Bevor dieser Film seinem Publikum die unheilvolle Geschichte eines scheinbar verloren gegangenen Flugzeuges erzählen konnte, verschwand er zunächst einmal selbst vom Radar. Denn nachdem im Januar 2012 der viel versprechende Trailer zu „Flug 7500“ mit Hinweis auf einen baldigen Kinostart veröffentlicht wurde, war von dem Mystery-Thriller über zwei Jahre lang nichts mehr zu hören. Nun erscheint er beinahe unscheinbar auf DVD und Blu-ray.

Flug 7500 - Sie sind nicht allein - Official Trailer

Erprobtes Geisterszenario

Selbst wenn man den Film des japanischen Gruselspezialisten Takashi Shimizu, der sich mit seinen „Ju-on“- bzw. „The Grudge“-Erfolgen zu einer nicht unwesentlichen Größe des Genres mauserte, ohne Vorwissen um seine Veröffentlichungsgeschichte schaut, hinterlässt er einen merkwürdigen Eindruck. Als hätte da im Zuge des Produktionswirrwarrs ein Geist auch von ihm Besitz ergriffen – und einen rätselhaft zerstückelten Film ausgespuckt.

Flug 7500 - Sie sind nicht allein - „The Grudge“ im Flugzeug

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Ein drastischer Anstieg des Kabinendrucks kündigt die fatalen Turbulenzen an, während derer sich Brad (Ryan Kwanten, „True Blood“) als Held erweisen darf.
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In „Flug 7500“ gerät ein Passagierflugzeug auf dem Weg von Los Angeles nach Tokio in Turbulenzen und verliert anschließend jeglichen Funkkontakt. Die Reise steht bereits unter einem schlechten Stern, als der auffällige Geschäftsmann Lance Morrell (Rick Kelly) kurz nach Abflug durch einen plötzlichen Herzstillstand verstirbt. In seinem Koffer wird man später eine Shinigami-Puppe finden, die für nachfolgende Ereignisse von Bedeutung ist.

Die Flugbegleiterinnen Laura (Leslie Bibb) und Suzy (Jamie Chung) entscheiden sich, die Leiche in der geräumten Erste-Klasse-Kabine zu verstauen, um die Passagiere nicht noch mehr in Aufruhr zu versetzen. Gemeinsam mit seiner Noch-Ehefrau Pia (Amy Smart) sowie einer Handvoll anderer Fluggäste beobachtet der Sanitäter Brad (Ryan Kwanten) anschließend das Verschwinden eines jungen Mannes, ehe es bald weitere Tote gibt.

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Flugbegleiterin Laura (Leslie Bibb, „Crossing Jordan“) begibt sich auf die Suche nach einer an Bord verschwundenen Leiche. Und alsbald geht auch das Geschrei los.
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Dank eines behutsamen Aufbaus und des Verzichts auf vordergründige Schockmomente oder lautstarke In-Your-Face-Effekte, wie das gegenwärtige Horrorkino in der Regel ja allzu gern und maßlos bemüht, gelingen Shimizu einige sehr unheimliche Szenen. Er spielt mit dem hinlänglich selbst erprobten Geisterszenario seiner früheren Filme, übt sich also in Andeutungen und vergleichsweise sorgfältig eingesetzten Gruselspitzen.

Mutmaßliches Schnittnirwana

Bis zum ebenso abrupten wie twisttechnisch kaum überraschenden Finale ist „Flug 7500“ ein stimmungsvoller kleiner Schocker, auch weil er den beengten Raum (etwas, das Horrorfilmen grundsätzlich gut steht) und das überschaubare Figurenarsenal effektiv in seine unzuverlässige Erzählung einbezieht. Doch erscheint der Schlussteil derart übereilt (und dramaturgisch konfus), dass es wirkt, als sei neben einigen Charakteren auch gleich ein ganzer Akt des Films verloren gegangen.

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Derlei Bildverzerrungen verweisen bereits auf die Auflösung des Films. Rechts zu sehen: Die mal ziemlich gut beschäftigte Amy Smart („Crank“).
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Glaubt man der – ursprünglich – mit 97 Minuten angegebenen Laufzeit der IMDb, fehlen in der nun mit zwei Jahren Verspätung nachgereichten Fassung tatsächlich 20 Minuten. Dies würde dann auch einige überaus auffällige Unstimmigkeiten innerhalb des Handlungsverlaufes sowie mach irritierenden tonalen Wechsel erklären. Nach etwa zwei Dritteln fällt der Film nicht nur merklich auseinander, sondern lässt auch ganze Figuren und Erzählstränge unkommentiert aus seiner Geschichte purzeln.

So geht es in der kriselnden Liebe zwischen Ryan Kwanten und Amy Smart zu Beginn des Fluges vor allem darum, dass sie ihren zwei mitreisenden Freunden lediglich einen Gefallen tun wollen. Obwohl die vierköpfige Gruppe gemeinsam eingeführt wird (und auch in der gleichen Kabine Platz nimmt), verschwinden sie nach Beginn des Films sang- und klanglos von der Bildfläche. Und es sind nicht die einzigen Figuren, die offenbar dem Schnitt zum Opfer fielen.

Flug 7500 - Sie sind nicht allein - Bilder aus dem Flugzeug-Thriller

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Auffällig ist zudem, wie „Flug 7500“ seine ausgewählten Protagonisten viel über deren Liebesleben erzählen lässt – es geht um eine Affäre zwischen Flugbegleiterin und Pilot, um ein frisch verheiratetes Paar, um die erwähnte Trennung der beiden Hauptfiguren usw. –, und das alles als einen Entwurf über Vergänglichkeit verstanden wissen möchte. Das Shinigami-Motiv nimmt dabei schließlich Bezug auf den Seelenhort verstorbener Menschen zwischen Leben und Tod.

Durchaus unheimlicher Film, der aber leider auch spürbar das Resultat einer komplizierten Produktions- und Veröffentlichungsgeschichte ist.Fazit lesen

Diese Ansätze verlieren sich jedoch ebenfalls im mutmaßlichen Schnittnirwana, und ein dran gepappter Last Scare gleicht beinahe einer Verzweiflungstat. Damit kommt „Flug 7500“ trotz ansprechender Details und kompetent gemachter Momente, die vor allem auf Takashi Shimizus inszenatorisches Gespür für Schauerlichkeiten verweisen, nicht über eine bestenfalls solide und auf Spielfilmlänge gebrachte Folge „Twilight Zone“ hinaus.