So hat man Mel Gibson schon lange nicht mehr gesehen – genaugenommen seit 13 Jahren. Aber nun spielt er wieder einen harten, lakonischen, smarten Gauner mit trockenem Witz, der immer mehrere Schritte im Voraus plant. „Get the Gringo“ ist ein Actionfilm, den Gibson mit 20 Millionen Dollar Budget selbst produziert hat.

Get the Gringo - Exklusive Featurette: Das Gefängnis wird geräumt2 weitere Videos

Er schrieb zusammen mit Regisseur Adrian Grunberg, der bei seinem „Apocalypto“ der erste assistierende Regisseur war, das Drehbuch. Kein Wunder also, dass ihm die Rolle des namenlosen Gauners auf den Leib geschneidert ist.

Ein Karrierekrimineller ist mit einem Partner und zwei Millionen Dollar auf der Flucht. Es gelingt ihm gerade noch so, über die Grenze nach Mexiko zu kommen. Aber die Polizisten, die ihn dort aufgreifen, verhaften ihn. Das Geld behalten sie selbst. Nun findet sich der Fahrer in einem mexikanischen Gefängnis wieder, in dem das pure Chaos herrscht.

Hier leben auch Frauen und Kinder. Mit einem davon freundet sich der Fahrer an und erfährt dabei, dass der lokale Verbrecherboss den Vater des Jungen töten ließ. Weil er seine Leber brauchte. Dummerweise ist das neue Organ auch schon recht verschlissen, weswegen er über kurz oder lang die Leber des Jungen will.

Der Fahrer will das nicht zulassen. Außerdem will er sein Geld zurück. Und am besten sollen auch noch alle draufgehen, die ihm gefährlich werden könnten. Aber wie lassen sich all diese Ziele erreichen?

Get the Gringo - Mel Gibson ist zurück – so, wie man ihn am meisten liebt!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 8/101/10
Mel Gibson, wie wir ihn mögen: als zynisches Raubein.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Urlaub in Mexiko

Eigentlich sollte der Film „How I Spent My Summer Vacation“ heißen. Ein ironischer Titel, der dem Film, aber auch der Hauptfigur weit mehr gerecht wird. Es ist etwas, das die Figur Porter aus „Payback“ sagen würde. Und ja, der namenlose Fahrer könnte tatsächlich Porter sein. Er hat dieselben Manierismen, den gleichen Background, denselben lakonischen Humor und Gibson liefert die Kommentare aus dem Off genau so ab, wie er das 1999 bei „Payback“ getan hat.

Packshot zu Get the GringoGet the Gringo

Offiziell ist „Get the Gringo“ natürlich keine Fortsetzung zu „Payback“. Aber inhaltlich ist er es auf jeden Fall. Darum bleibt die Figur auch ohne Namen, um so beide Filme besser miteinander verbinden zu können. Der Fahrer und Porter – ihnen erging es sogar gleich. Beide wurden von ihrer Frau und ihrem Partner hereingelegt.

Der Mann ohne Namen

„Get the Gringo“ ist im Grunde keine besonders neue Geschichte. Ein gewiefter Gauner, der zwei Parteien gegeneinander ausspielt, ist ein Standard, seit Akira Kurosawa ihn mit „Yojimbo“ kreierte und Sergio Leone ihn mit „Für eine Handvoll Dollar“ zementierte. Wie Clint Eastwood in dem Western hat auch der Namenlose aus „Get the Gringo“ alles im Griff, nur dass er nicht innerhalb einer Stadt die Fäden zieht, um seine Gegner auszuschalten, sondern dies über eine Staatsgrenze hinweg macht.

Get the Gringo - Mel Gibson ist zurück – so, wie man ihn am meisten liebt!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 8/101/10
Wie passend: Ursprünglich sollte der Film "How I Spent My Summer Vacation" heißen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dabei verbeugt sich Mel Gibson auch vor Clint Eastwood. In einer sehr amüsanten Szene ruft er jemanden an und gibt sich als Eastwood aus. Das ist nahe dran am Original! Übrigens fragte Gibson bei Eastwood an, ob es in Ordnung wäre, ihn in dem Film zu imitieren. Clint sah’s sportlich und meinte nur: „Tu dir keinen Zwang an.“

Was wäre, wenn Porter einen Sommerurlaub in Mexiko verbringen würde – und zwar nicht am Strand, sondern im Knast? Dieser Film gibt die Antwort drauf.Fazit lesen

Wie bei Peckinpah

Am Ende des zweiten Drittels gibt es in der Gefängnisstadt einen Shoot-out, der von Adrian Grunberg energetisch inszeniert wurde. Man merkt ihm schon an, dass er Peckinpah studiert hat. Der furiose Fight erinnert nicht von ungefähr an das Finale von dessen „The Wild Bunch“, setzt aber noch einen drauf. Wo sonst sieht man schon, wie jemand eine Handgranate in der Luft fängt und zurückwirft?