Mario…wer? Kaum jemand, der die letzten Jahre nicht unter einem Stein verbracht hat, dürfte Anfang 2009 diese Frage noch stellen. Mario Barth, der kleene Balina Jung, ist ohne Frage Deutschlands Vorzeige-Komödiant und begeistert in einem Ausmass, das zuvor nur Otto Waalkes erreichen konnte.

Mit dem Start von „Männersache“, seinem ersten Kinofilm, erklimmt er nun die nächste Stufe der steilen Karriereleiter und schickt sich an, selbst bisher renitente Dörfer um Passau oder einzelne Grenzflecken nahe Polen dem Barth’schen Humor zu unterwerfen.

Mario Barth, der König deutscher Komik. Warum nur, warum um alles in der Welt konnte es so weit kommen?

Eine deutsche Karriere

Mario Barth wurde 1972 in Berlin-Mariendorf geboren. Seine Eltern, die noch fünf weitere Kinder ihr eigen nennen, schickten ihn auf eine katholische Privatschule, die gefolgt wurde von einer Lehre bei Siemens. Der so erlernte Beruf des Telekommunikationsanlagen-Elektronikers wurde aber schon bald zugunsten einer Schauspielausbildung an den Nagel gehängt, die ihn unter anderem zu der Comedy Schule nach Köln schickte.

Der Anfang: Sein Buch katapultierte Barth an die Spitze der Bestsellerlisten.

Bei den dort veranstalteten Comedy Workshops traf er auf zukünftige Kollegen wie Diether Krebs, Anka Zink und Thomas Hermanns, für erste Bühnenerfahrungen sorgten Auftritte bei „Nightwash“ und dem „Quatsch Comedy Club“. Fast aus dem Stand kam Mario Barth so gut an, dass 2001 sein erstes Soloprogramm, „Männer sind Schweine, Frauen aber auch!“ auf Tour ging. 2004 folgte das Buch „Deutsch – Frau / Frau – Deutsch“ und Anfang 2006 startete sein zweites Soloprogramm, „Männer sind primitiv, aber glücklich“.

Wenn Mario Barth mal nicht auf der Bühne stand, trat er auch gerne im Fernsehen auf, wie z.B. bei der „Schillerstrasse“, „Genial Daneben“ oder „Typisch Frau – Typisch Mann“. Bereits 2003 lief auf ProSieben seine erste eigene Sendung mit dem Titel „Keine Ahnung“, 2006 folgte auf RTL „Mario sucht das Paradies“ und aktuell läuft, ebenfalls auf RTL, „Mario Barth präsentiert“.

Erfolge wohin man blickt

Es scheint, dass alles was Mario Barth anpackt, von immensem Erfolg gesegnet ist. Basierend auf drei grösseren Eigenleistungen (=den beiden Bühnenprogrammen und dem Buch) hat er ein Millionenpublikum erreicht und vermarktet seine Worte und auch sich selber nach allen Regeln der Kunst.

Rekord: 70.000 Menschen sahen seine Show im Berliner Olympiastadion.

In dem Shop auf seiner Homepage (www.mariobarth.de) gibt es alles zwischen T-Shirts, Kaffeetassen und Bettwäsche, beide Bühnenprogramme sind sowohl auf CD als auch DVD erhältlich, das Buch gibt es natürlich auch als Hörbuch und der Auftritt letztes Jahr im Berliner Olypmpiastadion, als knapp 70000 Menschen sich „Männer sind primitiv, aber glücklich“ ansahen, ist natürlich auch auf DVD zu haben. Spätestens nach diesem Mega-Auftritt, der auch ins Guiness Buch der Rekorde Einzug hielt, kam man an Mario Barth nicht mehr vorbei.

Wer mit seinen Bühnenprogrammen auf Besucherzahlen im Millionenbereich kommt, wer vier Jahre hintereinander den Deutschen Comedypreis abräumt und wer mit wechselnden Medien regelmässig die deutschen Charts aufmischt, der kann einfach kein prolliger Doofi auf Glücktreffer-Drogen sein. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn „Männersache“ nicht ebenfalls ein Hit wird und den Namen Mario Barth noch tiefer ins Bewusstsein lachwilliger Comedyfreunde schraubt. Ein Hörbuch zum Film und weiterer Merchandise-Kram sind bereits ausgemachte Sache, genauso wie auch ein neues Bühnenprogramm, betitelt „Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch!“, ab September dieses Jahres kaum noch zu vermeiden sein wird.

