Schon im Ticketvorverkauf hat „Fifty Shades of Grey“ weltweit Rekorde gebrochen. Und zumindest als Idee hat das ja was: Ein BDSM-Blockbuster, für den hunderttausende Zuschauer mit Schaum vor dem Mund die Multiplexe stürmen; ein Date Movie zum Valentinstag, dessen Aussicht auf vermeintlichen Kinky Sex große Erwartungen schürt. Leider ist die Bestellerverfilmung jedoch so schamhaft, dass man nur verlegen über sie kichern kann.

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„Phänomen“

Über den literarischen Unwert der Vorlage dürfte weitgehend Einigkeit bestehen. Obwohl es sich bei ihr um kaum mehr als bescheiden verfasste Erotikprosa auf Fan-Fiction-Niveau handelt, ist aus der ursprünglich als Spin-off zur „Twilight“-Serie konzipierten Geschichte der Hobbyschriftstellerin E. L. James ein Milliardengeschäft erwachsen. Je hartnäckiger „Fifty Shades of Grey“ zum „Hausfrauenporno“ degradiert wurde, desto mehr schien die Romantrilogie an Popularität zu gewinnen.

Fifty Shades of Grey - Zuckerbrot und Peitsche

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Kam fürs Interview, blieb zum Sex: Anastasia (Dakota Johnson) verfällt einem steinreichen Superlangweiler und möchte nun endlich dessen Schmerzensraum sehen.
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Ideologisch wurde der Stoff dabei recht willkürlich ausgelegt: Die Beschäftigung mit der Liebes- beziehungsweise Antiliebesgeschichte zwischen schüchterner Studentin und wahnhaftem Tycoon produzierte eine Bandbreite widersprüchlicher Reaktionen – sexistische Kackscheiße vs. emanzipatorische Erzählung, Vergewaltigungsfantasie vs. Befreiungsschlag. Und wenn an „Fifty Shades of Grey“ etwas besonders nervte, war es dieses unentspannte Meinunghabenmüssen zum „Phänomen“.

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Was also eigentlich verzichtbar genug scheint, ist nun zum lästigen Kinoereignis geronnen. Der Film zeigt sich erwartungsgemäß uninteressiert an den Kontexten seiner Rezeption. Allenfalls in der biederen Bebilderung der Vorlage – seiner Verweigerung also, aus dem einfältigen Buch mehr zu machen als nur einen einfältigen Film – steckt so etwas wie ein Kommentar: Dass er nämlich nicht bereit ist, sich und damit das eigene Hype-Produkt überhaupt zu kommentieren.

Fifty Shades of Grey - Zuckerbrot und Peitsche

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Anders als die anderen, sagt er jedenfalls: Der dominante Christian Grey (Jamie Dornan) hat außer- wie innerhalb des Schlafzimmers einen „sehr speziellen Geschmack“.
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Diese Nonchalance könnte interessant sein, wenn sie nicht so langweilig wäre. Die erste von zwei zähen Stunden „Fifty Shades of Grey“ missversteht das bereits zum Submissionsspiel dazugehörige Sexvorlieben-Teasing von Christian Grey (angestrengt: Jamie Dornan) als Erwartungshaltung und schiebt seine Enthüllungen auf die extralange Streckbank. Ein Warten aufs große Nichts übrigens, bei dem die Wehleidigkeit der schon ganz gespannten Anastasia (niedlich: Dakota Johnson) zur doppelten Geduldsprobe wird.

Viel Lärm um nichts

Buch und Film haben sich darauf geeinigt, ihrer Protagonistin nicht zu geben, was sie will. Zuerst muss die Studentin Christians Absage an jedwede Form romantischer Zweisamkeit verdauen, obwohl sie sich nach einer ganz normalen Beziehung sehnt. Und dann soll sie über Grenzen jener sadomasochistischen Lust verhandeln, die ihr geliebter Stalker als „sehr speziellen Geschmack“ verstanden wissen möchte – obwohl das bisschen Fesseln und Peitschen längst normierter Schlafzimmeralltag ist.

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Spanking für die Liebe: Im Red Room of Pain sollte die Post abgehen, stattdessen aber gibt es Reklameästhetik und verhaltene Montagen zu Popsongs. Ein echtes „Phänomen“.
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Gegenüber der ohnehin spröden Vorlage, die BDSM aus sicherer Distanz und demzufolge als etwas ganz Außergewöhnliches beschrieb, stutzt die Kinoversion entsprechend pikante Details auf Jugendfreigabe zurecht. Ob nun kuschelig oder kinky, die Sexszenen des Films wirken so schal wie Christians Greys neoliberal-mondän eingerichtetes Apartment. Reklameartiges Softcore-Vögeln und ein paar gemächliche Hiebe, das war’s schon mit dem Aufsehen.

Langweilig ist das alles vor allem deshalb, weil der Film mit diesen beiden Figuren genauso öde verfährt wie das Buch. Anastasia trägt ihr Duckmäusertum demonstrativ vor sich her und darf den geheimnisvollen Christian bestenfalls ansatzweise entzaubern (damit noch was für die Fortsetzungen übrig bleibt). Ihm wiederum wird ein Kindheitstrauma angedichtet, das seine Vorlieben nicht nur erklären, sondern offenbar auch entschuldigen soll. Alles muss eben schön im Zaum gehalten werden.

Fifty Shades of Grey - BDSM im Kino gab’s nicht erst mit Fifty Shades of Grey

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Bezeichnenderweise ruft „Fifty Shades of Grey“ die Herkunft des Stoffes gerade dort auf, wo es doch eigentlich nicht um hemmungsloses Schmachten, sondern eben ans Eingemachte gehen soll. Anastasias Unsicher- und bald auch permanente Verwirrtheit ist kein Gegenstück zum weihleidig-unzufriedenen Bella-Begehren in den „Twilight“-Filmen, sie ist deren triste Weiterentwicklung: Nun wird zwar kräftig entjungfert, aber trotzdem irgendwie unglücklich geliebt.

Der einzige Tabubruch dieses Films ist seine obszöne Langeweile. Fifty Shades of Nothing, mehr nicht.Fazit lesen

Man kann also sicherlich diskutieren, ob die weibliche Perspektivisierung der Geschichte das Machtgefälle von Anastasia und Christian tatsächlich abschwächt (auch außerhalb des bombastisch angekündigten, aber recht popeligen Red Room of Pain ist der Milliardär Christian eine viel autonomere, erst recht privilegierte Figur), oder ob es sich wirklich um eine im Kern chauvinistische Idee handelt. Letztlich aber nehmen sich die Figuren beide nichts, sie bleiben nämlich gleichsam uninteressant.