Dieser Film wird kompliziert. Das war bereits nach einer guten Stunde klar. Er wird die Lager schlimmer teilen, als Reboots, Remakes und halbherzige Fortsetzung es jemals gekonnt hätten. Der Versuch, den König der Monster erneut als Hollywoodproduktion umzusetzen, war nach dem Roland-Emmerich-Debakel bestenfalls als „mutig“ zu bezeichnen. Und das Ergebnis: bestenfalls „befriedigend“.

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Kompliziert

Doch muss man in der Lage sein, beide Aspekte dieses Machwerks zu berücksichtigen. Auf der einen Seite ist und bleibt es ein Godzilla-Film. Mit seiner ganz eigenen Zielgruppe, seinen ganz speziellen Fans und einem Aufbau, der mit den westlichen Produktionen schwerlich zu vergleichen ist.

Godzilla - Halb 'ja'. Halb 'nein'. Egal. Hauptsache es kracht ordentlich.

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"Godzilla" ist die Geschichte der Brodys.
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Doch er ist ebenfalls ein Produkt der Hollywood-Schmiede. An das amerikanische Publikum angepasst und nicht dafür ausgerichtet, dem japanischen Kinogänger zu gefallen. Ganz im Gegenteil zu den amerikanischen und europäischen Godzilla-Fans. Die zwar nicht so anspruchsvoll und kleinkariert sind, wenn es um die perfekte Umsetzung geht, sich aber auch nicht mit einer x-beliebigen Riesenechse abspeisen lassen.

Dieser Versuch, quasi zwei Welten zu vereinen, das Beste aus beiden rauszuholen und die Reichweite zu maximieren, hat zu einem Zwist geführt, der eine optimale Einschätzung des Endprodukts fast unmöglich macht. Denn unterm Strich ist „Godzilla“ ein lausiger Film, in dessen Mittelpunkt ein ebenso lausiger Hauptdarsteller von einer Szene in die nächste geschubst wird. Gleichzeitig ist es aber auch ein fantastischer Monster-Film, mit viel Krach und massig Bumm und einer ordentlichen Prise Nostalgie-Feeling.

Godzilla - Halb 'ja'. Halb 'nein'. Egal. Hauptsache es kracht ordentlich.

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Das Augenmerk liegt leider zu oft auf völlig uninteressanten Figuren.
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Halbherziger Versuch

Der größte Kontrapunkt bei „Godzilla“ ist sein halbherziger Versuch, um den König der Monster herum eine Geschichte zu stricken. Dabei erfüllt der Film jedes Hollywood-Klischee, lässt kein Schubladendenken aus und verfolgt den gleichen Ablauf, wie schon eine Million Actionfilme vor ihm.

Es gibt den Krach am Anfang, die gefühlsduselige Geschichte des Protagonisten im Anschluss, die Spannungskurve, die sich stetig nach oben schraubt, im dramaturgischen Höhepunkt gipfelt und dann das Finale einläutet.

Gleichzeitig verfolgt „Godzilla“ aber auch eine eigene Erzählweise, die sich leider nicht sonderlich gut mit dem Gezeigten verträgt. Jeder Abschnitt des Films beginnt mit einer ruhigen Szene, erreicht nach einer Weile des Erzählens einen spannenden und/oder actiongeladenen Punkt, nur um dann von einer Sekunde auf die andere einen Schnitt zu setzen und wieder mit einer ruhigen Szene von vorn zu beginnen.

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Spannend. Langweilig. Spannend. Langweilig. Spannend ...
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Das Ergebnis sind viele kleine Etappen, die am Ende des Films wie ein Toblerone-Riegel wirken. Auf und ab, auf und ab. Dabei stetig der 08/15-Erzählweise eines durchschnittlichen AAA-Kinofilms folgend. Eine durchgehende Steigerung oder zumindest etwas weniger hart geschnittene Übergänge, hätten dem Film durchaus gut getan.

