Es war ein Schock, nicht nur für Paul Walkers Familie und Freunde, sondern auch für die Öffentlichkeit. Jung zu sterben ist eine Tragödie, wegen des Potenzials, das verloren ist, wegen der Zukunft, die nimmermehr Form annehmen wird.

Am 30. November 2013 starb Paul Walker an den verheerenden Folgen eines schweren Autounfalls. Er wurde mitten aus dem Leben gerissen, weit vor seiner Zeit, und er erinnerte die Menschen weltweit daran, dass niemand die Garantie auf ein langes, glückliches Leben hat. Es kann jederzeit vorbei sein, weswegen man aus der Zeit, die einem bleibt, das Bestmögliche machen muss.

Paul Walker hat immer versucht, das Bestmögliche aus seinem Leben zu machen.

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Als Kind zur Schauspielerei

Paul William Walker IV wurde am 12. September 1973 in Glendale, Kalifornien, geboren. Seine Mutter Cheryl arbeitete als Model, während sein Vater Paul William Walker III als Boxer erfolgreich war und damit auch in die Fußstapfen seines eigenen Vaters getreten ist.

Walker war das älteste von fünf Kindern und wuchs in Los Angeles auf. Er besuchte die High School im San Fernando Valley und machte dort im Jahr 1991 seinen Abschluss. Nach der High School besuchte er verschiedene Colleges in Südkalifornien und studierte Meeresbiologie.

Das war aber letztlich nicht das, was er wirklich mit seinem Leben anfangen wollte. Schon als Baby war er vor der Kamera - in einem Werbespot für den Windelhersteller Pampers. Im Alter von zwölf Jahren begann er dann auch mit der Schauspielerei.

Sein Debüt gab Walker in einer Folge von „Ein Engel auf Erden“, in zwei weiteren spielte er später noch eine andere Rolle. Das Filmdebüt folgte 1986 mit einem Streifen, den wohl nur die wenigsten gerne ins Oeuvre aufnehmen würden: „Überfall im Wandschrank“. Diese Parodie auf die Monsterfilme der 50er Jahre wurde von Troma auf den Markt gebracht. Walkers Rolle ist klein, aber jeder muss mal irgendwo anfangen.

Der nächste Film aus dem Jahr 1987 war auch nicht gerade ein Meisterwerk moderner Filmkunst: „Programmed to Kill“ ist ein B-Film um einen Killer-Cyborg, in dem Robert Ginty die Hauptrolle spielt.

Von 1986 bis 1987 spielte Walker in der Sitcom „Throb“ mit, die über eine Staffel jedoch nicht hinauskam. Das Thema eines Musikunternehmens, das von einem jungen Manager geleitet wird, der sich nach Talenten umsieht, interessierte zu wenige Zuschauer.

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Gastauftritte in „Charles in Charge“ und „Wer ist hier der Boss?“ folgten. Außerdem war er im Pilotfilm von „The Boys are Back“ dabei, der aber nicht zur Serie weiterentwickelt wurde.

Jetzt geht‘s los

Von 1994 bis 1998 war Walker kaum beschäftigt. Ein paar Jobs hier und da gab es schon, aber es dauerte bis zu „Deedles – Die Surfer mit dem Brett vorm Kopf“, dass er einem größeren Publikum auffiel. Die irre Komödie war recht erfolgreich und sorgte dafür, dass er zu weiteren Vorsprechen eingeladen wurde. In fünf weiteren Filmen war Walker bis 2000 zu sehen, die Rollen wurden dabei zusehends größer.

In „Pleasantville“ (1998) war Walker einer der Bewohner der Schwarzweiß-Idylle, während er im Football-Drama „Varsity Blues“ (1999) einen der Spieler darstellte. In der Teenie-Romcom „Eine wie keine“ (1999) war er dann der unsympathische Jock, während er in „Brokedown Palace“ (1999) nur einen kleinen Gastauftritt absolviert.

Erfolgreich war Walker mit dem Verschwörungsfilm „The Skulls – Alle Macht der Welt“ (2000). Fortsetzungen gab es dazu auch, aber an denen hatte Walker kein Interesse, weil sie auch deutlich kleiner als das Original waren.

