Noah Baumbachs „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ist ein schwieriger Film. Einer, der eine eigentlich interessante Geschichte besitzt, der auch mit Szenen aufwarten kann, die pures Gold sind, der sich aber an der eigenen Ambition verschluckt. Weil er nur eine Figur wirklich ausarbeitet, weil er zu oft mäandert und das eigentliche Anliegen seiner Geschichte aus den Augen verliert.

Gefühlt Mitte Zwanzig - Deutscher Trailer #1Ein weiteres Video

Das Traurige dabei ist, dass man das Potenzial dieses Stoffs spürt, sollte „Gefühlt Mitte Zwanzig“ doch ein Werk sein, dass sich nicht nur an eine Klientel richtet, sondern eben Zuschauer zweier sehr unterschiedlicher Altersgruppen auf jeweils eigene Art und Weise anspricht.

Gefühlt Mitte Zwanzig - Ben Stiller will wieder jung sein, aber der Körper macht nicht mit

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Der Film erscheint am 30.07.2015 in den deutschen Kinos.
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Josh (Ben Stiller) ist ein Dokumentarfilmer, der seit knapp zehn Jahren an einem Film arbeitet und nicht zum Ende kommt. Er hätte gern denselben Erfolg wie sein Schwiegervater, aber das scheint außer Frage zu stehen. Stattdessen arbeitet er als Lehrer und lernt so auch das Pärchen Jamie (Adam Driver) und Darby (Amanda Seyfried) kennen. Beide sind Mitte Zwanzig und gehen mit Josh und seiner Frau Cornelia (Naomi Watts) essen. Sie freunden sich an, was für Josh und Cornelia, deren gleich alte Freunde alle mit Babys und Kindern zu tun haben, höchst erfrischend ist.

Beide werden in ihren Unternehmungen, aber auch in ihren Ansichten jünger. Aber es kommt der Moment der Erkenntnis, an dem sie merken, dass man mit Mitte 40 eben nicht mehr wie Mitte 20 sein kann.

Ziellos

Bisweilen wirkt die Gegenüberstellung des alten und des jungen Pärchens bemüht, besonders dann, wenn Baumbach eine Montage benutzt, bei der er zeigt, dass Josh und Cornelia die Vorzüge der Technik nutzen, während sich Jamie und Darby sich mit Brettspielen vergnügen und Filme auf VHS-Kassette ansehen. Das jüngere Pärchen wirkt älter. Oder anders gesagt: Es sehnt sich nach der Einfachheit einer analogen Welt, die das ältere Pärchen aus eigener Erfahrung kennt. Josh und Cornelia haben den Vorteil zu wissen, dass die Einfachheit jener Zeit nur vermeintlich war – vieles war schlicht und ergreifend schwieriger.

Gefühlt Mitte Zwanzig - Ben Stiller will wieder jung sein, aber der Körper macht nicht mit

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Was tun, wenn der Geist kindlich, aber der Körper am schwächeln ist?
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Es ist ein Fall von „Das Gras ist auf der anderen Seite des Zauns immer grüner“. Das gilt nicht nur für die Jungen, sondern vor allem auch für die Alten, die durch ihre Begegnung mit ihren neuen Freunden energetisiert werden. Es ist die Unbändigkeit der Jugend, die auf sie abfärbt.

Ein reiches Thema, das Baumbach auch bearbeitet, aber nicht so definitiv, wie man sich das gewünscht hätte. Stattdessen verfällt er in Szenen mit Gurus und Selbstfindungstrips, die in höchstem Maße irritierend wirken. Und nicht nur das, er scheint seiner Geschichte auch nicht weit genug zu trauen, so dass er eine Art Pseudo-Thriller-Element einbringt.

Der Verdacht

Josh kommt irgendwann der Verdacht, dass Jamie und Darby ihn gezielt angesprochen haben, dass sie wussten, wer seine Frau ist und dass sie aus dieser Freundschaft etwas herausziehen wollen. „Gefühlt Mitte Zwanzig“ schwenkt plötzlich auf eine Art Thriller-Pfad ein, verlässt ihn aber auch schnell wieder, denn ganz so perfide, wie es auf den ersten Blick wirkt, ist es dann doch nicht.

Gefühlt Mitte Zwanzig - Ben Stiller will wieder jung sein, aber der Körper macht nicht mit

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Es ist nicht immer leicht, älter zu werden.
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Die Pointe ist vielmehr platt. Dass die Generation junger Menschen alles als gratis ansieht – jede Geschichte und jeder Song. Wenn man diese will, nimmt man sie sich und macht sie sich zu Eigen.

Das geht einher mit dem anderen Plot des Films – der Geschichte um das Drehen eines Dokumentarfilms, oder genauer: deren zwei, den von Josh und den von Jamie. Dieser Plot nimmt viel Platz ein, verläuft aber praktisch im Sande. Er hat keine Relevanz und schmälert hingegen die eigentliche Prämisse, für die schlichtweg zu wenig Zeit bleibt.

Das Potenzial ist vorhanden, der Film kann es aber nicht gänzlich ausschöpfen.Fazit lesen

Das zeigt sich vor allem in der Charakterisierung. Abseits von Ben Stiller wird den anderen Figuren nicht wirklich viel Raum zur Entwicklung gegeben. Amanda Seyfried ist völlig verschwendet, Adam Driver hat im Zusammenspiel mit Stiller ein paar gute Momente, aber Naomi Watts gerät ins Hintertreffen. Dabei sollte ihre Figur gleichberechtigt mit der von Ben Stiller agieren, und das umso mehr, da ihre Unfähigkeit, Kinder zu bekommen den Schwellenwert ihres Alters noch stärker akzentuiert.