Die Herkunft als Theaterstück merkt man „Frau Müller muss weg!“ durchaus an, auch wenn die Geschichte etwas weiter aufgezogen wird. Sie spielt nicht mehr nur in einem Klassenzimmer, sondern auch in den umliegenden Räumen, was Sönke Wortmann die Gelegenheit gibt, die Figuren voneinander zu lösen und Dinge erleben zu lassen, die im Stück nicht gegeben waren.

Frau Müller muss weg - Offizieller Trailer #1Ein weiteres Video

Da er selbst das Stück inszeniert hat, kannte er sich mit dem Stoff ohnehin gut aus, und hat auch früh erkannt, dass darin ein guter Film steckt, gibt es doch keinen gelungeneren Mikrokosmos als den eines Elternbeirats, da sich hier Menschen unterschiedlicher Schichten, Bildung, Herkunft und Alters treffen und unweigerlich miteinander kollidieren. Die Theatralik ist der Situation inhärent.

Frau Müller muss weg - Breakfast Club meets Gott des Gemetzels

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Der Film erscheint am 15.01.2015 im Kino.
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Die Eltern Wolf (Justus von Dohnanyi), Jessica (Anke Engelke), Patrick (Ken Duken), Marina (Mina Tander) und Katja (Alwara Höfels) treffen am Samstag in der Grundschule auf Frau Müller, die Lehrerin ihrer Kinder. Ihnen allen ist klar: Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) muss weg. Denn das Klima in der Klasse hat sich verschlechtert und die Noten der Sprösslinge auch. Da das nächste Zeugnis über den weiteren Lebensweg entscheidet – Gymnasium oder Mittelschule – wollen die Eltern Frau Müller loswerden, um so die Chancen der eigenen Kinder zu mehren.

Aber das Gespräch verläuft nicht ganz so, wie sie das erwartet haben. Nicht alles ist so, wie es ihre Kinder geschildert haben. Frau Müller klärt die unwirschen Eltern darüber auf, wie sich ihre Kinder in der Schule benehmen – und stürmt dann aus dem Klassenzimmer. Aber ihre Tasche bleibt zurück. Die Eltern fragen sich nun: Wer hat Recht, sollte man Frau Müller behalten, und überhaupt, man könnte doch mal einen Blick in ihren Notenspiegel werfen, wenn ihre Tasche schon so verlockend dasteht…

Frau Müller muss weg - Breakfast Club meets Gott des Gemetzels

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Dies ist eine Verfilmung des gleichnamigen Bühnenstücks von Lutz Hübner.
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Nur das Beste für die Kinder?

Allen geht es nur um das eine, das Beste für die Kinder. Oder das, was Eltern als das Beste ansehen. Ein Platz am Gymnasium, eine Chance auf ein gutes Leben, Geld und Karriere – dafür kämpfen die Eltern und schießen übers Ziel hinaus. Weil sie vergessen, dass das Wohl des Kindes durchaus anders bestellt sein kann. Aber die Emotionen kochen hoch. Was „Frau Müller muss weg“ sehr schön illustriert, ist die Eskalation.

Es fängt gesittet an, man ist freundlich, dann wird es laut, Lager bilden sich, am Ende setzt es sogar Prügel. Im Verlauf dieses Geschehens geht es nicht nur um die Kinder, vor allem geht es um die Hoffnungen der Eltern, ja, auch ihre Erwartungen. Und nicht nur das, es geht um moralische Grundsätze, um Prinzipien, um aufeinanderstoßende Weltanschauungen, um Vorurteile, um Liebeleien, um Betrügereien, kurz: um ganz authentische Menschen.

Frau Müller muss weg - Breakfast Club meets Gott des Gemetzels

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Star-Comedian Anke Engelke ist natürlich auch dabei.
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Das ist die eigentliche Stärke des Films, der ähnlich Roman Polanskis Adaption des Stücks „Gott des Gemetzels“ ein Abbild der Gesellschaft erschafft, und das nur mit einer Handvoll Figuren. Hier bröckeln Fassaden, vor den anderen, aber auch vor einem selbst. Das Ergebnis ist häufig witzig, manchmal bitter, hin und wieder sogar traurig, aber immer echt, immer emotional, immer nachvollziehbar.

Auch und gerade, weil die Schauspieler hinter ihren Rollen verschwinden. Dieses Kompliment muss man auch der häufig überzogen agierenden Anke Engelke machen, deren Figur genau weiß, was für ein Früchtchen ihre Tochter ist, die sich aber dennoch dafür einsetzt, das Bestmögliche für die Kleine herauszuholen. Prinzipien? Dürfen auf dem Altar der Gelegenheit geopfert werden.

Wie die Schüler

Wie die fünf Eltern vor der Lehrerin stehen, wie sie im Chor „Guten Tag, Frau Müller“ sagen, wie sie wieder – zumindest scheinbar – zu Kindern werden, das ist sehr effektiv gestaltet. Auch deswegen fühlt man sich ein wenig an „Breakfast Club“ erinnert, nur eben mit Erwachsenen, die aber – nach ganz eigenem Maßstab – auch ganz eigene Dummheiten veranstalten.