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Schnell und wild

Walker hatte schon gute Rollen gespielt und war einigen aufgefallen, aber die eine große Rolle, der Film, der ihn letzten Endes zünden sollte, kam erst im Jahr 2001. „The Fast and the Furious“ war einer der großen Erfolge des Jahres und überraschte damit einige. Walker spielt Brian O‘Conner, einen Undercover-Polizisten, der im Umfeld illegaler Straßenrennen ermittelt. Nicht nur Vin Diesel, auch Paul Walker wurde durch diesen Film zum Star. Die Rollen, die er fortan spielte, fanden sich in weitaus größeren Filmen.

Im selben Jahr war Walker im Thriller „Joyride – Spritztour“ (2001) zu sehen, in dem er und ein paar Freunde von einem irren LKW-Fahrer namens Rusty Nails gejagt werden. Der Film war einigermaßen problematisch, das Ende missfiel dem Testpublikum, weswegen man die letzten 30 Minuten gänzlich neu drehte. Das ursprüngliche Material gibt es auch auf DVD, weswegen man heute gut vergleichen und selbst entscheiden kann, welche Version besser ist.

Zwei Jahre später folgte die Rückkehr zu seinem Erfolgsfilm. „2 Fast 2 Furious“ (2003) ist insofern eine ungewöhnliche Fortsetzung, weil Vin Diesel fehlt. Im Mittelpunkt steht erneut Brian, während für Diesels Rolle Ersatz gefunden werden musste. Man brachte Tyreese Gibson in den Mix ein – seitdem ist er auch ein nicht wegzudenkender Teil des Franchise.

Auch dieser zweite Teil war erfolgreich, im dritten war Walker aber nicht zu sehen. Die Produzenten wollten es günstiger und so kam es, dass ein dritter Teil produziert wurde, der mit der restlichen Reihe wenig zu tun hat und erst mit dem Ende des sechsten Teils richtig in die Serie integriert worden ist.

Stattdessen suchte Walker mit seinem neuen Status als Leading Man nach Produktionen, in denen er glänzen und die ihn voranbringen könnten.

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Zwischenjahre

Bei der Wahl seiner Filme bewies Walker nicht unbedingt ein glückliches Händchen. In der Theorie ist die Michael-Crichton-Verfilmung „Timeline“ (2003) sicherlich eine gute Idee gewesen, die halbgare Umsetzung sorgte aber dafür, dass der Film kaum Wellen schlug. Vielleicht war es auch das Thema, das niemanden interessierte. Ein Hit war dieser Film um ein Forscherteam, das in die Vergangenheit aufbricht, aber nicht.

Schön, aber unauffällig war „Noel – Engel in Manhattan“ (2004), ein Weihnachtsfilm, der von mehreren Menschen berichtet, deren Leben miteinander verwoben sind. Walker konnte hier aus seinem üblichen Schauspielmuster ausbrechen. Er war mal nicht der Actionheld, sondern durfte echtes Gefühl zeigen.

Rein oberflächlich war hingegen „Into the Blue“ (2005), ein Abenteuerfilm, bei dem sich Walker mit Jessica Alba ein Wettrennen lieferte, wer inmitten von Sonne und blauem Meer am Schönsten aussehen kann. Das Rennen verlief unentschieden, beide machten eine gute Figur.

In gleich drei Filmen war Walker im Jahr 2006 zu sehen. Frank Marshalls „Antarctica – Gefangen im Eis“ (2006) zeigt zwei Polarforscher, die ums Überleben kämpfen. Der Film hatte ein erfolgreiches Startwochenende von 20 Millionen Dollar und zeigte Walker in einer etwas ungewöhnlicheren Rolle.