Monster gegen Menschen

Zweiter Negativpunkt ist eindeutig die Wahl der Schauspieler. Während stets mit Bryan Cranston in den Trailern geworben wird, ist es letztendlich sein Filmsohn Aaron Taylor-Johnson, der im Mittelpunkt des Geschehens steht. Leider hat der gute Aaron - im Gegensatz zu Bryan - die Mimik von einer Scheibe Toastbrot. Seinem unausgereiften und langweiligen Charakter zu folgen ist müßig.

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Einen Oscar gibt es für diese Leistung ganz sicher nicht.
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Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung beider wichtiger Charaktere. Der von Bryan scheint nur da zu sein, um zu zeigen, wie beeindrucken Herr Cranston trauern und ausrasten kann. Danach verliert er sich in der Bedeutungslosigkeit. Und die Figur des Johnson ist so nützlich für den Film wie Flash im gleichnamigen Abenteuer von 1974. Selbst die Nebenfigur der Elle Brody (gespielt von Elizabeth Olsen) macht einen besseren Job als Aaron-Taylor als Joe Brody. Leider ist sie unwichtig für die Handlung und daher eher selten zu sehen.

Starke Monsteraction, verpackt in einem mehr als mittelmäßigen Film.Fazit lesen

Hinzu kommen noch unfassbar viele Logikfehler und unsinnige Szenen, die teilweise so „beknackt“ sind, dass sich wieder eine unfreiwillige Komik ergibt. Sie hier alle aufzuzählen würde bei weitem den Rahmen für jede Form eines Artikels sprengen.

Wären die Monster nicht so grandios umgesetzt (vor allem „Godzilla“ selbst) und die satten Actionszenen nicht so ein Fest für die Augen … der Film hätte wenig Gutes an sich. Es ist pure „Hirn aus“-Action. Selbst das reicht in manchen Momenten nicht. Der ganze Aufbau schreit danach, die Monster viel mehr in den Mittelpunkt zu rücken und die menschlichen Aspekte völlig zu ignorieren. Außer als schreiende Masse, die vor den wahren Hauptfiguren davon rennt.

Godzilla - Bilder zu Godzilla 2014

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Doch wie schon erwähnt: „Godzilla“ ist mehr als nur eine Hollywood-Produktion. Er ist auch ein neuer Film rund um das radioaktive Monster. Und damit steht ihm eine ganz besondere Beobachtung und Analyse zu. Ein zweiter Blick, der den bloßen Aufbau des Films und den irrelevanten USA-Klischees keine Beachtung schenkt und sich auf das Wesentliche konzentriert: die Monster.

Originalgetreu?

Weil man den neuen "Godzilla" natürlich nicht einfach in eine Schublade stecken und nach Schema "F" bewerten kann, sondern sich vor Augen führen muss, dass er ein ganz besonderes Genre darstellt und nebenbei eine sehr spezielle Zielgruppe anspricht, müssen wir auch die Meinung eines waschechten Kaiju-Fans ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Das übernimmt unser Praktikant Huy Vu:

Huy Vu´s Meinung zu Godzilla

"Was war ich elektrisiert vor Spannung, als ich mir jeden Trailer zu dem neuesten Godzilla-Film doppelt und dreifach angesehen und mich aufgrund der Wartezeit regelrecht verrückt gemacht habe ... Es war mit „Pacific Rim“ noch gar nicht so lange her, als eine Masse von Kaiju (ein japanisch geprägter Popkulturbegriff für riesige Monster) die Kinos unsicher gemacht haben.

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Huy Vu konnte dem Film sehr viel mehr abgewinnen.
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Dass aber tatsächlich mein Lieblingsmonster aus Kindheitstagen nun einen Remake-Kinoauftritt bekommt, hätte ich in nächster Zeit kaum zu hoffen gewagt. Müsste ich jetzt nach dem Kinobesuch meinen Gesamteindruck in einem Wort schildern, wäre es „Geil“. Als Godzilla-Fan wurde ich nicht enttäuscht.

Die Trailer haben in meinen Augen sehr gut die Grundstimmung des Films wiedergegeben. Durch diese war auch von vornherein klar, dass noch weitere Kaiju neben Godzilla im Film auftauchen. Bei jenen zwei Kreaturen handelt es sich um eigens für den Film kreierte Monster, die bis auf die Tatsache, dass sie aus Atomkraft und Atomwaffen ihre Energie beziehen, keinerlei Verbindung zu den bekannten Kaiju des japanischen Filmstudios Toho aufweisen. Die M.U.T.O. (kurz für Massive Unidentified Terrestrial Object) sind im Grunde die eigentliche Gefahr in diesem Film, gegen die Godzilla kämpfen darf.

