Die „German Angst“, die deutsche Zögerlichkeit, ist eine diffuse Furcht und eine Begrifflichkeit, die sich im angelsächsischen Raum durchgesetzt hat, wenn es um deutsche Befindlichkeiten geht. Es ist ein cleverer Titel für den Anthologie-Film, den Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski und Andreas Marshall abgeliefert haben. Er spielt mit den Erwartungen, übertrifft sie aber auch. Denn dieser Film ist vieles, zögerlich aber nicht. Er geht dorthin, wo es weh tut.

German Angst - Official Trailer #1

Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, ebenso wie ihre Erzählweise. Sie sind jedoch allesamt faszinierende Beispiele dafür, dass der Horrorfilm auch in deutschen Gefilden möglich ist, und zwar abseits der großen Budgets und der auf Mainstream gebügelten Geschichten. Derbe Einlagen gibt es, Wald- und Wiesen-Splatter kann und darf man aber nicht erwarten. Dafür bürgen schon die Regisseure, deren bisheriges Oeuvre mehr als sehenswert ist.

German Angst - Nazis, Sukkubi, Gruselzeit: der deutsche Horror lebt!

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"German Angst" erscheint am 13.05.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Geschichten aus Berlin

Das verbindende Element ist die Stadt. Alle Geschichten sind in Berlin angesiedelt, davon abgesehen geht jedoch jede in eine eigene Richtung. Jörg Buttgereit erzählt vom „Final Girl“, allerdings nicht dem, wie man es aus Slasher-Filmen kennt. Vielmehr konzentriert er sich auf ein auf eine Wohnung konzentriertes Kammerspiel, in dem eine junge Frau aus dem Off über Meerschweinchen doziert, während sie sich anschickt, einen Mann, der im Schlafzimmer gefesselt ist, zu kastrieren.

Digital gedreht, aber mit Super-8-Einschüben, erschafft Buttgereit eine rohe, interpretatorische Geschichte, die nicht an der Oberfläche operiert. Man muss mitdenken, was nicht zwangsläufig heißt, dass die eigene Wahrnehmung der des Regisseurs entspricht. Was er hier abliefert, ist in gewisser Weise Tabubruch, ein Vierteljahrhundert nach „Nekromantik“ aber nicht mehr so sehr ein Schlag in die Magengrube wie damals.

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Erwartet, überrascht zu werden.
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Körpertausch

Michal Kosakowski hat den Mittelteil des Films übernommen. „Make a Wish“ erzählt von einem taubstummen Pärchen, das in einem heruntergekommenen Gebäude von Neonazis attackiert wird. Die Frau trägt ein Medaillon bei sich, mit dem sie zwischen dem Nazi-Anführer Jens und ihrem Freund Jacek einen Körpertausch vollziehen kann. Jacek findet sich in Jens‘ Körper wieder, während Jens nun am fremden Leib, aber alles voll empfindend, erfahren muss, wie es ist, Opfer zerstörerischer Gewalt zu werden.

Andreas Pape als Jens liefert eine überzeugende Darstellung ab. Er meistert auch die Herausforderung, eine plötzlich andere Figur spielen zu müssen. Die Geschichte selbst, die am Ende Fragezeichen offen lässt, ist packend. Weniger wegen der exzessiven Gewalt, die Kosakowski hier ungeschönt zeigt, als vielmehr wegen der Erkenntnis, wie leicht aus Opfern Täter werden können und wie schnell sich jemand an dieser Macht berauschen kann.

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Hochwertiger Horror aus Deutschland und den USA.
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Die letzte Geschichte ist von Andreas Marschall. „Alraune“ ist die längste, vielleicht auch die aufwendigste. Sie erzählt von dem Fotografen Eden, der Teil eines Geheimclubs wird, dort sexuelle Ausschweifungen erlebt, aber immer eine Augenbinde trägt. Bis er einmal einen Blick riskieren kann, was sein Leben völlig aus der Bahn geraten lässt.

Im Rausch der Sinne

„Alraune“ basiert nicht auf der bekannten Geschichte von Hanns Heinz Ewers, sondern stellt Body-Horror der extremen Art und Weise dar. Es gibt eine sexuelle Komponente, die expressionistische Züge annimmt. Am Höhepunkt – sowohl der Hauptfigur, als auch der Geschichte – fühlt man sich im phantasmagorischen Rausch, nicht unähnlich der Szene in „Rosemarys Baby“, als sie geschwängert wird.

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