Eine gute Sache hatte „After Earth“, jener dröge Möchtegern-Blockbuster, der die (fast) makellose Superstar-Karriere von Will Smith gehörig ins Wanken brachte. Der Mann musste sich neu positionieren, am besten zu Ungunsten der ganz breiten Multiplex-Anbiederung, und dabei erneut in Erinnerung rufen, dass man Filme auch mit Charisma und Schauspielkunst gewinnen kann. Wenn „Focus“ so ankommt wie geplant, könnte Will Smith in Zukunft durchaus für die Rollen in Frage kommen, die bisher zuerst George Clooney angeboten wurden.

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Hammer und Nägel

Eine gewagte Aussage? Nein, keineswegs. „Focus“ erinnert mehr als einmal an die „Ocean's 11“-Reihe, Will Smith besitzt sehr wohl Charisma und Schauspieltalent, und genügend Selbstreflexion für eine gleichberechtige Partnerin namens Margot Robbie ist anscheinend auch vorhanden. Der fast schon zwanghafte Nummer-1-Posterboy ist hier ein entspannter Teamplayer, der auf jeden Fall anführt, aber dabei nicht alles an sich reißt. Alleine das „Wagnis“ einer starken romantischen Ader deutet darauf hin, dass hier versucht wird, dass eingefahrene „Konzept“ Will Smith etwas aufzulockern.

Focus - All in – Will Smith auf Rettungsmission Karriere

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Neonerhellte Anziehung: Nicky (Will Smith) und Jess (Margot Robbie).
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„Focus“ ist ein leichter Caper-Film, der sich vor allem darum dreht, dass schöne und schlaue Menschen andere Menschen nach allen Regeln der Kunst beklauen. Einer der Besten bei diesem Spiel ist Nicky alias Will Smith, der eher widerwillig eine aufstrebende Nachwuchsdiebin (Margot Robbie) unter seine Fittiche nimmt. Das mit der starken romantischen Ader bezieht sich vor allem auf diese beiden Personen, wobei aber nie so richtig klar wird, wo die Grenze zwischen Job und Gefühlen gezogen werden kann. Zwei Alpha-Grifter inmitten elaborierter Heist-Szenarien, bei denen sich immer wieder doppelte Böden auftun. Dass Will Smith dabei auch mal unsicher wirken darf, geht ebenfalls als Überraschung durch.

Am Anfang ist er für Jess - die Nachwuchsdiebin - zwar noch der slicke Mentor, der Sätze wie „Es gibt Hammer und Nägel - du entscheidest, was du sein möchtest“ raushaut, doch schon bald findet sich eine interessante Balance zwischen den beiden, die eben auch Schwächen und Nuancen zulässt. Will Smith und Romantik, da denkt man natürlich an „Hitch“, aber ansonsten war hier bisher nicht viel zu holen. Unter Berücksichtigung einer gewissen Grundglätte, die Stromlinien-Glamour schon einige Türen öffnet, macht er seine Sache hier ziemlich gut – gerne auch bezogen auf die zwingende physische Präsenz, die den schimmernden Chrome-Palästen, in denen der Film vorwiegend spielt, einen willkommenen Anhaltspunkt verleiht.

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Von Anfang an: an der Grenze zwischen Abzocke und Sympathie.
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Werbeglitter & Elmore Leonard

An der Oberfläche gibt sich „Focus“ wie ein glitzernder Werbespot für superschicke Hotels, Restaurants und Klamotten, und unter der Oberfläche wird zumindest versucht, dem Heist-Glitter ein paar Elmore-Leonard-Bluestöne unterzujubeln. Ohne Frage möchte der Film vorwiegend luftiger Eskapismus sein, zwangsweise einhergehend mit einer kurzen dramatischen Halbwertszeit, doch darüber hinaus ist ein deutliches Bemühen um inhaltliche Qualität zu erkennen.

Die Regisseure und Drehbuchautoren Glenn Ficarra und John Requa, bekannt vor allem durch „Crazy, Stupid, Love“, füttern ihre fluffige Brise mit einer Vielzahl an inhaltlichen Wendungen, ebenso vielen gelungenen Dialogen und eben zwei starken Hauptfiguren. Was besonders bei Margot Robbie, die dem traurigen Trend dünn geschriebener Stichwortgeberinnen komplett widerspricht, durchaus bemerkenswert ist.

Man fühlt sich durch „Focus“ gut unterhalten, auf eine angenehm stilsichere, gar nicht mal so aggressiv stylishe Weise, und ... das war es dann auch. Die Klassiker des Genres, von „Der Clou“ bis zu „Topkapi“, können allesamt beruhigt weiterschlafen, denn allzu lange bleibt das hier Gesehene wahrscheinlich nicht im Gedächtnis. Die schönen Bilder, die letztendlich doch eher glatten Charaktere, ohne wirkliche Fallhöhe, und die Abwesenheit dunkler inhaltlicher Brüche sorgen dafür, dass der Film schon in flüchtigen Multiplex-Regionen bleibt – aber dabei immerhin nicht fehl am Platz wirkt. Das erklärte Ziel lässiger Zerstreuung wird auf jeden Fall erreicht. Solange filmische Zuckerwatte so gekonnt wie hier serviert wird, kann es gerne auch mal „nur“ leichte Unterhaltung sein.