Es gibt Geschichten, da erwartet man keine Fortsetzung. Mehr noch, man hat das Gefühl, dass es gar keine geben kann, weil alles gesagt und getan ist und ein erneuter Besuch in dieser Welt das Vorangegangene entweihen würde. Chuck Palahniuks „Fight Club“ ist so eine Geschichte, die von David Fincher genial filmisch umgesetzt wurde.

Fight Club - Offizieller Trailer

Als der Comic-Verlag Dark Horse in den USA dann bekannt gab, dass Palahniuk selbst eine Fortsetzung zu seinem Roman machen würde, diese aber in Comic-Form erscheinen würde, da war das ein Coup. Eine Überraschung sondersgleichen, die funktioniert, weil es Palahniuk selbst ist. Ein Sequel von jedem anderen wäre ein Sakrileg gewesen, von Tyler Durdens Schöpfer selbst ist es jedoch hoch interessant.

Zehn Hefte hatte Palahniuk, um sich auszubreiten. In Deutschland erscheint das Werk in zwei Bänden. Der erste Band von „Fight Club 2“ ist dieser Tage beim Splitter Verlag in einer formvollendeten Hardcover-Ausgabe erschienen.

Tyler war nie weg

Zehn Jahre sind vergangen, seit Tyler Durden für Aufruhr gesorgt hat. Seit sein Fight Club die Keimzelle einer anarchistischen Bewegung gewesen ist. Dann verschwand Tyler, ersetzt durch Sebastian. Wenn man das so nennen will. Denn am Anfang war immer Sebastian. Erst seine Schizophrenie gebar Tyler, aber mittlerweile nimmt er Medikamente, hat einen (fast) normalen Job für eine Söldner-Agentur, hat eine Frau und einen Sohn. Die Normalität eben, die sich irgendwie jeder erträumt, nur nicht Tyler Durden.

Fight Club 2 - Brechen wir die erste Regel – sprechen wir über Fight Club

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Fight Club 2.
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Aber Tyler lebt. Immer dann, wenn Sebastian zur Therapie geht und hypnotisiert wird, erwacht Tyler. Drei mal 50 Minuten pro Woche – das reicht dem charismatischen Mann, um die Welt an den Rand des Abgrunds zu führen. Und nun reckt er sein Haupt noch häufiger, denn Marla wünscht sich den Mann zurück, in den sie sich verliebt hat. Aber wie hätte sie ahnen können, dass Tyler nicht davor zurückschreckt, ihren Sohn zu entführen? Und was kann Sebastian tun, um Tyler Einhalt zu gebieten?

Ein geniales Werk

Vielleicht braucht es einen Autor, der mit den Mechanismen des Mediums Comic nicht vertraut ist, um dessen Grenzen auzuloten. Auf jeden Fall hat Palahniuk eine Erzählweise gefunden, die abseits üblicher Konventionen steht, wobei er sich immer auf seinen Zeichner Cameron Stewart verlassen konnte, der auch die wildesten Ideen des Autors visuell umzusetzen verstand.

Packshot zu Fight ClubFight Club

Beide brechen die Begrenzungen der Panels auf, und das auf eine Art, wie man es nur selten sieht. Indem eine Ebene erschaffen wird, die den Eindruck erweckt, als würde eine Folie mit anderen Bildern über den eigentlichen Comic-Seiten liegen. Es gibt Seiten, da ist jedes Gesicht durch eine Tablette ersetzt, da sind Geräuschworte, die über Sprechblasen liegen und sie verdecken. Und dann gibt es die Seite, die eigentlich zeigen soll, wie Tyler jemandem das Gesicht einschlägt, aber darüber liegt nur das blutige Siegel des Comics Code, das 1954 eingeführt worden ist und Comics als unbedenklich für Kinder auswies.

Inhaltlich auf der Höhe

„Fight Club 2“ überzeugt aber nicht nur, weil die visuellen Ideen so faszinierend sind, sondern weil die Geschichte selbst so vielschichtig gestaltet ist. Der Perspektivenwechsel zwischen Tyler und Sebastian ist gelungen, die Geschichte selbst ist wie ein Mosaik, das aus Steinchen des Originals (Stichwort: Engelsgesicht), vor allem aber aus einem bissigen Kommentar auf unsere heutige Welt besteht.

Tyler Durden als anarchistischer Terrorist ist ein Relikt der Vergangenheit, das in der Gegenwart wieder relevant wird. Palahniuk, der sich selbst – ganz meta – zum winzigkleinen Teil der Geschichte macht – lässt ihn auf den Terror der Neuzeit stoßen, ihn sogar bekämpfen und konterkarieren. In der Welt von Tyler Durden gibt es keinen Platz für religiös-ideologische Grabenkämpfe, es gibt nur seine Sicht auf die Welt.

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Fazit

Gesamtheitlich lässt sich „Fight Club 2“ erst bewerten, wenn man auch den abschließenden zweiten Teil gelesen hat, der nächstes Jahr erscheinen wird. Schon mit den ersten 140 Seiten sprengt Palahniuk aber alle Erwartungen, nicht unähnlich Tyler Durden, der am Ende von „Fight Club“ auch eine Welt kollabieren lässt.

Ein großer Comic, eine große Geschichte, aber noch nicht das Ende, denn jüngst haben Dark Horse und Chuck Palahniuk bekannt gegeben, dass der Autor auch einen dritten Teil schreiben wird. Der Faszination von Tyler Durden kann sich auch Palahniuk nicht entziehen.

08/10