Mit knapp einjähriger Verspätung sind die Joes zurück. Schon im Sommer 2012 sollte der Film in die Kinos kommen, kurz vor Start und nach einer bereits teuren Werbekampagne zog man ihn zurück. Offiziell, weil man ihn in 3-D aufbereiten wollte, um – so das Studio – dem Zuschauer Mehrwert zu geben, tatsächlich jedoch, da Testvorführungen ergaben, dass das Publikum mehr Channing Tatum sehen wollte, der mittlerweile zum Star geworden war. Das Problem: Er ist kaum im Film. Die Lösung: Nachdrehs. Das Ergebnis: Tatum ist nach wie vor kaum im Film.

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Die G.I. Joes werden nach Pakistan geschickt, um zu verhindern, dass nukleare Sprengköpfe in Terroristenhand fallen. Nach vollbrachtem Auftrag werden die Joes angegriffen. Fast alle sterben, nur Roadblock (Dwayne Johnson), Flint (D.J. Cotrona) und Lady Jaye (Adrianne Palicki) können entkommen. Ihnen ist klar, dass sie verraten wurden – von höchster Stelle.

Der Präsident verkündet indes, dass die Joes es waren, die einen Anschlag auf den pakistanischen Präsidenten verübten und einen Staatstreich planen. Tatsächlich ist ein solcher aber schon längst gelungen, denn Zartan, der Meister der Verkleidung, hat den Präsidenten ersetzt. Er setzt nun alles daran, den Cobra Commander zu befreien, damit dieser seinen großen Plan in die Tat umsetzen kann.

Ja, wo ist er denn?

Angesichts der massiven Nachdrehs, von denen im Lauf des letzten Jahres berichtet wurde, erwartete man eigentlich, dass Tatum eine größere Rolle im Film zugeschustert worden wäre. Pustekuchen. Im nunmehr etwas zu langen ersten Akt gibt es ein paar Momente mit Dwayne Johnson, die die Freundschaft der beiden herausarbeiten sollen, ansonsten bleibt aber alles beim Alten, inklusive dem vorzeitigen Tod des Helden aus dem ersten Teil.

Ein Spoiler ist dies übrigens nicht, über Dukes Tod wurde schon ausgiebig berichtet, er findet auch in der Frühphase des Films statt. Angesichts der Nachdrehs hat man während des Films aber ständig die Erwartungshaltung, dass er eben doch nicht tot ist und noch mal irgendwo auftaucht. Doch das passiert nicht.

G.I. Joe 2: Die Abrechnung - Hauen, stechen, schießen und vor allem: Gehirn ausschalten nicht vergessen!

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"Wo geht's hier bitte zur nächsten Actionszene?"
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Immerhin muss Duke den Joes ein Gesicht geben, denn abseits von ihm sterben am Anfang zwar Dutzende Soldaten, sie sind aber allesamt anonym und scheren den Zuschauer nicht im Mindesten. Im Grunde hätte man etwas mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um die Darsteller der Joes des ersten Teils für Cameos zu verpflichten. Hätten General Hawk und Konsorten hier das Zeitliche gesegnet, hätte es beim Zuschauer auch eine emotionale Reaktion gegeben.

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Wirrer Mehrwert

Einen nicht für 3-D konzipierten Film im Nachhinein zu konvertieren, geht häufig in die Hose. Besonders, wenn es schnell geschnittene Action gibt. Davon hat „G.I. Joe – Die Abrechnung“ jede Menge. Besonders irritierend ist der Kampf zwischen Snake Eyes und Storm Shadow, bei dem man kaum noch folgen kann. Bei anderen Actionsequenzen läuft es etwas besser ab, besonders die Ninjas bringen die Technik jedoch an ihre Grenzen.

Davon abgesehen gibt es einige Actionszenen, die jedwede Basis-Logik vermissen lassen. Damit ist nicht ein Realitätsanspruch gemeint. Den gibt es nicht, hier wird einfach übertriebene, aber amüsante Action geboten. Die Anschlüsse stimmen jedoch nicht. Als Beispiel muss hier vor allem die Kampfsequenz auf dem Berg dienen, in der Snake Eyes und Ninjas sich mit Seilen an Steilwänden herumschwingen.

Die hanebüchene Geschichte dient als Katalysator für Non-Stop-Action. Doof, aber kurzweilig.Fazit lesen

Lässt man sich mitreißen, ist die Sequenz in Ordnung, auch wenn sie sich vom Stil des restlichen Films abhebt. Denkt man darüber nach, muss man sich jedoch fragen, wie der Transport des „Pakets“, das Snake Eyes hier vor den Ninjas rettet, vonstattengeht. Es ist geradezu, als würde es eine Weile in der Luft verharren und darauf warten, wieder aufzutauchen, wenn es für die Fortführung der Handlung notwendig ist.

Bruce wird zum eigenen Klischee

Bruce Willis spielt Joe Colton, den Mann, dem die Joes ihre Namen verdanken. Es ist nur eine Nebenrolle, aber immerhin hat er mehr zu tun als sein namenloses Team. Denn Colton bringt eigene Soldaten mit zum Schlusskampf. Allerdings sind die so namen- und gesichtslos, dass es nicht mal zu einer einzigen Nahaufnahme reicht.

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Sie darf vor allem eines: gut aussehen.
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Das Problem ist, dass Willis längst zu seinem eigenen Klischee geworden ist. Das schädigt auch den Colton-Part, der wie ein Fremdkörper im Film wirkt. Nach dem bescheidenen Abschneiden des fünften „Stirb Langsam“-Films sollte Willis sich vielleicht mal Gedanken darüber machen, die Knarre an den Nagel zu hängen, und sich darauf besinnen, dass er ein Schauspieler, nicht nur ein Darsteller ist. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Seine Kollegen gehen in ihren Rollen mehr auf. Adrianne Palicki bekommt einen Gefühlsmoment, darf aber ansonsten hauptsächlich gut aussehen, D.J. Cotrona ist im Grunde der Tatum-Ersatz, Ray Stevenson ist als Schurke Firefly kerniger als in seinen anderen Action-Vehikeln, und Dwayne Johnson macht als neuer Anführer der Joes eine gute Figur.