Auf dem Papier mag „Gingerclown“ wie eine gute Idee klingen: Eine Retro-Horrorkomödie um einen verlassenen Vergnügungspark, in dem allerlei Helden vergangener Tage in Monsterkostüme schlüpfen und eine Gruppe kreischender Jugendlicher erschrecken. Auf dem Fernsehschirm jedoch verwandelt sich diese Idee in eine vor dilettantischem Unvermögen nur so strotzende Geduldsprobe, die gute Chancen hat, in die Top 10 der schlechtesten Filme des Jahres aufgenommen zu werden. Also dieses Jahres, weil der Film 2014 rauskommt, und gleich auch noch letzten Jahres, weil er da produziert wurde.

Gingerclown - Official Trailer

Aus Ungarn in die weite Welt

Auch wenn es der Anfang, bei dem das Hollywood-Zeichen zu sehen ist, anders suggeriert: „Gingerclown“ ist eine ungarische Produktion. Und die ganzen namhaften Stars vergangener Jahrzehnte, wie Tim Curry, Lance Henriksen, Sean Young und Michael Winslow, tauchen lediglich mit ihrer Stimme auf – was natürlich nur für die Originalfassung gilt, und damit schon mal die deutsche Fassung ein gutes Stück witzloser macht. Ganz so, als wäre das überhaupt noch möglich, mit all dem unausgegorenen Schindluder, das sonst mit der Prämisse getrieben wird.

Es ist ja oft so, dass Filme von einer Idee leben und das Ganze dann einfach „high concept“ nennen, doch „Gingerclown“ bleibt bescheiden und begnügt sich mit „no concept“. Irgendwie sollte es auf jeden Fall um prominent gesprochene Monster in einem nächtlichen Vergnügungspark gehen – und alles weitere wurde dann am Set dazugedichtet, basierend auf drei Servietten mit handgeschriebenen Notizen: „Jugendliche machen Mutprobe.“ „Möglichst dunkle Sets, weil Puppen.“ „Alle zuvor aufgenommenen Nonsens-Dialoge einbauen.“

Gingerclown - "Pennywise" Tim Curry schlüpft wieder ins Clown-Kostüm

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Der titelgebende Clown, gesprochen von Tim Curry.
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Und Schluss. Das war's, bis zum bitteren Ende. Kein roter Faden, keine Spannung, keine Erklärungen, keine Motivationen. So gut wie sicher wurden die Stimmen der namhaften „Akteure“ mal irgendwann zwischen Tür und Angel aufgezeichnet. Was sie hier verzapfen, ist teilweise vollkommener Schwachsinn und zeugt mindestens von den bescheidenen Englischkenntnissen des Regisseurs (und gleichzeitig Drehbuchautors). Ins gleiche Horn stoßen natürlich auch die sonstigen Dialoge, die selbst abends um 12 in Wedding besser klingen und an dämlicher Niveaufäule kaum noch zu unterbieten sind.

Das Kabinett des Schreckens

Laienhafte „Schauspieler“ stolpern durch finstere Sets und treffen dort zum Beispiel auf eine dämonische Teekanne, eine groteske Riesenspinne oder einen diabolisch lachenden Clown. Eine gute Stunde geht das so, völlig ohne Zusammenhang, bis dann am Ende der titelgebende Gingerclown einen der lächerlichsten Tode der Filmgeschichte stirbt. Rumms und aus, und das sogar ohne Spoilergefahr, weil kaum jemand das Ende des Films freiwillig erleben will. Und falls doch, dann sind einem die Schicksale sämtlicher Beteiligter so egal, dass die zum Abschluss auch „Alle meine Entchen“ singen und dabei platzen könnten.

Gingerclown - "Pennywise" Tim Curry schlüpft wieder ins Clown-Kostüm

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Erin Hayes: Bitte nur hübsch dastehen und auf keinen Fall reden!
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„Das Kabinett des Schreckens Teil 2“, in gewisser Weise, und vielleicht auch eine Art Hommage an „Killer Klowns from outer Space“ oder Charles-Band-Produktionen à la „TerrorVision“. Man möchte dem Regisseur gar nicht abstreiten, dass sein B-Herz am rechten Fleck schlägt, doch selbst in den tiefsten achtziger Jahren reichte es nie, einfach nur ein paar Sets und ein paar Monster hinzustellen und den Rest dann mittels inniger Gebete herbeizuzaubern. Filme wie „Killer Klowns“ leben von ihren Ideen hinter den Monstern und dem eisernen Willen, sich durch die engen finanziellen Grenzen nicht kleinkriegen zu lassen. Genau diese Anstrengung ist bei „Gingerclown“ zu keinem Zeitpunkt erkennbar.

Stümperhafter Horrorquatsch zum Abgewöhnen. Die namhaften Stars tauchen alle nur mit ihrer Stimme auf.Fazit lesen

Es wird sicher unbedarfte Reflexseher geben, die einfach nur das (zugegebenermaßen) coole Artwork sehen und dann über die prominenten Namen dem Film eine Chance geben, doch alle anderen können nur eindringlich gewarnt werden. Die Sets und die Monster sind zwar tatsächlich schön anzusehen in ihrem handgemachten Low-fi-Glanz, doch trotzdem stellt sich schnell verwirrte Entgeisterung ein. Nicht die Sorte Entgeisterung, die in ihrer schrägen Exzentrik angeregtes Grinsen bewirkt, sondern die andere Sorte – bei der man erst mal tief ausatmet, die Hand an die Stirn klatscht und dann „was ist denn DAS für ein verpeilter Krampf!?“ ausruft.