(Spoiler-Warnung!)

Im Film handelt es sich bei Godzilla ähnlich wie bei „Godzilla – Duell der Megasaurier“ um ein urzeitliches, gigantisches Tier. Um zu verhindern, dass es in den nächsten Jahren zu einem gefährlichen Monster mutiert, haben die Amerikaner daraufhin versucht es mit Atombomben zu töten - und sind daran gescheitert.

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Als pure Monster-Action ist "Godzilla" mehr als solide.
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Die Existenz Godzillas wird unter Verschluss gehalten, der Bombenabwurf im Bikini-Atoll offiziell als Atomwaffentest ausgegeben. Regisseur Edward Gareth bewies bei diesem Film mehrfach, dass er und sein Team sich mit dem Kaiju-Kult und auch mit der Geschichte um die Kontroversen der Atomenergie intensiv beschäftigt haben. Durch diverse Anspielungen zollte er den Godzilla-Fans seinen Respekt.

Der von Ken Watanabe gespielte Wissenschaftler Dr. Ichiro Serisawa ist beispielsweise an Dr. Daisuke Serisawa aus dem allerersten Godzilla-Film von 1954 angelehnt. Für Kaiju-Kenner gibt es dazu noch das eine oder andere Easter-Egg zusehen: Ein subtiler Kameraschwenk zeigt ein Terrarium mit der Aufschrift „Mothra“ - Ein netter Verweis auf die bekannte Riesenmotte. Dem Gumprecht ist sogar ein Poster vom schildkrötenartigen Monster Gamera ins Auge gesprungen.

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Godzilla kommt am 15.05.2014 in die Kinos.
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Auch hatte ich den Eindruck, dass der Soundtrack von Alexandre Desplat ein wenig an den Stil des damaligen Godzilla-Musikkomponisten Akira Ikufube angelehnt ist. Dann war da noch der finale Kampf zwischen den gigantischen Monstern, der es in sich hatte. Als Godzillas Rücken schließlich zu Leuchten begann, war zu meiner großen Freude klar, was folgte: das Abfeuern seines atomaren Atems.

Leider war das Ende doch etwas zu kitschig. Als Godzilla nach seinem vermeintlichen Todesfall am Ende des Kampfes wieder aufsteht und aufs Meer ausschreitet, jubelt die Menschenmasse dem Riesen hinterher und die Kollegin von Dr. Serizawa ist vor lauter Rührung den Tränen nahe. Das wirkte ein wenig befremdlich, wenn man bedenkt, dass der Urgigant einige Szenen zuvor noch seinen Weg durch die Stadt gebahnt und dabei eine Schneise der Zerstörung hinterlassen hat.

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Da dürfen wir uns wohl ganz sicher auf eine Fortsetzung freuen.
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Wenn man vom Ende absieht, welches dem König der Monster den Schrecken etwas genommen hat, gibt es eigentlich kaum etwas an der Inszenierung der Kaiju zu beanstanden. Als das erste M.U.T.O. aus seiner „Larve“ schlüpft oder die Städte sich mit Schutt und Asche füllen, während Godzilla zwischen den Häuserschluchten entlang stapft, kam eine wunderbar bedrückende Atmosphäre auf.

Godzillas Design ist eine gelungene Mischung aus originaler Vorlage und Neuinterpretation. Es sieht so aus als besäße Godzilla nun Kiemen, was durchaus erklären würde, wie er all die Jahre unbemerkt und in den Tiefen der Meere leben konnte. Als Godzilla- und Monster-Fan wird man bei diesem Film gut bedient, wenn man bezüglich typischer Monsterfilm-Klischees öfters mal ein Auge zudrücken kann. Man kennt es halt schon mehrfach: Zivilisten, die statt Fersengeld zu geben eher schaulustig sind und anonyme Soldaten, die größtenteils Kanonenfutter hergeben!".