Platz 2: Griff in die Puppenkiste
Der dunkle Kristall (1982)
Regie: Jim Henson & Frank Oz
Darsteller: Keine (Cast besteht ausschließlich aus Puppen)
Musik: Trevor Jones
FSK: Ab 12
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Und noch mal Jim Henson. Diesmal aber mit einem Film, in dem kein einziger Mensch eine Rolle spielt. In „Der dunkel Kristall“ sind sämtliche Lebewesen, egal welcher Form oder Gesinnung, animatronische Puppen - einschließlich der phantasiereichen Flora und Fauna. Sieht man von einigen technischen Limitationen der frühen 80er ab, macht das jedoch keinen Unterschied. Man muss schon genau hinsehen, um zu erkennen, dass einige Puppen nicht in der Lage sind, die Augen komplett zu schließen, und dass so manches Ärmchen kaum in der Lage wäre, den Rücken seines Rumpfes zu Kratzen. Im Ausgleich dafür erlebt man eine Geschichte, die nicht weiter von den alltäglichen Sorgen der Realität entfernt sein könnte.
Ein zauberhaftes Land: "Der dunkle Kristall" hatte keinen einzigen menschlichen Darsteller.Es geht um einen mannshohen Kristall, der einer Welt einst großen Wohlstand brachte, aber in Überheblichkeit zerbrochen wurde. Die Hüter des Kristalls teilten sich daraufhin in zwei gegensätzliche Rassen: in die niederträchtigen, herrschsüchtigen Skekse, die noch heute den Kristall bewachen, und die sanftmütigen Mystics, die Weisheit und Liebe schätzen. Nach tausend Jahren der Trennung drohen beide Rassen auszusterben, aber Rettung ist in Sicht.
Sobald die drei Sonnen des Planeten wie eine scheinen, kann der Kristall repariert und beide Rassen können wieder vereint werden. Doch die Skekse fürchten diese Entwicklung und erhoffen sich stattdessen ewiges Leben, indem sie die Instandsetzung des Kristalls verhindern. Darum haben sie bereits die komplette Rasse der Genflinge ausgerottet, denn einer Prophezeiung zufolge soll ein Genfling den abgesplitterten Teil des Kristalls finden, um ihn am Tag der großen Konjunktion wieder einzusetzen.
Aus Jim Hensons Puppenschmiede stammen außerdem die Muppets und Jedi-Meister Yoda.Was die Skekse nicht wissen, ist, dass die Mystics unbemerkt einen Genfling bei sich aufgezogen haben, der sich nun aufmacht, um den Kristallsplitter zu finden. Und wie es scheint, ist er auch nicht der Allerletzte seiner Art.
Jim Hensons Puppenwelt mag in „Der dunkle Kristall“ noch nicht die technische Qualität von „Labyrinth“ erreichen, aber der erwünschte Effekt tritt trotzdem ein. Kein anderer Film der Achtziger-Fantasy-Sparte schafft es, den Zuschauer so geschickt in eine völlig fremde Welt zu transportieren, in der man bereit ist, alles so zu akzeptieren, wie es ist. Selbst so manche steife Puppenbewegung dürfte in computergenerierter Perfektion nicht charmanter, nicht echter wirken als all diese schrullig-schrägen Unikate.
Jede Puppe hat Charakter, vom unwichtigen kleinen Dorfbewohner bis zum Imperator der Skekse. Man meint, in Wahrsagerin Augra gar Whoopie Goldberg als Inspiration zu erkennen. Und auch die Handlung gibt sich nie mit Lückenfüllern ab. Hin und wieder verspürt man sogar den Bedarf nach mehr Erklärung, nach mehr Hintergrundwissen, das hilft, die verschiedenen Wesen zu verstehen.
Fazit: Ein Pflichtfilm für Fantasy-Fans, allein schon wegen der tollen Charaktere. „Der dunkle Kristall“ setzt zwar auf eine leicht verständliche, aber nie künstliche gestreckte Handlung und öffnet dabei ein Universum voller wundervoller Ideen, das den Vergleich mit „Star Wars“ nicht scheuen muss.
Zumal der Sternenkrieg das ambitionierte Projekt eines ernstgemeinten Fantasy-Films ohne menschlichen Hauptdarsteller erst möglich machte. Yoda aus „Das Imperium schlägt zurück“ dürfte hier der Stein des Anstoßes gewesen sein. Nur eines wünscht man sich immer wieder: einen Director's Cut mit leicht verlängerter Spieldauer.























