Bei „Gallowwalkers“ fällt eines gleich zu Beginn auf. Wesley Snipes sieht ziemlich jung aus. „Der hat sich gut gehalten“, denkt man sich, aber wenn man dann ein bisschen gräbt, stellt sich die Sache gleich ganz anders heraus als gedacht. Denn „Gallowwalkers“ wurde bereits 2006 gedreht. Warum er jetzt erst auf DVD und Blu-ray (VÖ: 20. August) erscheint? Weil es eine Chaosproduktion war, die auch dadurch behindert wurde, dass Snipes Steuerprobleme hatte und nur die Erlaubnis erhielt, wenige Tage die USA zu verlassen.

Gallowwalkers - Exklusiver Clip: "Belohnung"Ein weiteres Video

Immerhin wurde in Namibia gedreht, wo man ganz plötzlich feststellen musste, dass man weniger Zeit mit dem Star hatte als ursprünglich geplant. Auch deswegen taucht Snipes als Aman deutlich weniger in „Gallowwalkers“ auf, als es den Produzenten lieb ist.

Und auch das Publikum hätte gerne mehr von Snipes gesehen. Schon alleine deswegen, weil der Film, der einer Totalkatastrophe gleichkommt, mit einer derart wirren Geschichte ausgestattet ist, dass man ihr kaum folgen kann.

Aman ist ein Verfluchter. Der Fluch sorgt dafür, dass jeder, den er tötet, als Untoter ins Leben zurückkehrt. Es handelt sich dabei aber nicht um die üblichen Zombies. Die Untoten unterscheiden sich im Grunde kaum von den Lebenden. Aman bekommt es mit einigen Untoten zu tun, die einst seine Freundin vergewaltigt, geschwängert und damit im Grunde auch in den Tod getrieben haben. Er hat sie schon einmal getötet, aber sie sind zurückgekehrt. Nun muss er sie also noch mal totmachen, vorzugsweise endgültig. Dafür braucht er Hilfe.

Das klingt nach einer geradlinigen, knackigen kleinen Western-Horror-Action-Geschichte. Nur leider: So klar, wie es diese kleine Inhaltsangabe erscheinen lässt, ist der Film bei weitem nicht.

Gallowwalkers - Blade im Wilden Westen? Mit Zombies?

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Gallowwalkers kopiert häufig "Spiel mir das Lied vom Tod", stellt dadurch aber bloß das eigene Dilettantentum aus.
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Zitieren wir mal Sergio

Der Anfang des Films mit seinem Verzicht auf Dialoge, mit langen Einstellungen, mit extremen Nahaufnahmen, mit großen Panoramen ist wohl das, was sich Andrew Goth als Verbeugung vor Sergio Leone vorstellt. Bestimmt hat sich Goth kräftig auf die Schulter geklopft, weil er mit seinem Einstieg in „Gallowwalkers“ Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ zitiert.

Packshot zu GallowwalkersGallowwalkers

Nur leider ist gut geklaut eben doch nicht immer besser als schlecht erfunden. Etwas mehr Eigenständigkeit hätte der Inszenierung gut getan. Speziell die Nahaufnahmen der Augenpartie, eine Spezialität von Leones Western, wirken hier nur noch lächerlich. Weil das Drumherum einfach nicht stimmt.

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Diesem Hokuspokus-Horror-Western wäre besser gedient gewesen, wenn man es mit richtigen Zombies zu tun bekommen hätte. Stattdessen ist es ein halbgares Untoten-Konzept, das nie richtig erklärt wird, sondern diffus im Mittelpunkt steht. Warum manche der Untoten gehäutet sind? „Wer weiß, wen interessiert’s“, wird sich Goth, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, gedacht haben. Hauptsache, es ist cool.

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Der Rächer beim Rächen: Da Wesley Snipes die USA nur wenige Tage verlassen durfte, wurde er meist von einem Double in weiter Ferne ersetzt.
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Und wie macht man einen Film cool? Indem man die Hauptfigur schweigen, stoisch blicken und gut posieren lässt. All das kann Wesley Snipes wirklich sehr gut, aber nach einer Weile – sagen wir zehn Minuten? – verliert sich der Reiz und die allumfassende Langeweile macht sich breit.

Afrikanische Wüste

Der größte Pluspunkt des Films ist seine Location. Die Wüste Namibias verströmt eine ganz eigene Atmosphäre. Sie hilft, diesem Western ein postapokalyptisches Gefühl zu verleihen. Man wünscht sich, der Film würde tatsächlich den Mut besitzen, zum Science-Fiction-Western zu werden, er traut es sich aber nicht. Stattdessen spult „Gallowwalkers“ typische Western-Erzählmuster ab, bei denen es im Grunde völlig irrelevant ist, ob Snipes‘ Gegner nun Untote sind oder nicht.

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WTF?

Nichts an diesem Film ergibt Sinn. Warum Snipes‘ Figur die Sheriffs tötet, wird nicht klar. Weswegen er ausgerechnet den einen Mann rettet, der ihm dann helfen soll, wird nicht erklärt. Welche Bedeutung die augenscheinlich wichtige Hure für die Geschichte hat, bleibt ungeklärt. Warum Aman fünf Jahre wartete, bevor er Rache nahm, ist eine Frage, die niemand stellt. Wieso er verflucht ist, hat keine Relevanz. Wer ihn verflucht hat? Das hat den Zuschauer nicht zu interessieren!

„Gallowwalkers“ ist das Werk von Dilettanten. Die narrativen Fehler sind nur ein Teil der Gleichung, die Inszenierung ist es, die den Film endgültig versenkt. Zugegeben, der Film hatte Probleme, weil Snipes fehlte und oft mit einem Double, das man aus weiter Entfernung sieht, gedreht werden musste. Dennoch ist „Gallowwalkers“ eine Katastrophe. Selbst mit einem präsenten Star wäre dieser verquaste Murks nicht ansehbar. Es ist spannender, Farbe beim Trocknen oder Gras beim Wachsen zuzusehen. Denn die wenige Action, die es gibt, ist auch nur schwachbrüstig gestaltet.

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Die meiste Zeit darf Wesley Snipes schweigen und ab und an auch schießen.
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Am meisten Glück von den Darstellern hat Ex-Wrestler Dallas Page, denn als Skullbucket trägt er einen Helm, in dem es unter der Sonne Namibias mächtig heiß gewesen sein dürfte. Mit Ruhm bekleckert sich auch Patrick Bergin nicht, der den Sheriff spielt, aber damit auch nur daran erinnert, dass es wohl Gründe dafür gibt, weswegen man ihn schon jahrelang nirgendwo mehr gesehen hat.