Man darf sich natürlich fragen, ob man wirklich das Remake eines Films aus dem Jahr 1985 braucht. Die Sehgewohnheiten haben sich zwar in den letzten Jahrzehnten verändert, aber 80er-Jahre-Filme funktionieren in der Regel noch ziemlich gut. Aber gut, wir leben in einer Zeit, in der alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, mit der groben Remake-Kelle bearbeitet wird. Immerhin kommen dabei aber hin und wieder sogar ganz unterhaltsame Filme heraus.

Fright Night - Clip TrailerEin weiteres Video

Früher war Charlie (Anton Yelchin) ein Geek und wurde nicht beachtet. Heute gehört er zu den coolen Kids. Tatsächlich könnten die letzten Monate an der High School für Charlie gar nicht besser laufen. Er ist Teil der In-Crowd und geht mit Amy (Imogen Poots) aus, dem heißesten Mädchen von allen. Um all das zu erreichen, musste er nur ein kleines Opfer bringen und seinem langjährigen Freund Ed (Christopher Mintz-Plasse) die Freundschaft kündigen. Nun belästigt Ed ihn jedoch mit Vampirgeschichten, die einfach nicht ernstzunehmen sind.

Denn immerhin behauptet Ed, dass Charlies neuer Nachbar Jerry ein Vampir ist. Gut, Jerry ist ein wenig eigenartig, kommt nur nachts raus und hat seine Fenster immer verdunkelt, aber er kann doch unmöglich ein Vampir sein. Als Ed verschwindet und Charlie miterleben muss, wie die heiße Nachbarin in Jerrys Haus geht, aber nicht mehr herauskommt, will er der Sache auf den Grund gehen. Eine rabenschwarze Nacht beginnt…

Es hat sich ausgeglitzert

Dass Horrorfans den Gedanken an die Glitzer-Vampire von „Twilight“ kaum ertragen, hat sich herumgesprochen, auch zu Marti Noxon, Autorin von „Fright Night“, die die Abneigung der Fans für einen gelungenen Gag benutzt.

Und da dies aus dem Weg ist: In „Fright Night“ bekommt man es mit der Art Vampir zu tun, die nicht im Sonnenlicht glitzert und auch nicht mit Umhang in halbverfallenen Schlössern haust. Jerry ist die Art Vampir, wie es sie in Barrow in „30 Days of Night“ gibt. Er ist ein Raubtier, ein Hai an Land. Und das ist ein durchaus passender Vergleich, wenn man sich die beeindruckende Zahnreihe ansieht, die er nach voller Transformation zur Schau trägt.

Im Zwielicht: Mit den aktuellen Teeni-Vampiren hat Fright Night nichts zu tun.

Erfreulich am Remake ist, dass man zwar der Geschichte der Vorlage folgt, sich aber nicht nur dort Freiheiten erlaubt und den Mut zur Veränderung hat, sondern auch in der Darstellung des Vampirs Jerry eigene Wege beschreitet. Nirgendwo mehr als bei Jerry heben sich Original und Remake stärker voneinander ab.

Packshot zu Fright NightFright Night

War Jerry Dandridge im Original ein distinguierter Mann, vom Habitus Dracula nicht unähnlich, ist der neue Jerry eher in der Tradition eines Nosferatu stehend. Übrigens gibt es einen Cameo-Auftritt von Chris Sarandon, der hier auf seinen Nachfolger treffen darf.

Der neue Peter Vincent

Im Original war Roddy McDowall („Planet der Affen“) der alternde Fernsehstar Peter Vincent, der im Regionalfernsehen die Einleitungen für Horrorfilme einsprach. Im neuen Film ist Peter Vincent nun ein Bühnenmagier, ein selbsternannter Vampirkiller, der aber ebenso wie sein früheres Ich von Angst heimgesucht ist.

Colin Farrell: der Vampir als Serienkiller.

Es passt, dass nach Roddy McDowall mit David Tennant erneut ein Brite in Peter Vincents Mantel schlüpfen. Dem zehnten Doctor Who gelingt es dabei spielerisch, sich die Rolle ganz eigen zu machen. Obwohl er nur eine Nebenrolle innehat und auf nur wenige Minuten Screentime kommt, sind diese mit das Beste am Film. Speziell die ruppige Art, mit der Vincent und seine Freundin einander begegnen, sprüht vor launigem Humor.

Überraschung: Ein Remake, das dem Original ebenbürtig ist!Fazit lesen

Humor ist ein wichtiger Faktor des Films, allerdings verkommt „Fright Night“ nie zur Komödie. Es gibt coole Oneliner, aber sie nehmen nicht überhand. Der Film ist hochamüsant und spaßig, doch er übertreibt das Ganze nie. In dieser Beziehung ist das Remake dem Original sogar überlegen, das deutlich mehr auf Lacher schielte und sich weit weniger ernst nahm. Craig Gillespies neuer Film nimmt sich ernst, überschreitet dabei aber niemals die Grenze. Man hätte aus „Fright Night“ mit Leichtigkeit einen Film machen können, der seinen Humor einzig aus überdrehten Gore-Nummern bezieht. Aber so leicht macht es sich der Film nie.

Aus alt wird neu

„Fright Night“ funktioniert als Remake, weil sich der Film nicht sklavisch an die Vorlage hält. Das Grundgerüst der Geschichte ist intakt, davon abgesehen hat Autorin Noxon jedoch die Figuren anders gestaltet, neue Motivationen gefunden und setzt von Anfang an auf hohes Tempo. Anders als im Original wird hier nicht so lange Zeit darauf verwendet, dass Charlie Beweise dafür finden will, was Jerry ist.

Mein Nachbar ist ein Vampir: Auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Vielmehr wird auf Rasanz gesetzt, und das nicht nur, als Charlie sich ins Haus des Vampirs schleicht, sondern mehr noch, als der Blutsauger auf die Jagd geht. „Fright Night“ ist eines der wenigen leuchtenden Beispiele dafür, dass ein Remake nicht zwangsläufig minderwertig, sondern dem Original ebenbürtig sein kann.

Der Film nimmt, was am Original funktionierte, injiziert frisches Blut und neue Ideen, bleibt der Geschichte und den Figuren gegenüber treu und kommt mit einigen Wow-Momenten daher, die Zeugnis dafür sind, dass die Macher sich wirklich Gedanken machten, wie man das Original für ein neues Publikum auffrischen kann.