Freundschaft, Freiheit und das pure Leben: Derzeit sorgt die beschwingte Komödie "Friendship!" in den hiesigen Kinos für breite Schmunzler und erstklassige Wertungen im gamona-Kinocheck. Zum Filmstart luden die beiden Berliner zum Interview nach - na, wer erräts - klar, Berlin. Wir folgten dem Ruf - und lieferten uns mit den gut gelaunten Jungs ein paar der unterhaltsamsten Wortgefechte seit...nunja, immer. Der Beweis folgt auf dem Fuße - natürlich stilecht in echtem Berlinerisch. Also fast echt - man muss ja auch was verstehen, verstehst'e?

Friendship! - TrailerEin weiteres Video

gamona: Tachchen ersma. Euren beeden „Friendship!“- Charakteren Tom und Veit passier’n ja am laufenden Band verrückte Dinge. Könnt ihr da mithalten – wat war dit Verrückteste, wat ihr bisher erlebt habt?

Matthias Schweighöfer: (Überlegt gewissenhaft) Ick hatte ma’ Durchfall und musste kotzen – gleichzeitig. Det war schon ziemlich krass!

Friedrich Mücke: (prustet laut los)

Matthias Schweighöfer: (lacht ebenfalls laut) Na er hat doch jefragt, wat det Krasseste is…naja…

gamona: Das Halb-Krasseste wär och okay jewesen.

Friendship! - Freundschaft , Hämorrhoiden, Ü-Eier: Schweighöfer und Mücke im Gespräch

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David und seine duften Atzen - echte Friendship!: Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke im Interview.
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Matthias Schweighöfer: (holt tief Luft, um sich zu beruhigen) Als die Bild meinen Vater neulich im Interview gefragt hat, wat denn sein erster Film jewesen wäre, den er jesehen hat, als die Mauer fiel, hat er jesacht…

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Friedrich Mücke: Warte, ick weeß wat er jesacht hat – „Trommelfeuer aus der Sackkanone“

(beide prusten lauthals los)

Matthias Schweighöfer: Ick musste so lachen. Und dem Typ von der Bild ist das halbe Gesicht geschmolzen.

gamona: Ihr seid doch privat aber eher so die Bausparer, wa?

Matthias Schweighöfer: Wat soll’n dit jetzt heißen? Willst’e det Interview noch weiter führen oder wie…

Friedrich Mücke: (lacht schon wieder)

gamona: Ihr riskiert also auch mal was?

Friedrich Mücke: Na sicher, jederzeit.

Matthias Schweighöfer: Natürlich.

Friedrich Mücke: Unser Leben ist nicht langweilig!

Matthias Schweighöfer: Nein!

(schweigen)

Matthias Schweighöfer: Ja – nächste Frage bitte… (alle lachen)

Schulgarten, Heimatkunde und Hämorrhoiden

gamona: Ihr wart ja beide acht Jahre alt, als die Mauer fiel – erinnert ihr euch noch an diesen Tag?

Friedrich Mücke: Ja, dit war schon krass. Mein Onkel rief damals mitten in der Nacht an und brüllte durchs Telefon: „Ihr könnt rüber! Ihr könnt rüber!“ Meine Eltern reagierten daraufhin noch ganz lässig. „Der hat schlecht geschlafen“, meinte meine Mutter. Als sie aber den Fernseher angemacht haben, war alles klar und wir sind zwei Tage später über die Grenze. Ick hab mir gleich ma Autos gekauft, zum Zusammenstecken. „Connectables“ hießen die, von HotWheels.

