Seit sich jenes königliche Trio aus Jim Abrahams sowie der Gebrüder David und Jerry Zucker vom Kino verabschiedete, das einst mit Filmen wie „Top Secret!“ oder „Die nackte Kanone“ Erfolge feierte, scheint das bedauerlicherweise gar nicht mehr so weite Feld der Spoof-Komödien einer Generation vollständiger Nichtskönner überlassen zu sein. Und Marlon Wayans dürfte dabei zu den schlimmsten von ihnen zählen.

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Wenn der Verstand kapituliert

Der Produzent, Autor und Hauptdarsteller von „Ghost Movie“ und nun eben auch „Ghost Movie 2“ besudelt das ZAZ-Erbe seliger Filmparodien längst auch ohne Unterstützung seiner nicht minder nervtötenden Brüder Shawn und Keenen Ivory Wayans. Ihnen gelang mit „Scary Movie“ eine seinerzeit vergleichsweise amüsante Genreparodie, in der Marlon Wayans den dauerbekifften Shorty „Was geht ab“ Meeks spielte.

Ghost Movie 2 - Wenn der Verstand kapituliert und der Humor Selbstmord begeht

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Kreischen bis das Trommelfell platzt: Auch Nachbar Miguel (Gabriel Iglesias) kann Malcolm (Marlon Wayans) nicht die Angst vor übernatürlichen Ereignissen nehmen.
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15 Jahre und eine unüberschaubare Reihe ähnlich betitelter Filme später liegt die Spoof-Komödie in ihren letzten Atemzügen. Während Jason Friedberg und Aaron Seltzer, die Regisseure hinter Comedy-Totgeburten wie „Date Movie“, „Fantastic Movie“ oder auch „Disaster Movie“, ihre Filme nunmehr gottlob unter Ausschluss der Öffentlichkeit produzieren, scheint Wayans immer noch eine überschaubare Fanbase mobilisieren zu können.

Diese zumindest rannte 2013 wie blöde in „Ghost Movie“, der eigentlich „A Haunted House“ heißt, und bescherte der für 2,5 Millionen US-Dollar buchstäblich hingefurzten Horrorkomödie ein etwa 25 Mal so hohes Einspiel. Das umgehend beschlossene und nur unwesentlich kostspieligere Sequel gleicher Aufmachung startete dann bereits im April dieses Jahres in den US-Kinos.

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Die Annabelle-Puppe aus „The Conjuring“ heißt hier Abigail und muss für allerlei müde Fellatio- und Cunnilingus-Witzchen herhalten.
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Zwar blieb die Fortsetzung kommerziell hinter den Erwartungen zurück (und erscheint hierzulande lediglich auf DVD und Blu-ray), dürfte aber dennoch ausreichend eingenommen haben, um nicht vor weiterem Spoof-Blödsinn gefeit zu sein. Schließlich hat „Paranormal Activity“, das Referenzvorbild auch diesen zweiten Teils, eindrücklich vorgemacht, wie beharrlich sich mit der Wiederholung des ewig Gleichen Kohle scheffeln lässt.

„Ghost Movie 2“ ist keineswegs schlechter als sein Vorgänger, was allein daher schwierig wäre, weil Filme wie dieser auch ganz einfach nicht mehr schlechter sein können. Insofern besitzt Marlon Wayans beinahe so etwas wie Narrenfreiheit. Er gibt eben, was er kann. Und weil das alles in allem so ziemlich genau gar nichts ist, hat er entsprechend wenig zu verlieren. Reputation schon mal gar nicht.

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Gehen auch immer, wenn einem nix mehr einfällt: malträtierte Tiere. Hier als Verweis auf „Paranormal Activity“. (nicht im Bild: ein gevierteiltes Hündchen)
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Alles auf Anschlag

Müßig also, dem Humorverständnis eins solchen Films über dessen erbärmliche Pipi- und Kacka-Witzchen auf den gelbbraunen Grund zu gehen. Sich wiederholt an selbstunsicheren Sex-Zoten oder der Peergroup dienlichen Rassismus-Gags abzuarbeiten. Und erst recht in der Wahl der verballhornten Filme tatsächlich parodistische Ansätze zu erspüren, so sich Wayans einmal mehr darauf beschränkt, diese lediglich nachzustellen, statt komödiantisch freizulegen.

Bemerkenswert ist es dennoch, wie sehr alle Beteiligten, darunter erneut hinlänglich bekannte Schmalspurkomiker wie Affion Crockett oder Cedric the Entertainer, sich dafür ins Zeug legen. Gespielt und gekreischt, das ist hier ohnehin dasselbe, wird stets auf Anschlag. In einer nicht enden wollenden Szene verlustiert sich Wayans mit der Annabelle-Puppe „The Conjuring – Die Heimsuchung“ auf alle nur erdenklichen Arten – ein Musterbeispiel exaltierter Comedy-Verausgabung, die vollkommen ins Leere läuft.

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Bekommt von der Besessenheit ihrer Tochter konsequent nichts mit: Malcolms Freundin Megan (Jaime Pressly), eine der Neuzugänge des zweiten Teils.
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Ansonsten fällt dem Film natürlich ebenso wie seinem Vorläufer nichts weiter ein, als die oberflächlichen Erkennungsmerkmale saisonaler Horrorhits wie „Possession – Das Dunkle in dir“ oder „Sinister“ in eine Dauerschleife hysterischer Flachwitze zu schnüren. Und die ja nun wirklich allzu angreifbare, leicht zu parodierende Found-Footage-Ästhetik nicht gehörig durch den Kakao zu ziehen, sondern nur langweilig abzumalen.

Ein dem Vorgänger in jeder Hinsicht ebenbürtiges Sequel. Auch (k)eine Leistung.Fazit lesen

Nichts Neues also aus der Spoof-Hölle und ihres wohl letzten verbliebenen Exponenten Marlon Wayans. Und obwohl es sich wahrlich längst ausparodiert hat, kann und mag man über dessen Egal-Kino eigentlich kaum noch mit dem Kopf schütteln. Das wäre der körperlichen Regung schon viel mehr, als es „Ghost Movie 2“ – als es jeder dieser falsch verstandenen Parodieversuche – überhaupt verdient hätte.