Sich selbst spielte er in „Running Scared“ (2006). So bezeichnete es zumindest Regisseur Wayne Kramer, der meinte, Walker ähnele seiner Figur in dem Actionfilm. Kurios, spielt er doch einen kleinen Ganoven, der Knarren verschwinden lassen soll, was schiefgeht und in einer Nacht der Gewalt endet. Es ist ein düsterer, gewalttätiger Film, in dem Walker nicht sein Sunnyboy-Image kultivierte, sondern sich ganz und gar der Vision seines Regisseurs hingab.

Eine kleinere Rolle spielte Walker in Clint Eastwoods Kriegsfilm „The Flags of our Fathers“ (2006). Eigentlich war er die Art Star, die größere Rollen spielt, aber für die Gelegenheit, mit Eastwood zu arbeiten, nahm er auch eine kleinere Rolle an.

Im Jahr 2007 war Walker in „Kill Bobby Z – Ein Deal um Leben und Tod“ zu sehen, in dem Walker als Häftling das Angebot bekommt, Bobby Z darzustellen. Ein gefährliches Unterfangen, aber die Freiheit winkt. Eigentlich sollte der Film von Warner veröffentlicht werden, Testvorführungen waren jedoch negativ, weswegen der Verleih abwinkte. Sony übernahm, brachte den Film aber nur direkt auf DVD auf den Markt.

Danach war Walker in dem Episodenfilm „American Breakdown – Lebe und lerne“ (2007) zu sehen, bevor er sich an den Independent-Streifen „Das Lazarus Projekt“ (2008) machte. Mit solchen Filmen hat man keine großen Hits, aber der Streifen um einen ehemaligen Kriminellen, der sich in der Psychiatrie wiederfindet, während nichts so ist, wie es scheint.

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Rückkehr zu den schnellen Autos

2009 folgte dann die Rückkehr hinters Steuer. Sowohl Vin Diesel als auch Paul Walker spielten erneut ihre Rollen in „Fast & Furious – Neues Modell, Originalteile“. Der deutsche Titel trägt selbstironisch dem Umstand Rechnung, dass man bei der Reihe zu alten Tugenden zurückkehrt. Der Film war immens erfolgreich und belebte die Reihe neu. Im Zweijahrestakt folgten fortan weitere Filme.

Direkt nach diesem Film war Walker in einem anderen Genre zu sehen. „Takers – The Final Job“ (2010) ist ein Heist-Movie, das etwas zu clever sein will und am Ende unter der Last der eigenen Ideen zusammenbricht.

Im Jahr 2011 ging es dann mit „Fast & Furious Five“ weiter, in dem mit Dwayne „The Rock“ Johnson ein Neuzugang zu verbuchen war. Er ist hier noch der Antagonist für Dom und Brian, das sollte sich aber schon mit dem sechsten Film ändern. Der sechste Teil folgte im Jahr 2013. „Fast & Furious 6“ drehte in Sachen Action noch mal auf, zeigte aber auch, wie überladen diese Filme mittlerweile eigentlich sind, denn es sind so viele Hauptfiguren, die hier jongliert werden müssen, dass man den einzelnen kaum noch gerecht werden kann.

Im selben Jahr war Walker auch in „Vehicle 19“ (2013) zu sehen, bei dessen Titel man meinen könnte, es würde sich um einen Klon seiner Erfolgsreihe handeln.

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Aber weit gefehlt. Denn hauptsächlich spielt der Film im Innenraum eines einzigen Autos. Das wird aber spannend umgesetzt und lebt auch vom gehetzten Spiel des Hauptdarstellers.

Wayne Kramer, der schon bei „Running Scared“ von Walker schwärmte, holte ihn auch für sein Ensemblestück „Gangster Chronicles (2013), in dem verschiedene Geschichten miteinander kombiniert werden. Walker spielt nur eine Nebenrolle, ist als dreckiger Hinterwäldler kaum zu erkennen und richtig cool.

Der rasende Tod

Die Dreharbeiten von „Fast & Furious 7“ (2015) hatten vor wenigen Wochen begonnen. Walker spielte erneut eine der Hauptrollen, doch dann schlug das Schicksal zu.