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"Als die Mauer geöffnet wurde, hab ich mich total über Kinderschokolade gefreut."
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Matthias Schweighöfer: Ick war total entrüstet. Ick hatte det so lange durchgehalten als Jungpionier, da hatte ick es einfach verdient Thälman-Pionier zu werden. Aber nix is – die Wende kommt und plötzlich gibt es keine Pioniere mehr. Ich war erst tierisch sauer, bin dann zum Ku'damm gefahren und hab mir dort im Hertie 'nen Überraschungs-Ei jekauft. Da dacht’ ick mir: Der Westen is ja doch janz schön geil – die ham ja sogar Spielzeug IN der Schokolade. Wie hamma is dat denn?!

gamona: Die gab’et aber och im Intershop damals – da hab ich mir immer Lego und Ü-Eier geholt. (Anm.d.Red: Intershops waren seltene und extrem teure Geschäfte, in denen DDR-Bürger Waren aus dem Westen kaufen konnten)

Matthias Schweighöfer: Oho – der feine Herr hatte Lego. (Friedrich Mücke kichert bereits wieder leise) Aber ick war selten im Intershop und hatte och niemanden, der da was für mich geholt hat. Da freut man sich halt über so etwas.

gamona: Fühlt ihr euch den eigentlich als Ossis?

Beide einstimmig: Ja!

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"In der Schule gab es 'nen Schulgarten - das wussten viele Wessies gar nicht."
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Matthias Schweighöfer: Man verbindet noch viele Erinnerungen mit dieser Zeit. Jetzt wohne ick beispielsweise in Mitte, in'ner total bunten Straße – lauter Stuttgarter und Münchner wohnen da. Total schicke Häuser, alles sehr stylisch. Ick kenne die Ecke aber noch, da war allet grau. Da standen damals vielleicht drei Autos uff der Straße.

Friedrich Mücke: Ick hab heute noch meenen Heimatkunde-Hefter. Wat da für Zeug drin steh, globste nich: „Ich heiße Friedrich Mücke. Ich komme aus Berlin Treptow, Ortsteil Schöneweide. Wir haben einen wunderschönen Park. Die Bäume sind im Winter grün – und im Winter nich.“ Der Hefter war voll mit solchem Zeug, auch was die praktischen Dinge anbetraf. Der Arbeiter- und Bauernstaat wurde darin richtig schön aufbereitet.

gamona: Hattet ihr eigentlich och ’nen Schulgarten?

Matthias Schweighöfer: Ja genau, den hatten wa och. Dit hab ick neulich erst jemandem erzählt, dass wir im Osten ’nen Schulgarten hatten. Und der schaut mich janz verdutzt an und fragt: „Wat habt ihr?“ Hach ja, der Schulgarten. Alles war zementiert auf dem Gelände, aber hinten in der kleinsten Ecke, am nächsten Neubau, da lag der Schulgarten.

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Schweighöfer und Mücke mit Filmpartnerin Alicja Bachleda auf der Premiere in Berlin.
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Friedrich Mücke: Schnittlauch anpflanzen, Boden umgraben und Daniel Botha wurde immer von Erdwespen gestochen- tolle Zeit.

gamona: Ich hab mich mal an’ner Zwiebel geschnitten, die ich ausbuddeln sollte.

Matthias Schweighöfer: Das klingt nach ’ner harten Kindheit.

gamona: Wem sacht ihr dit…Aber mal weg von meinen Problemen: Gibt es eigentlich Probleme, die ihr euren Freunden nie erzählen würdet oder sagen sich echte Kumpels alles?

Matthias Schweighöfer: Also Hämorrhoiden wär ’nen schwieriges Thema – dat ist immer peinlich vor männlichen Kumpels…

Friedrich Mücke: Fusspilz ist och schwierig.

Matthias Schweighöfer: Ick hatte mal ’nen Freund – Namen nenn ick jetzte nich – der hatte Hämorrhoiden…

(Schweighöfer und Mücke kriegen sich kaum noch ein)

Matthias Schweighöfer: Wirklich wahr – der lag zu Silvester die janze Zeit aufm Bauch rum.

(Schweighöfer lehnt sich nach vorne und streckt den Hintern demonstrativ nach Hinten – Mücke lacht)

Matthias Schweighöfer: Und niemand wusste, wat mit dem los war. „Ey, setz dich doch ma richtig hin“, ham’wa immer jesacht. Aber er meinte nur: „Nene, is schon okay – ick hab Rückenschmerzen“. Bis ick ihn dann eines Tages im Krankenhaus besuchen musste und die janze Wahrheit rauskam.

