet zuschlagen kann. Wie das Monster Städte plattmacht, ist im Ergebnis nichts anderes als die Verheerung, die die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki mit sich gebracht haben.

Das Interessante an Godzillas Werdegang ist aber auch, dass man ihn als Allegorie auf Japans Beziehung zu den USA lesen kann. Zuerst ist er ein erbitterter Feind, der immense Zerstörung mit sich bringt, aber mit der Zeit wird er zu einem treuen Freund, der in Stunden der Not auch zur Verteidigung des Landes bereit ist.

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Das populärste Monster der Welt

Godzilla hat nicht nur einen Stern auf dem Walk of Fame, in Tokio steht auch eine Statue, die zum Touristen-Hot-Spot geworden ist. Der Riesensaurier ist so sehr ins kollektive Gedächtnis der Menschheit eingegangen, dass viele der Meinung sind, er sei im Public Domain. Ein Irrglauben, den schon so manche Firma, darunter Subway und Honda, mit barer Münze bezahlen mussten, da sie Werbung mit Godzilla-ähnlichen Figuren machten, aber dann wegen Urheberrechtsverletzungen von Toho verklagt worden sind.

Godzilla - Vom bösen Monster zum Retter der Erde

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Wirre Namensgebung

Die Reihenfolge aller „Godzilla“-Filme ist nicht gar so leicht zusammenzustellen, schon alleine deswegen, weil mit Wiederaufführungen und Umtitelungen auch zahlreiche Alternativen entstanden sind. Nicht leichter wird es, dass das Wort „Godzilla“ im Deutschen nicht immer im Titel geführt wird und man stattdessen auf die Zugkraft von „Frankenstein“ (weder das Monster noch sein Schöpfer tauchen auf) und „King Kong“ (nicht verwandt oder verschwägert mit dem allen bekannten Riesengorilla) setzte.

Packshot zu GodzillaGodzilla

Darüber hinaus haben die Filme auch im englischen Sprachraum eine ganze Reihe unterschiedlicher Titel bekommen. Und manchmal wurden in Deutschland, aber auch in anderen Ländern Filme als „Godzilla“-Streifen vermarktet, obwohl sie keine waren.
Da zudem auch verschiedene Rechte-Inhaber auf dem deutschen Markt die Filme auf DVD und Blu-ray vertreiben, ist es noch schwieriger, eine komplette Serie zusammenzubekommen.

60 Jahre ist der Riesendinosaurier nun alt. Das macht ihn zu einem der langlebigsten, aber auch erfolgreichsten Filmhelden. Godzilla ist ein Phänomen, das nicht nur in Japan verfing (dort aber natürlich besonders stark), sondern weltweit ein Publikum fand. Sicherlich sind die alten Filme aus moderner Sicht reichlich naiv geraten, aber sie besitzen einen kindlichen Charme, an dem man sich noch immer erfreuen kann. Es ist die Lust an der Zerstörung, der man sich einfach hingibt, wenn man zusieht, wie zwei Männer in Monsterkostümen in einer Pappstadt aufeinander eindreschen oder mit Zugmodellen um sich werfen.

Bewahrt man sich diese kindliche Freude, dann kann man auch die alberneren Elemente der Filmreihe durchaus genießen. Und wer es wirklich ernsthaft will, für den gibt es immer noch einzelne Filme wie das Original von 1954, das direkte Sequel, aber auch den Film von 1984, die allesamt einen ernsteren Anstrich und durchaus dramatische Szenen bieten haben.

Aber egal, was man präferiert, Godzilla ist ein weltweit bekanntes Phänomen, so bekannt wie Superman oder Spider-Man und auch mit 60 Jahren noch kein bisschen ruhig geworden. Im Gegenteil, der markerschütternde Schrei des Urgiganten hallt immer wieder durch die Kinosäle dieser Welt, so auch jetzt wieder, das Gareth Edwards Neuverfilmung weltweit startet.

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