Was, warum und wie?

Einst schrieb der Spiegel: „Wenn das, was Mario Barth macht, Unterhaltung ist, könnte jeder Kuhfladen darauf bestehen, zukünftig mit Pizza Margarita angeredet zu werden.“ Uns Super Mario ist kein Freund des Feuilletons, was ja angesichts des Erfolgs kaum anders zu erwarten war, doch trotzdem: könnte mal bitte jemand erklären, wie dieser Mann eigentlich tickt?

Der Mythos Frau

„Mäuschen, du bist die hübscheste Frau hier im Auto.“ Das große Thema von Mario Barth sind die Frauen und weiterhin die Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Zwar gibt es auch diverse andere Ansatzpunkte, wie z.B. Fussball, seinen Fernseher oder Besuche im Media Markt, doch über weite Strecken dreht es sich um geschlechtertypische Muster, Verhaltensweisen und Gegensätze. Schon mal einen Blick auf die durchaus ähnlichen Titel seiner Programme geworfen? Sprüche wie „Fräulein, komm mal rangerutscht und denk dran, wo nich glatt is kannste rennen“ dürften bei politischem Kabarett eher selten zu hören sein.

Mit Comedypreisen könnte Mario wahrscheinlich schon seine Wohnung tapezieren.

Das gewählte Themen-Feld Mario Barths hat den grossen Vorteil, einen schier unerschöpflichen Vorrat an Anekdoten zu bieten, die des weiteren bei jedem Zuhörer bekannte Resonanzen auslösen. Selbst wenn wie so oft seine eigene Freundin zur Zielscheibe des Spotts wird, können die Zuschauer nickenderweise mitlachen, weil jene blonde Dame anscheinend die Inkarnation weiblicher Klischees verkörpert. Es ist eigentlich der älteste Schuh der Welt: Witze über Blondinen oder, etwas genereller, Witze über stereotype Klischees, die mittels ausladender Überhöhungen frische Alltagsbäckchen bekommen und so die Lachmuskeln anregen können.

Was bei Mario Barth dafür nicht vorkommt, sind irgendwelche Neuerungen oder gar Belehrungen. Seine Geschichten stammen geradewegs aus dem Alltag der Mittelschicht, deren Koordinaten von jedem verstanden werden und in überschaubaren Gefilden bleiben. Das Kaffetrinken mit den Schwiegereltern, der Einkauf mit der Freundin, das Warten vor der morgendlichen Badtür. Wo im wirklichen Leben die traditionellen Gegensätze zwischen Mann und Frau zunehmend verschoben werden, ist bei Mario Barth alles noch beim alten. Die Welt seiner Stand Up-Komik besteht aus klassischen Rollenverteilungen, tatsächliche Veränderungen dieser Muster, z.B. bezogen auf die Berufswahl, dienen lediglich als Reibefläche für traditionell verankerte Lachsalven.

Mario, der Kumpeltyp

Wer Mario Barth das erste Mal erblickt, dürfte kaum darauf kommen, dass so Deutschlands kommerziell erfolgreichster Komiker aussieht. Mit seinem Fusselbart, den zauseligen Haaren, dem leichten Übergewicht und dem verschmitzten Dauergrinsen vermutet man bei ihm eher den neu zugezogenen Fliesenleger aus dem dritten Stock. Wenn er dann zu plappern loslegt, könnte er genauso der Typ neben Dir in der Eckkneipe sein und wenn er mit vollem Körpereinsatz über die Bühne fuhrwerkt, sieht das aus wie das uneheliche Kind von Roadrunner und einem Animateur auf einem Kindergeburtstag.

Mario Barth gilt als einer der aktivsten Comedians - Verrenkungen und Grimassen gehören zum Programm.

Mario Barth, der Kumpeltyp. Der stets betont, für seine Auftritte „faire Preise“ zu verlangen. Der immerzu seine Fans umarmen möchte, weil sie ihn ja gross gemacht haben. Er ist eben einer „von uns“ geblieben und ist sich nicht zu schade für eine Ladung purer Unterhaltung, die man im eigenen Umfeld immer seltener ausleben kann. Ach wie schön wäre es doch, so eine Identifikationsfigur als besten Kumpel zu haben, so einen lockeren Typen, der immerzu lustigen Senf austeilt, wie z.B. „wenn eine Frau meckert, dann atmet sie nicht mehr durch den Bauch, das geht dann durch die Haare“. Mit leicht gehässigem Tonfall summiert Der Spiegel: „Mario Barth gibt gern den entfesselten Spießer und füllt so die ganz grossen Hallen mit weniger entfesselten Spießern“.