Am 30. November 2013 verstarb Walker in einem grauenhaften Unfall. Er war nicht der Fahrer des Porsches, der in einen Betonpfeiler raste. Am Steuer saß Walkers Freund Roger Rodas. Wie sich später herausstellte, war der Grund für den Unfall überhöhte Geschwindigkeit. 70 Km/h waren erlaubt, Rodas fuhr aber zwischen 130 und 150 Km/h und verlor die Kontrolle über den Wagen.

Beide Männer starben noch im Auto an den schweren Verletzungen des Aufpralls, aber auch an dem im Cockpit des Wagens ausgebrochenen Feuers. Die Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, als sie geborgen worden waren.

Universal stoppte die Produktion von „Fast & Furious 7“. Man überlegte, ob man sie ganz einstellen sollte, wollte aber zuerst mit Walkers Familie sprechen. Diese ermunterte das Studio, dass Walker es gewollt hätte, wenn der Film fertig gestellt würde.

Das erwies sich als schwierig, aber die Dreharbeiten wurden wieder aufgenommen, nachdem man das Drehbuch angepasst hatte. Brian O‘Conner wird in diesem Film seinen Abschied nehmen, nicht durch den Tod, sondern weil er mit seiner Familie zusammen sein will.

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Für die Dreharbeiten standen Walkers Brüder Caleb und Cody als Körperdoubles zur Verfügung, während auch mit CGI gearbeitet wurde, um die letzten Szenen mit Walker zum Abschluss bringen zu können. Der Starttermin des Films, der für 2014 anvisiert worden war, musste geändert werden. 2015 gibt es dann die Abschiedsvorstellung von Paul Walker zu sehen.

Posthume Filme

Nach seinem Tod war Walker noch im Kino präsent. Im Dezember 2013 startete „Hours – Wettlauf gegen die Zeit“, ein Thriller, der zu Zeiten des Hurricans Katrina spielt und zeigt, wie ein Mann um das Leben seiner Tochter kämpft. Erst dieses Jahr war „Brick Mansions“ (2014) zu sehen, ein Remake des französischen „Ghetto Gangz“. Im Anschluss hätte er Agent 47 in der Neuauflage von „Hitman“ spielen sollen, aber Walker verstarb, bevor die Produktion begann.

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Der Privatmann

Walker lebte nicht in Los Angeles, sondern in Santa Barbara. Seine Tochter lebte bei ihm, nachdem sie die ersten 13 Jahre bei ihrer Mutter in Hawaii verbracht hatte.

Walker hatte einen braunen Gürtel in brasilianischem Jiu-Jitsu und erhielt posthum auch den schwarzen Gurt. Zeit seines Lebens interessierte er sich für Meeresbiologie und erfüllte sich einen Traum, als er in einer Sendung des National Geographic Channels mitspielte. In „Shark Men“ ist er Teil einer Crew, die elf Tage auf See ist, große weiße Haie fängt und sie mit einem Sender ausstattet.

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Walker war ein Mensch, der sich für soziale Zwecke einsetzte, und zwar nicht nur mit Geld, sondern auch persönlich. Im März 2010 reiste er nach Chile, um dort den Menschen zu helfen, die bei einem Erdbeben der Stärke 8,8 verletzt worden waren. Mit seiner eigenen Organisation Reach Out Worldwide ging er 2010 auch nach Haiti, um den Menschen dort zu helfen, nachdem ein Erdbeben extreme Zerstörungen angerichtet hatte.

Walker war ein Autonarr. Er liebte es, schnell zu fahren und hat auch an verschiedenen Rennen teilgenommen. Sowohl mit Tyreese Gibson als auch mit Vin Diesel verband ihn eine enge Freundschaft. Diesel nannte ihn seinen Bruder. Als Walker starb, war auch Diesel schwer getroffen und versucht, die Produktion von „Fast & Furious 7“ganz einzustellen. Aber Walkers Familie überzeugte ihn, dass er nicht gewollt hätte, dass dieses Abenteuer, das Diesel und er vor so vielen Jahren begonnen hatten, nun so enden würde. Am 2. April 2015 startet der Film. Er wird Paul Walker das Happy End bescheren, das ihm das echte Leben vorenthalten hat.