Faszination: USA - Mysterium: Facebook

gamona: Im Film entdeckt ihr ja Amerika gerade für euch – wann seid ihr denn privat dit erste Mal in den USA gewesen?

Beide einstimmig: Mit dem Film.

Friedrich Mücke: Ick fand dat Fliegen ja ziemlich krass. Ich hasse das genauso sehr wie Matthias, weil ich bei jedem Luftloch Todesängste ausstehe. Aber als wir dann drüben waren, hab ick ersma ’nen fetten Burger gegessen. Da drüben is einfach allet riesig – große Straßen, große Autos.

Matthias Schweighöfer: Vor allem die Parklücken – da hätt’ste ja Häuser drauf bauen können.

gamona: Habt ihr die Reise dann auch jenauso jemacht, wie'se im Film gezeigt wird?

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"Wir haben uns in Alburquerque getroffen - und erstmal die ganze Nacht durchgemacht."
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Matthias Schweighöfer: Nee, getroffen haben wir uns in Albuquerque, haben dann die Nacht durchgemacht, sind weiter nach Las Vegas und LA und letztlich New York. Als wir dann wieder in Berlin gelandet sind – dit war ’ne ganz andere Welt.

Friedrich Mücke: Die 16 Stunden Fahrt durch Kalifornien – dit war einfach unglaublich. Ich kam mir vor, wie im Film…

gamona: Und wo geht’s als Nächstes hin?

Matthias Schweighöfer: Also ich möchte dieses Jahr noch mit der Queen rüber und eine Reise…

gamona: Ach, ihr seid gut befreundet, du und die Queen?

Matthias Schweighöfer: (lacht) Ohh, das klang jetzt’n bisschen komisch, wa? Ja-ha, die Queen und ick, wir sind janz dicke Freunde! Nee, ich fahre mit der „Queen Mary“ in die USA.

Friedrich Mücke: Meine nächste Tour geht nach Brügge.

Matthias Schweighöfer: Stimmt, weil du dir gerade „Brügge sehen…und sterben“ angeguckt hast.

Friedrich Mücke: Genau.

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"Bei Facebook bin ich die ganze zeit nur am adden irgendwelcher wildfremden Leute."
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gamona: Das ist irgendwie komisch, jeder der diesen Film gesehen hat, will hinterher nach Brügge – mir ging es genauso. Die perfekte Werbung eigentlich.

Matthias Schweighöfer: Ich hab’s auf Facebook gesehen – da stand neulich ganz dick „Brügge!“ in deinem Profil.

gamona: „Friendship!“ springt ja in Punkto Marketing auf den Social-Network-Zug auf. Bei StudiVZ und Facebook gibt’s Gruppen und Profile. Spielen solche Portale auch in eurem persönlichen Leben eine Rolle?

Friedrich Mücke: Ich bin bei Facebook, StudiVZ nicht, zwei solcher Portale brauche ich nicht. Aber das is’n super Ding, um mit entfernten Freunden in Kontakt zu bleiben. Und mit Matthias rede ich ja grundsätzlich nur über Facebook.

Matthias Schweighöfer: Ich bin auch bei Facebook, aber ich seh’ da irgendwie überhaupt nicht durch, technisch bin ich die totale Null. Ich bin nur noch am Adden. Immer wenn ich mich einlogge, klicke ich mich durch Freundschaftsangebote. Mir ist das auch zu komisch ständig Statusmeldungen zu schreiben – „Leihe mir jetzt ’nen Video aus!“ Und darunter dann 258 Kommentare: „Cool, echt was’n?“, „Cool, er leiht sich’n Video aus! Hammer!“ oder „Geil, bestimmt in der Videothek auf der Torstraße“. Und darunter dann hunderte Bewertungen – „das gefällt mir“. Wirklich, ein Freund von mir ist da ganz groß. Wir waren essen und er hat die ganze Zeit gepostet, was er sich bestellt hat. Mit Foto! „Esse jetzt Steak und Gurkensalat“ – sofort kamen innerhalb von zwei Minuten 100 Kommentare. Und beim Dessert noch mal dasselbe. Also ehrlich, diesen Kult kapier' ick irgendwie nicht.

