Zombies plus Robots gleich Zombots, WW2 plus Mad Scientist plus Zombots gleich „Frankenstein’s Army“. So in etwa wird sich das der holländische Regisseur Richard Raaphorst für sein Langfilmdebüt wohl gedacht haben, und als infantiles Konzept ist das ja erst einmal ganz ulkig. Doch die offenbar budgetbedingte Entscheidung, den Film im Found-Footage-Stil zu drehen, nimmt der Idee einiges an Reiz. So lautet die Rechnung am Ende leider: Viel sinnfreies Gewackel plus wenig Spannung gleich „Frankenstein’s Army“.

Body-Horror im Zweiten Weltkrieg

Um einem Hilferuf eigener Kameraden nachzugehen, macht sich eine Gruppe russischer Soldaten von der Ostfront auf den Weg zu scheinbar verlassenen Gemäuern. Die vermeintliche Rettungsmission wird von Dimitri (Alexander Mercury) mit einer 16mm-Ton-Kamera, wie sie 1944 selbst die Sowjets nicht hätten erfinden können, dokumentiert. Am Ort des Geschehens angelangt, stößt die Gruppe auf eine Vielzahl mörderischer Menschmetallkreaturen, denen es nach dem Blut der Soldaten nur so dürstet.

Frankenstein’s Army - Nazi-Zombie-Roboter! Ja, richtig gelesen: Nazi-Zombie-Roboter!!!!!

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Nazombot: Das Kreaturendesign ist vermutlich das Highlight des Films.
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Viktor (Karel Roden), ein Enkel Frankensteins, hat die ultimative Kriegswaffe geschaffen: lebende Wehrmachtstote, die mit illustren mechanischen Körpererweiterungen zu unaufhaltsamen Killermaschinen mutiert sind. Kurzum: Nazi-Zombies! Die sind ja aus dem Horrorkino seit „Shock Waves“ (kürzlich unter dem Titel „Nazi Bloodstorm“ neu aufgelegt), Jean Rollins „Zombie Lake“ oder Jess Francos „Oase der Zombies“ nicht mehr wegzudenken und feierten mit der norwegischen Splatterkomödie „Dead Snow“ sogar eine kleine Renaissance.

„Frankenstein’s Army“ ist das Nachfolgeprojekt des nie fertig gestellten Films „Worst Case Scenario“, dessen Trailer und Promo-Bootleg seit Jahren durchs Internet geistern. Dieser Film sollte die Geschichte einer erfundenen Fußballweltmeisterschaft erzählen, in deren Finale Deutschland gegen Holland verliert – und aus Rache eine Armee von Nazi-Zombies aussendet. Die Gründe für das Scheitern des seinerzeit bereits weit vorangeschrittenen Projekts variieren von finanziellen Problemen bis hin zu Streitigkeiten mit den Schauspielern, die wegen der langen Drehzeit nach und nach abgesprungen sein sollen.

Richard Raaphorst, langjähriger Conceptual Artist von Kultregisseur Brian Yuzna (der „Worst Case Scenario“ seine Stimme als Erzähler lieh), hat zahlreiche Ideen des für ihn mit Sicherheit äußerst frustrierenden Projekts nun wiederverwertet. Insbesondere das Design der Monster, für die er alle Entwürfe selbst anfertigte, diente ihm als Grundlage seines Quasi-Ersatzfilms. Und diese sind mit Liebe kreiert und sehr unterschiedlich in ihrer Ausprägung, durchaus brachial und manchmal auch ganz schön trashig. Leider jedoch kommen sie kaum zur Geltung.

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Big Daddy: ein Zombot mit einem Morgenstern auf dem Kopf.
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Durch die Found-Footage-Inszenierung gönnt „Frankenstein’s Army“ seinem Publikum leider stets nur recht flüchtige Blicke auf die ziemlich interessanten Kreaturen, deren Präsenz und aber auch Bedrohlichkeit in der üblichen Unruhe hektisch verwackelter, gewohnt unschön kadrierter Bilder versumpft. So stellt sich der in diesem Fall besonders überflüssige Stil dem Vergnügen mit den Nazi-Zombies, die statt Hände etwa Bohrer oder Hammer, statt Köpfe gar Propeller oder Schnappvorrichtungen haben, größtmöglich entgegen. Nicht zuletzt, weil ihnen so eine stimmige Atmosphäre vollkommen abgeht.

Ein Film der verschenkten Möglichkeiten. Die toll designten Nazi-Zombies trösten kaum über die schwachbrüstige Inszenierung hinweg.Fazit lesen

Sinnloses Found Footage

Weder formal noch inhaltlich hat Found Footage hier irgendeinen Sinn. Davon abgesehen, dass es vor dem zeitlichen Hintergrund der Handlung technisch nicht plausibel ist (der Aussage Dr. Frankensteins im Film, so eine Kamera habe er ja noch nie gesehen, kann man nur beipflichten), lässt sich auch lediglich mutmaßen, wie diese Aufnahmen im Breitbildformat hergestellt und zudem farblich ordentlich gegradet werden konnten. Hier wäre es vielleicht reizvoller gewesen, hätte Richard Raaphorst zumindest versucht, einen annähernd zeitgenössischen Found-Footage-Film zu drehen.

Wenn man sich schon für eine entsprechende Inszenierung entscheidet, die ja durch ihre One-Take-Struktur auch nicht ganz unkompliziert ist, sollte sie aber schon einigermaßen motiviert wirken. In „Frankenstein’s Army“ ist es bestenfalls anfänglich nachvollziehbar, warum einer der Soldaten das Geschehen aufzeichnet. Im weiteren Verlauf, wenn die Benutzung der Kamera über Leben und Tod der Figuren entscheiden kann, ergibt deren Einsatz kaum noch Sinn. Dass über dieses Hindernis bei Found-Footage-Filmen ja gern einmal hinweggesehen werden soll (oder muss), ändert daran auch nicht viel.

Frankenstein’s Army - Exklusiv auf gamona: blutiger "Propeller-Nazi"-Clip2 weitere Videos

An Stellen hingegen, bei denen der Stil wiederum gewinnbringend hätte eingesetzt werden können, drückt sich der Film vor ästhetischen Herausforderungen. So schwenkt die Kamera etwa genau dann weg, wenn Dr. Frankenstein das Skalpell ansetzt, um einem seiner Opfer das Gehirn zu entfernen, weil dies tricktechnisch andernfalls schwierig zu lösen gewesen wäre. Überhaupt ist der Film mit seiner POV-Kamera szenisch klar gegliedert (statt offen und unmittelbar), da diese natürlich stets dann hektisch schwenkt oder auf den Boden fällt, wenn es logistisch gerade am besten passt.

„Frankenstein’s Army“ wirkt deshalb auf Dauer ganz schön ermüdend, und das letzte Drittel profitiert dann auch nicht mehr von der ansatzweise unheilvollen Stimmung des Settings (gedreht wurde in einer alten Kohlenmine bei Prag). Im Finale nämlich wird deutlich, wie wenig Richard Raaphorst mit der Idee anzufangen weiß: Typisch für Found-Footage-Produktionen endet sein Film so abrupt wie er auch begann, einen zünftigen Kampf der Nazi-Zombie-Roboter gegen die nahende Rote Armee behält er sich vor. Viel zu bieten hat diese Armee von Dr. Frankenstein wahrlich nicht.