Ach, wie schön wäre es doch, wenn man sich bei Offensichtlichkeiten einfach mal irren könnte und durchweg positiv überrascht wird. Wenn ein Film, der schon im Vorfeld eher mager beworben wurde und auf den ersten, zweiten und dritten Blick wie eine durchschnittliche TV-Produktion wirkte, stattdessen zum flüsternden Geheimtipp wird und den pessimistischen Kinokritiker Stinkstiefel schimpft. Wie schön wäre es gewesen, wenn den Gänsehaut-Büchern eine fulminante Rückkehr im Kino vergönnt worden wäre.

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Es darf sich wieder gegruselt werden

Und dabei sah es im ersten Drittel des Film gar nicht so schlecht aus. Ganz im Gegenteil. Wenn ihr den Film nicht auf dem Schirm oder auch gemischte Gefühle bei den Trailern hattet und eigentlich gar nicht zu viel erwarten konntet und wolltet, so sei euch versichert, „Gänsehaut“ zerbricht zu Beginn so manch falsche Vorstellung von sich und zerschmettert negatives Gedankengut wie Link die Tontöpfe der Bevölkerung von Hyrule.

Charaktere die den Anschein erwecken, sie könnten mehr sein, als nur der achthundertste farblose Milchbubi-Held, das rebellische Mädchen mit dem weichen Hirn – Äh, Herz! - der grumpige Vater des Rebellen-Görs, der aber ein dunkles Geheimnis birgt, die überforderte Mutter des Heldenbubis, die nur … Und so weiter und lauft fort; wie Filme dieser Klasse normalerweise halt sind.

Stattdessen zeigen die Figuren am Anfang tatsächlich etwas mehr Tiefe und erwecken die schlafende Hoffnung im Kinozuschauer, dass uns hier wirklich gutes Wohlfühlkino erwartet. Die weit gestreuten Witze treffen, der Lachmuskel arbeitet. Die Spezialeffekte sind bemerkenswert gut und die Geschichte hat einen schönen, fließenden Flow.

So viel also zum ersten Drittel. Doch – Überraschung! - leider kann „Gänsehaut“ dieses Niveau nicht halten. Die Charaktere werden schnell genau die Schubladenmenschen, die wir befürchtet haben zu treffen. Die Geschichte wandelt sich äußerst vorhersehbar, geradezu platt - und zum Ende hin schien den Machern die Ideen dann komplett auszugehen. Es ist wirklich eine Schande, denn das Potenzial zu einem echten Überraschungshit war da.

Gänsehaut - Die Rückkehr der weltberühmten Gruselbuchreihe

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Der Film läuft bei uns am 04.02.2016 in den Kinos an.
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Was am Ende fehlte – offensichtlich – war die Ambition, mehr zu machen als durchschnittliches Frühstücksfernsehen am Wochenende und eine Handvoll Dollar. Denn die überaus starken Effekte lassen eine andere Sache leiden: die Vielzahl der Kreaturen, die auch tatsächlich zu sehen sind. Mehr hätte das Budget hier offenkundig gefressen und so gibt es gerade einmal vier Monster der Gänsehautreihe, die wirklich auf ihre Kosten kommen und angemessene Screentime zur Verfügung gestellt kriegen.

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Leider halt sogar etwas zu viel. Zeit, die man mit anderen Wesen der Alptraumlande hätte füllen können. Nein, sogar hätte füllen müssen. Am Ende gibt es zwar einen Auflauf von so gut wie allen Monstern, aber die sind kaum zu sehen, haben nie irgendeine Art von Fokus auf sich liegen und sind der Beginn, an dem die Animationen dann eben doch zu wünschen übrig lassen.

Gerade als Fan der Bücher hätte man sich mehr gewünscht als einen Schneemenschen, einen Werwolf, eine Gottesanbeterin und ein paar Zwerge, die allesamt Buckling für die weltberühmte Handpuppe spielen dürfen. Wenn stattdessen wenigstens die Geschichte etwas mehr Überraschungen bereit gehalten oder die Figuren deutlich mehr Tiefe vorgezeigt hätten oder hätte, hätte, Fahrradkette.

Gänsehaut - Die Rückkehr der weltberühmten Gruselbuchreihe

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Von diesen Gruselgestalten bekommt ihr leider recht wenig zu sehen.
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Es ist, wie es ist. Und es ist ja gar nicht schlecht. Vor allem, da viele auch gemotzt hätten, wenn die Monster in höherer Zahl aber eben geringerer Screentime aufgetaucht wären... Aber es war halt auch nicht überraschend. Zwei Drittel des Films bedienen sich Klischeecharaktere und einer hundertfach gesehenen Geschichte. Der Humor mag am Ende noch zünden und für ein jüngeres Publikum (oder knallharte Fans) ist der Streifen durchaus einen Abend mit Popcorn und Cola wert... Das war es dann aber auch. Gute Abendunterhaltung, sofern der Preis dafür sich in Grenzen hält.

Nette Abendunterhaltung ohne großen Wiederschauwert.Fazit lesen

Die Schauspielriege macht ihren Job durchweg anständig, keine Frage - vor allem Jack Black funktioniert als grummeliger Gänsehaut-Autor mit Beschützerkomplex überraschend gut.

Am Ende bleibt aber ein Film, den man gesehen haben kann, als Fan der Bücher vielleicht sogar gesehen haben sollte. Irgendwie. Denn ein echtes Muss ist er nicht. Unterhaltend. Mit überraschend guten Animationen. Aber nicht mehr. Wer unterhaltsame Monsterspektakel ohne Tiefgang mag und sich bewusst ist, dass es sich hier um einen Jugendfilm handelt und keinen Stephen-King-Horror (ha ha), darf gerne ins Kino watscheln und wird sicherlich kaum enttäuscht werden. Ansonsten lautet unser Tipp, den Film zu gucken, sobald er morgens zum Frühstück im Fernsehen läuft. Man guckt nicht uninteressiert bis zum Ende mit, räumt in der Werbung das Geschirr weg und schmeißt während des Abspanns den Spüler an. Ein okayer Start in den Tag.