Horror in der Vorstadt: Tim Burton widmet sich mit „Frankenweenie“ einmal mehr dem ganz persönlichen Suburbian Nightmare. Die Stop-Motion-Langfilmversion des gleichnamigen Kurzfilms von 1984 vereint die liebenswürdige Außenseiterromantik seiner Fantasy-Märchen mit der hemmungslosen Zerstörungswut eines Desaster-Movies. Es ist Burtons erster großer Monsterfilm und seine beste Regiearbeit seit Jahren.
Gleichermaßen eine Liebeserklärung an die Kindheit wie auch ein waschechter Monsterfilm. Tim Burton is back on track!FazitUm den Schöpfer so einzigartiger Kinowunder wie „Beetlejuice“ oder „Sleepy Hollow“ musste man sich zuletzt ein wenig Sorgen machen. In der von Disney-Konventionen bestimmten, volldigitalen Adaption „Alice im Wunderland“ fanden sich nur vereinzelt Hinweise auf seine sonst so unverwechselbare Handschrift. Und die Kinoneuauflage der „Dark Shadows“ verlor sich in leidlich vergnüglichem Slapstick und der allmählich leicht überstrapazierten Faxenschau des Burton-Alter-Egos Johnny Depp.
Eine Langfilmversion seiner einst für Disney gedrehten 30-minütigen Horrorkomödie „Frankenweenie“ schien da zunächst nicht unbedingt eine Rückkehr zu alter Form zu versprechen. Die simple Prämisse des Real-Kurzfilms, James Whales Universal-Klassiker „Frankenstein“ ins US-Suburbia verlegen und statt des Monsters einen reanimierten Hund sein Unwesen treiben zu lassen, bot sich kaum an, um auf Spielfilmlänge aufgeblasen zu werden.
Gleichwohl entbehrte das Projekt von vornherein nicht einer gewissen Ironie. Burton, der einst von Disney direkt nach seinem Studium eingestellt wurde, machte nie ein Geheimnis darum, wie sehr ihn die Jahre als Zeichner niedlicher kleiner Tierchen beim Animationsgiganten frustriert hätten. Die während seiner Disney-Zeit entstandenen morbiden Kurzfilme „Vincent“ und eben „Frankenweenie“ verschwanden zügig im Archiv und wurden erst Jahre später erneut veröffentlicht.
Tim Burton in Höchstform: Frankenweenie ist eine Hommage an die klassischen S/W-Horrorfilme.Obwohl Burton längst seinen Frieden mit Disney geschlossen haben dürfte, wirkt eine rund 40 Millionen US-Dollar teure Stop-Motion-Version der einst als zu verstörend für das junge Zielpublikum empfundenen „Frankenweenie“-Geschichte nun nichtsdestotrotz wie eine späte Genugtuung.
Zumal der Film durch seine stilechte Schwarzweiß-Inszenierung allzu hohe Einspielergebnisse praktisch im Vorfeld ausschloss – bis heute ist Burtons einziger wirklicher Kassenflop „Ed Wood“, ein Schwarzweißfilm der Disney-Tochtergesellschaft Touchstone.

Rajko Burchardt21.01.2013 13:04
lastengine21.01.2013 12:05
Regie: Tim BurtonGenre: Horror, Komödie, AnimationFilmstart:
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