Gewalt ist so alt wie der Mensch. Ach, was sag ich: Sie ist noch viel älter. Kein Wunder also, dass sie in jedem Medium eine wichtige Rolle spielt. Wann immer „menschliche“ Konflikte und Begierden auf der Tagesordnung stehen, ist die Gewalt nicht fern. Der Film bildet die Auswirkungen und die Mechanismen der Gewalt von allen Medien am besten ab. Er hat in seiner reichhaltigen Geschichte immer wieder neue Mittel und Wege gefunden, um sie ans Publikum heranzutragen.

Der Weg von den ersten dokumentarischen Aufnahmen eines Thomas Edison, der bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts Exekutionen filmte, bis zu den Gewaltausbrüchen des modernen Mainstream-Kinos war alles andere als leicht. Während Regisseure sich technische Errungenschaften zunutze machten, um neue Erzählwege zu beschreiten, mussten sie sich mit aufgebrachten Kritikern und Zensurbehörden rumplagen.

Dem Schweiß und Blut, das all diese tapferen Frauen und Männer erbracht haben, wollen wir mit diesen Seiten Tribut zollen. Der Countdown vom Letzt- bis zum Erstplatzierten ist dabei nicht als blutige Fleischbeschau zu verstehen, bei der die Chartposition eines Films von seinem Gore-Gehalt abhängt.

Er ist viel eher als lose Reise in die Vergangenheit zu betrachten, die vom letzten Schrei der Splatter-Haute-Couture bis hin zum Ursprung filmischer Gewaltdarstellung geht. Wir haben uns dabei nicht nur auf einzelne Filme beschränkt, sondern auch auf bedeutende Regisseure, die dem Thema Gewalt etwas Neues abringen konnten.

Sieben Filme für die Jungs vom Sägewerk

10. Die „SAW“-Reihe

Sägen sind was Tolles. Schon alleine das Wort setzt eine Assoziationskette im Kopf des nach Gore lechzenden Cineasten frei. Mit Sägen kann man eben nicht nur Rohholz zurechtstutzen, sondern auch Dämonen, Zombies und leicht bekleidete Bikini-Mädels. Am lukrativsten ist es aber, das englische Wörtchen für Säge als Filmtitel zu lizenzieren, eine der erfolgreichsten Horrorfilmreihen dieses noch jungen Jahrtausends darauf aufzubauen und mit der eingespielten Kohle eine unabhängige Produktionsfirma zu gründen.

Ziele, die die „Saw“-Reihe sicherlich nicht mit sozialkritischem Kauderwelsch à la Claude Chabrol erreicht hätte. Denn der Erfolg der „Saw“-Filme hing in den letzten Jahren verstärkt von ihrem Gewaltgrad ab. Je untalentierter die Regisseure waren, die nach dem letzten sehenswerten Ableger („Saw II“) ans Werk gehen durften, desto expliziter fiel die dargebotene Gewalt aus. Der angeblich/hoffentlich letzte Teil der Reihe, in dem der talentfreie Regisseur Kevin Greutert die biedere Bildsprache der „Schwarzwaldklinik“ mit dem Zeigegestus eines billig produzierten Torture-Pornos vermengt, stellt in diesem Zusammenhang den Höhepunkt in Sachen handwerklichem Dilettantismus dar.

Und obwohl die Reihe in den letzten Jahren den blutroten Bach hinunterging, hat sie sich einen Platz in dieser Top-Ten-Liste verdient. Warum? Weil sie stets das perfekte Spiegelbild von Horrortrends lieferte. Egal, ob es sich dabei um schlecht umgesetzte 3D-Effekte, kreative Splattereinlagen oder perfide durchdesignte Tötungsmaschinen handelte. Die „Saw“-Filme stellen das beste Anschauungsmaterial dar, wenn man sich einen Eindruck von der Entwicklung filmischer Gewaltästhetik machen will. Und das kann ruhig mal den letzten Platz im Rahmen dieser Betrachtung wert sein.

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