Lokalkolorit und Gürtellinie

Einhergehend mit dem Kumpel-Image pflegt Marco Barth einen ausgeprägten Berliner Lokalkolorit, der über zahllose Slang-Floskeln à la „da kiekste“, „wa?“ oder „dat“ seine Bodenständigkeit beweist und ausserdem an das Image der frechen „Balina Schnauze“ anknüpfen möchte. Nicht fehlen dürfen dabei natürlich auch infantile Kosewörter, die besonders bei Paaren gemeinsame Lacher plus anschliessende Diskussionen auslösen und fast ausschliesslich im „nudge nudge“ Bereich angesiedelt sind. Brüste sind bei Mario Barth „Hupen“, statt Pimmel hört man „Zauberschwert“ oder „Pipimann“ und wenn gar nichts mehr passt, ertönt immer noch ein leises „fününü“.

Mario kommt trotz "Berliner Schnauze" in ganz Deutschland an.

Eine gewisse Niveaulosigkeit, bzw. eine sorglose Koketterie mit prekariatsnahen Umgangsformen gehört ganz sicher zum Konzept, doch wirklich prollig, wie z.B. bei Tom Gerhardt, wird es nur selten. Um sich Sprüche wie „Ihr seid sooo tight, wenn ich mit euch fertig bin dann burnts“ aus den Rippen zu leiern und, vor allem zu beobachten in seinen Fernsehshows, eine durchaus plazierte Schlagfertigkeit loszulassen, muss man auf jeden Fall ein helles Köpfchen haben. Dass Mario Barth ausserdem nur sehr selten mit Promi-Schlamm um sich wirft und seine komplette Familie bei der nach allen Regeln der Kunst durchgeführten Vermarktung einsetzt, darf ebenfalls zu seinen Gunsten vorgebracht werden. Auch wenn man den Mann nicht mag – das verzweifelte „bad boy“ Niveau eines Oliver Pocher oder Ingo Appelt wird erfreulich weiträumig umschifft.

Ein Fazit

Super Mario ist der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Auch wenn die Feuilletons ihn noch so sehr verreissen, die breite Masse lacht herzlich weiter. Mario Barth steht für die Eigendynamik von Popkultur genauso wie Modern Talking oder DJ Ötzi und macht einfach sein Ding – zumindest bis die Halbwertszeit der „Mann-Frau“ Thematik vielleicht doch mal erreicht ist.

Mario auf der Männersache-Premiere: Der Film ist schon jetzt ein Megaerfolg.

In Anbetracht von „Männersache“ und dem nächsten Soloprogramm könnte das noch ein bisschen dauern, wobei der Film ja schon gewaltiges Neuland betritt: Mario Barth war bis jetzt immer der monologisierende Geschichtenerzähler und muss sich nun in ein Ensemble einfügen, das sowohl der Mimik als auch der freidrehenden Schnauze deutliche Grenzen setzt.

Bei seinen Fernsehshows, speziell „Mario Barth präsentiert“, endet dieses Miteinander zu oft in einem wortreichen Vorführen, das alberne Lautstärke über knackige Wortduelle stellt. Man darf deswegen gespannt sein, wie „Männersache“ einschlägt und ebenso, wie das nächste Soloprogramm ankommt. Der Mann hat’s schon drauf, so ist es ja nicht, nur wäre es halt schön, wenn er die Kuh auch mal von links melken würde. „Meine Freundin ist 1,60 Meter groß. Das ist ein kleines bisschen größer als ein Toastbrot.“

Aber ja doch, lieber Mario. Du meinst das auch so, absolut sonnenklar.

Mario Barth in Farbe und Bunt
2003
Männer sind Schweine, Frauen aber auch! (CD)
2004
Deutsch – Frau / Frau – Deutsch (Buch&CD)
2005
Männer sind Schweine, Frauen aber auch! (DVD)
2006
Männer sind primitiv, aber glücklich! (CD)
7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug (Film)
Crazy Race 3 (Film)
2007
Männer sind primitiv, aber glücklich! (DVD)
2008
Mensch Berlin (mit Paul Kuhn) (CD)
Die Weltrekord-Show: Männer sind primitiv, aber glücklich! (DVD)
2009
Männersache (Film)