"Wahre Liebe unter Männern."

gamona: Wenn man euch im Film so beobachtet, fällt auf, dass ihr echt toll miteinander harmoniert. Die Freundschaft der beeden Kumpels scheint nicht wirklich gespielt zu sein. Kanntet ihr euch schon vor dem Dreh?

Friedrich Mücke: Ne, wir haben uns erst beim Casting in Kiel getroffen. Danach erst wieder in Alburquerque, einen Monat später. Aber wir brauchten eigentlich nur…(überlegt kurz)…eine Nacht.

Schweighöfer (gedankenversunken): Das war wirklich krass! Et hat sofort jefunkt.

Friedrich Mücke: (lacht) Klingt irgendwie komisch, wa – „eine Nacht“?!

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Gemeinsam mit Silbermond bei der Deutschlandpremiere.
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Matthias Schweighöfer: Nee, dit war wirklich so. Ick hab’ das in den 12 Jahren als Schauspieler auch noch nie erlebt, dass ich jemanden finde, mit dem ich beim Spielen ein derartiges Timing entwickle, wo man weiß, was der andere sagt, bevor er es sagt. Auf Friedrich war da immer verlass, in jeder einzelnen Sequenz.

Friedrich Mücke: Ich finde aber, dit kommt auch daher, weil man den anderen wirklich achtet. Niemand will sich in den Vordergrund drängen. Im Gegenteil: Wir haben viele Szenen zusammen auch spontan weiter entwickelt. Dass man so auf einer Augenhöhe ist, war ja nicht unbedingt klar – ich dachte vorher: „Vielleicht ist der Schweighöfer ja voll der Wichser.“

Matthias Schweighöfer: Das liegt aber auch daran, dass wir total auf einem Nenner liegen. Es gibt auch Kollegen, denen gibst du etwas vor – ein Satz, einen Gefühlsausdruck, eine Bewegung. Und die spielen diese Szene zu Ende und du denkst dir: „Joa, passt.“ Aber du spielst solche Szenen dann genau so zu Ende, wie ich es auch tun würde – dieselben Reaktionen.

Friedrich Mücke: Ja, weil wir och miteinander reden, dass wir Dialoge spielen, obwohl das nie stattfindet, weißt du. Weeste wat ick meine? Ich glaube ihr versteht mich gar nicht.

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"Der Produzent, Tom Zickler, hat die Reise mit seinem Kumpel tatsächlich so erlebt."
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gamona: Nicht ein Wort! Aber fassen wa es doch so zusammen: wahre Liebe jibt's nur unter Männern.

Matthias Schweighöfer: Ja genau – kiek dir doch ma Walter Matthau und Jack Lemmon an. Die waren och'n unschlagbares Team. Da kommen wa auch noch hin!

gamona: In „Friendship 2“.

Friedrich Mücke: Oder: Friendship Reloaded

gamona: "Friendship – Der Auftrag!"

Matthias Schweighöfer: "Friendship – jetzt erst recht!"

gamona: Die Geschichte basiert ja auf einer wahren Begebenheit, zumindest wenn man den Bildern im Abspann glaubt. Wie genau sieht diese Wahrheit denn aus?

Matthias Schweighöfer: Der Produzent, Tom Zickler, hat diese Reise tatsächlich mit seinem Freund Veit gemacht. 1990 sind'se kurz nach dem Mauerfall in die USA. Die haben zwar insgesamt vier Monate bis nach San Francisco gebraucht, aber 50% dieser Geschichten aus dem Film sind wirklich wahr. Vor allem: Die Nummer mit dem Zahn ist wirklich passiert. Tom musste damals im Schwulenclub tanzen, um an die nötige Kohle zu kommen. Und jetzt dat Beste: Tom traf in New York zu uns, steigt aus dem Flugzeug, bekommt Zahnschmerzen, geht zum Zahnarzt und hat wieder so eine astronomisch hohe Rechnung.

gamona: Vielen Dank für das unterhaltsame Interview, Jungs.

Matthias Schweighöfer: Wir danken - war sehr lustig mit euch.