Wenn Produzent Michael Bay und Regisseur Marcus Nispel jetzt pünktlich an einem Freitag, den 13. ihre Neuinterpretation des stummen Hockeymaskenkillers vom Camp Crystal Lake in die Kinos bringen, dann denkt man noch einmal zurück an das Original von Sean Cunningham, an jenen Low-Budget-Horrorklassiker, der vor nunmehr 30 Jahren die blutige Exploitation des Slasherfilms in den Mainstream zerrte. Und damit neun offizielle Fortsetzungen, eine namens-, aber nicht inhaltsgleiche Fernsehserie, ein irrsinniges Aufeinandertreffen mit Kollege Freddy Krueger und nun schließlich auch ein postmodernes Kino-Update nach sich ziehen sollte.
Am Anfang war die Mutter
Dabei ging es in „Freitag der 13.“ zunächst noch weniger um den geistig zurückgebliebenen Jason Voorhees, der als kleiner Junge wegen einer Unachtsamkeit seiner Betreuer im See ertrank, als vielmehr um dessen greise schizoide Mutter, die pünktlich zur Wiedereröffnung des Ferienlagers lüsterne Teenager ins Jenseits beförderte (darunter auch den blutjungen Kevin Bacon), um den Tod ihres einzigen Sohnes zu rächen. Ihre finalen „Kill her, Mommy!“-Eingebungen sind diesbezüglich nicht nur eines der vielen – heute zweifellos trashigen – Highlights des Films, sondern haben auch die berühmte Musik der Filmserie geprägt, die sich zumeist nur aus geflüsterten „ki, ki, ki, ma, ma, ma“-Lauten speiste.
Der Moment, in dem alles begann: Der junge Jason ertrinkt im Crystal Lake.Cunninghams Film folgte, sichtlich beeinflusst von John Carpenters „Halloween“, überwiegend den schon seinerzeit gängigen Stalk’n’Slasher-Regeln: Das Licht wurde den jugendlichen Knallchargen für ihre Sex- und Drogensünden nach dem 10-Kleine-Negerlein-Schema ausgeknipst, während das unverzichtbare und selbstredend jungfräuliche Final Girl dem Schrecken schließlich ein Ende setzen konnte – zumindest vorläufig. „Freitag der 13.“ bediente sich dabei nicht nur mit der subjektiven Kameraperspektive des Killers vorbildlich aus dem stilistischen Fundus von Michael Powells „Peeping Tom“, sondern orientierte sich auch ganz besonders an Alfred Hitchcocks „Psycho“.
Der Mutter-Sohn-Komplex des Films zieht sich wie ein roter Faden durch die Serie und stellt eine reizvolle Umkehrung der Hitchcock-Vorlage dar: Mrs. Voorhees mordet für ihren toten Sohn und übernimmt dann zeitweise seine Identität, während Norman Bates in „Psycho“ als seine verstorbene Mutter verkleidet zum Küchenmesser griff und deren Stimme imitierte. In der Fortsetzung, „Freitag der 13. – Jason kehrt zurück“ (1981) von Steve Miner, dreht sich das Prinzip interessanterweise erneut um und entspricht so direkt der Konstellation aus Hitchcocks Film.



























