Die Vorfreude: Colin Firth und Cameron Diaz wollen Kunstliebhaber Alan Rickman mit einem listreichen Millionen-Coup übers Ohr hauen – in einem Film, dessen Drehbuch von den Coen-Brüdern geschrieben wurde. Die Ernüchterung: Gegen dieses lasche Remake der gleichnamigen Gaunerkomödie von 1966 nimmt sich das leicht ergraute Original geradezu explosiv vergnüglich aus.

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Monet und die Millionen

„Gambit – Der Masterplan“ wirkt gleich in zweifacher Hinsicht aus der Zeit gefallen: Zum einen, weil er sich – vor allem in der animierten cartoonesken Titelsequenz – offenkundig auf traditionelle Caper- und Heist-Filme der 60er Jahre beruft. Zum anderen, weil Joel und Ethan Coen das Drehbuch schon vor einer ganzen Weile geschrieben haben, etwa während der Phase ihrer eigenen, eher missglückten Retro-Komödien gleicher Ausrichtung, „Ein (un)möglicher Härtefall“ (2003) und „Ladykillers“ (2004).

Gambit - Der Masterplan - Masterplan statt Meisterwerk: Resterampe von den Coen-Brüdern

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Cameron Diaz als texanisches Cowgirl: eine leider unterirdische Performance.
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Und es ist tatsächlich ein ganz typisches Coen-Script, das Erfüllungsgehilfe Michael Hoffman („Tage wie dieser...“) hier ohne die eigenwilligen Fertigkeiten der Gebrüder runterinszeniert. Typisch zumindest für jenen Karriereabschnitt um 2000, als die Coens sich eher geistlos durch filmgeschichtliche Kalauer und betont altmodische Genrebaukästen strauchelten – bevor ihnen mit „No Country for Old Men“ und dem entsprechenden Preisregen das sensationelle Comeback glückte.

Die Geschichte von „Gambit“ folgt in ihren Grundzügen dem Original, das hierzulande einst unter dem Titel „Das Mädchen aus der Cherry-Bar“ aufgeführt wurde. Den darin von Michael Caine gespielten Kunstdieb Harry Deane mimt im Remake nun Oscarpreisträger Colin Firth, der seinem millionenschweren Boss Lionel Shabandar (Alan „Snape“ Rickman) eine Fälschung des Monet-Gemäldes Heuschober andrehen will. Hinter diesem ist Shabander Zeit seines Lebens hinterher.

Deane verpflichtet die Texanerin PJ Puznowski (Cameron Diaz) als Lockvogel – sie soll sich angeblich im Besitz des Bildes befinden und eine Übergabe der Fälschung in London organisieren. Der Plan verläuft jedoch anders als gedacht: Shabander ist nicht auf Anhieb von der Echtheit der Kunstrarität überzeugt (in der Vorlage handelte es sich übrigens um eine chinesische Skulptur) und möchte zu alledem nicht Deane, sondern seinen eigenen Experten Martin Zaidenweber (Stanley Tucci) die Überprüfung durchführen lassen.

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Zu einem Großteil setzt „Gambit“ auf Humor, der sich einzig in der englischen Originalfassung erschließt. Was aber nicht heißen soll, dass besagter Humor dadurch unverzichtbar wäre: Die Wortspiele zielen meist auf die Unterschiede zwischen US-amerikanischem und britischem Englisch ab, sind aber durchweg altbekannt. Angelernt wirkende und über Gebühr vorgetragene Dialekte der Schauspieler wiederum versprühen wenig Charme, aber viel nervigen Klamauk.

Dem totalen Ulk ergeben

Über den aufgesetzten texanischen Slang von Cameron Diaz dürfte selbst ein britisches Publikum herzlich wenig zu lachen haben (in den USA ist der Film hingegen auch ein Dreivierteljahr nach seiner UK-Premiere noch nicht angelaufen), während Stanley Tucci seinen schwulen Kölner Kunstfachmann mit garantiert nicht-deutschem Akzent und eingestreuten Fantasieworten spielt. Das ist eher weniger witzig, wenn nicht gar weitgehend debil. Eine Synchronfassung könnte tatsächlich Abhilfe schaffen.

Von Sprachkalauern abgesehen, ist der Humor von „Gambit“ erstaunlich schlüpfrig und mitunter auch primitiv. Das ist natürlich erst einmal nicht schlecht, zumal gerade Firth und Rickman, zwei Grand¬sei¬g¬neurs des britischen Kinos, sich bislang selten dem totalen Ulk ergeben haben. Ersterer scheint allerdings bemüht, den Flachwitz des Drehbuchs mit englischer Contenance zu überspielen, selbst dann, wenn ihm mehrfach ins Gesicht geschlagen oder er von einem Löwen angegriffen wird.

Ein Drehbuch der Coen-Brüder, eine Besetzung mit Colin Firth und Alan Rickman – und trotzdem nur ein einziger langer Flachwitz. Verschenkt.Fazit lesen

Alan Rickman wiederum zeigt sich weniger verhalten. Er gibt den Nudisten (!) Shabander mit komödiantischem Gesichtsgulasch und zieht schlussendlich sogar blank. Das ist selbst für Rickman-Fans – und wer ist eigentlich kein Rickman-Fan? – stark gewöhnungsbedürftig, zumal seine Figur deutlich zu eindimensional bleibt. Im Original spielte Herbert Lom („Der Schatz im Silbersee“) die Rolle, und das leider ungleich interessanter.

Cameron Diaz, die schon zu Beginn ihrer Karriere in zahlreichen Komödien zu sehen war („Last Supper – Die Henkersmahlzeit“ oder „Kopf über Wasser“), kann der Rolle eines texanischen Cowgirls hingegen gleich keinen einzigen Witz abgewinnen, ihre Darstellung bewegt sich im Bereich eines Totalausfalls. Man kann nur hoffen, dass sie und Stanley Tucci für ihre witzfreien Albernheiten mit einem Extra-Gagenschein gelockt wurden.

Gambit - Der Masterplan - Masterplan statt Meisterwerk: Resterampe von den Coen-Brüdern

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Zwei britische Meisterschauspieler vereint: Colin Firth und der große Alan Rickman.
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Ansonsten häuft der Film tatsächlich auch Pups-Witzchen und rassistische Jokes an, die mit der vergnüglichen Lässigkeit einer auf klassisch geeichten Gaunerkomödie nur schwer zu vereinbaren sind. An den tückischen Verstrickungen des Coups oder cleverer Situationskomik, die sich bei Caper-Filmen ja meist schon von selbst ergibt, hat der Film wenig Interesse. Einzig die Szenen im Londoner Savoy-Hotel kosten das Irrsinnige der Geschichte vereinzelt aus.