Wie gern würde man einmal für die Notwendigkeit deutschsprachigen Genrekinos plädieren, ohne dabei auf unterstützende Beispiele verzichten zu müssen. Ist ja nicht so, als würde es da nicht jedes Jahr zwei, drei Versuche eines phantastischen Kinos Made in Germany geben. Nur sind sie eben leider selten geeignet, Lust nach heimeligen filmischen Verrücktheiten abseits des Förder- und Themenprogramms zu wecken.

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Mut zum Quatsch

Und doch, klar: Immer her damit. Setzen wir dem sich entweder in autorenfilmischen Ernst oder eben Schweighöfersche Blödsinnigkeit gespaltenen Kulturbetrieb ruhig ödipale Serienkiller, monströse Fratzen und viel schmierigschönen Irrsinn entgegen. Der deutschen Kinolandschaft stünde es schließlich nur gut, das bisschen Mehr geistreichen Kladderadatschs aus Blei und Blut.

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Natascha (Isabella Vinet) im Killer-Keller: Man beachte die an Fäden hängenden Hände der Opfer, die der „Fleischer“ social-media-kompatibel aufbereitet hat.
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Wenn sich da also ein junger Regisseur wie der Holsteiner Michael David Pate anstellt, gepflegte deutsche Filmlangeweile mit dem dick gepinselten Psychothriller „Gefällt Mir“ wenigstens für einen kurzen Moment durcheinander zu bringen, ist das natürlich super. Ohne Fördermittel auch noch, aber mit selbst erarbeitetem offiziellen Kinostart. Man möchte es wirklich mögen, dieses herrliche Gedöns, einfach schon der Sache wegen.

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Würde es einem nur auch dieser Film nicht wieder so verdammt schwer machen. Los geht’s erstmal ganz im Geiste des Slasherkinos, mit einem jungen Mädchen allein zu Haus, am anonymen Online-Verlustieren, selbstverständlich mit dem Falschen. Der verschafft sich, samt Fetischoutfit und Sicheldings, unbemerkten Offline-Zugang, das Mädchen ist dahin, die Presse in Aufruhr: Der „Fleischer“ hat wieder zugeschlagen.

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Online-Bekanntschaften bringen den Tod, warnt Natascha ihre vergnügungssüchtigen Freunde. Das Status-Update „zelten gehen“ werden diese beiden jedenfalls bereuen.
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Kampfsportlerin Natascha (Isabella Vinet) reicht es jetzt, das von Tätern faszinierte Bohei der Medien, die offenbar inkompetente Polizeiarbeit. Sie möchte den Mörder, der hier leider nicht so heißt, als handelte es sich um einen dieser RTL-Genrefilme anno 1996 („Der Facebook-Killer“, das wär’s), auf eigene Faust dingfest machen. Und dessen Strategie, Opfer in sozialen Medien aufzuspüren und dann auch auszustellen, gegen ihn selbst wenden.

Ein Motiv hat Natascha auch, ihr Vater (zwei Mal bei Skype eingeblendet: Gedeon Burkhard) musste wegen Steuerhinterziehung das Land verlassen, obwohl er sonst ja ein total dufter Typ ist. Die Frauenmörder und Kinderschänder allerdings, die kommen ihr viel zu gut weg, werden sogar psychologisch betreut! Das geht nicht, das muss weg. (sagt Natascha zumindest in einer Talkshow, die sie für diese dringliche Botschaft stürmt)

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Eine Nebenmission des Drehbuchs: Sexualstraftäter finden und foltern. Hat mit der eigentlichen Mördersuche zwar nix zu tun, kommt aber immer ganz gut.
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Komödiantischer Abschuss

Unterstützung erhält das Mädchen vom jungen Polizisten Alex (Tobias Schenke, kann man vielleicht noch kennen aus „Harte Jungs“, als Teen im Selbstgespräch mit seinem Penis), der besser nicht weiß, dass seine Freundin parallel zur „Fleischer“-Suche auch noch andere Triebtäter dingfest macht. Zum Beispiel einen Päderasten, der von ihr erst gefoltert und dann dem Vater eines seiner Opfer zum Fraß vorgeworfen wird.

Da ist sich „Gefällt Mir“ dann sogar tatsächlich nicht zu schade, seine Heldin stolz vom spektakulär explodierenden Tatort spazieren zu lassen, als sei man plötzlich in einem falschen Film. Und während der Polizeiapparat unfähig ist, fliegen Natascha die Beweise munter zu. Ist eh besser, so was in die eigene Hand zu nehmen, man weiß ja: erst einmal geschnappt, werden die Täter nur hofiert (die da oben und so, olles Pack!).

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Polizist Alex (Tobias Schenke) hat zwar ein süßes Stofftier auf dem Schreibtisch, aber leider keine Ahnung von seinem Job. Zum Glück hilft ihm die „Fleischer-Fleischerin“.
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Nette Chuzpe des Films vielleicht, trotzdem leider ziemlich blöd: Wenn Racheengel Natascha nicht schon an ihrem leicht unbeholfenen Schauspiel scheitert, dann zumindest einem Drehbuch, das durch Til Schweigers legendär doofes Kinderschänder-Pamphlet bei Markus Lanz inspiriert wurde (sic). Und sich, in den Film geschrieben, auch entsprechend liest.

Horror aus Heide Holstein. Nicht widersinnig genug, um wirklich amüsant zu sein. Aber auch zu doof, um ernst genommen werden zu können.Fazit lesen

Allerdings hat sich Michael David Pate dabei schon was gedacht, heißt es jedenfalls, zumindest dort, wo „Gefällt Mir“ Satire geschimpft wird, obwohl Satire etwas vollkommen anderes ist. Nataschas medial begleiteter Selbstjustiztrip – und man kann nicht sagen, er mache auf eine infantile Art keinen Spaß – nimmt spätestens dann eine gefährliche Abzweigung, als Neonazis plötzlich zum „Online-Gericht“ laden.

Kino - Die größten Filmfehler der Filmgeschichte

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Die glauben zumindest, den „Fleischer“ an der Angel zu haben, und wollen ihn via Livestream hinrichten, was Natascha, dem tatsächlichen Mörder auf der Spur, zusätzlich vor eine Herausforderung stellt. Wenigstens theoretisch, gut gemeint halt, schlägt der Film hier aberwitzige Handlungshaken, um die Vergeltungslust dieser Figur mutmaßlich zum komödiantischen Abschuss freizugeben. Aber war das wirklich sein Ziel?