Schöne Autos, schöne Frauen, schön doof. Das versprach und hielt die qualitativ eher unbeständige „Fast & Furious“-Serie über mindestens vier nicht gerade einheitliche Filme hinweg. Mit dem fünften Auto-Abenteuer aber nahm das Sprit- und Testosteron-Franchise endlich jene geschlossene Form an, die nun auch „Fast & Furious 6“ konsequent fortsetzt. Ein Actionfest ohne Sinn, aber mit viel Spaß.

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Alle Straßen enden hier

Die Entscheidung der Produzenten, den ja doch eher beschränkten Stoff von illegalen Autorennen und halbgarem Loyalitätsgerangel auf ein Ensemblestück in der Tradition klassischer Caper-Movies zu erweitern, verlieh „Fast & Furious 5“ eine enorme Frische. Nicht nur schlug er damit eine abwechslungsreichere, auch spannungsorientierte Richtung ein, sondern führte souverän die Figuren und Handlungselemente der Vorgänger zusammen.

Fast and Furious 6 - Schwachsinn hoch unendlich, aber eine Riesen-Gaudi

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Die drei von der Tankstelle: Dwayne Johnson, Vin Diesel und Paul Walker.
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Der fünfte Film erinnerte dadurch an vergnügliche Gangster- und Bankräuber-Hits wie „The Italian Job“ (für dessen Fortsetzung das Script angeblich auch einmal vorgesehen war) und konnte sowohl mit seiner deutlich publikumswirksameren Neuausrichtung, als auch „Franchise-Viagra“ Dwayne Johnson ein über alle Maßen erfolgreiches Kinoeinspiel hinlegen. Mit knapp 630 Millionen US-Dollar nahm „Fast & Furious 5“ mehr ein als die ersten drei Teile zusammen.

Folglich vertraut die Serie nun auch weiterhin auf das geöffnete Konzept, Film Nummer 6 knüpft unmittelbar an den Vorgänger an. Die Millionendiebe gehen seit dem spektakulären Tresorraub in Rio vorerst wieder getrennte Wege und hauen ihr ergaunertes Geld großzügig auf den Kopf. Ex-Cop Brian (Paul Walker) und Mia (Jordana Brewster) behüten nun den zuvor angekündigten Nachwuchs, während Dom Toretto (Vin Diesel) eine Beziehung mit der Polizistin Elena (Elsa Pataky) eingegangen ist.

Aber da war ja noch etwas, am Ende des Vorgängers. Ein brandaktuelles Foto von Letty (Michelle Rodriguez), der eigentlich mausetoten Freundin des muskelbepackten Dom. Und dieses Foto ruft abermals Agent Luke Hobbs (Dwayne Johnson) auf den Plan, der die Fähigkeiten der gaunerischen Auto-Cracks um Dom und Brian ganz eigennützig für die Jagd nach einer hochprofessionellen Gangsterbande benötigt. Deren Oberhaupt Owen Shaw (Luke Evans) scheint eine Art unaufhaltbarer Superbösewicht.

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Darf endlich wieder enge Shirts tragen: Michelle Rodriguez.
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Ein weiteres Mal also werden Roman (Tyrese Gibson), Tej (Ludacris), Han (Sung Kang) und Gisele (Gal Gadot) zusammengetrommelt. Gemeinsam mit Dom und Brian müssen sie nun sowohl Letty aufspüren, als auch der Terrorbande in London das Handwerk legen. Hobbs hat ihnen dafür im Gegenzug Straffreiheit garantiert, eine Rückkehr in die USA wäre für die sympathische Gaunercombo also endlich wieder möglich. Denn: „Alle Straßen enden hier“, wie es die nicht ganz so glücklich übersetzte Poster-Tagline verlauten lässt.

Das Warten auf den nächsten Rumms

Die Dynamiken innerhalb der Gruppe haben nunmehr ein durchaus amüsantes, wenn auch nicht immer freiwillig komisches Eigenleben entwickelt. Relativ ungelenke One-Liner, Doof-Jokes und Markigkeitsgeplänkel gehören da genauso hin wie die weitgehend hohle Familiensülze. Das minutenlange Runterrattern banalen Autowissens ist selbstredend genauso Stulle wie das verschleiert verbale Ringen um den längsten Schwanz, aber das sind die Wahrzeichen der Serie. Und man will sie auch nicht missen.

Das Warten auf den nächsten Rumms zögert allerdings auch „Fast & Furious 6“ ähnlich heraus wie der Vorgänger, 130 Minuten Laufzeit sind natürlich grandios überveranschlagt. Aber wenn es dann kracht, kracht es richtig. Die drei zentralen Action-Abschnitte setzen die kompetent inszenierte Zerstörungslust des fünften Teils angemessen fort. Wieder verpflichteten die Produzenten dabei Second Unit Director und Stunt Coordiniator Spiro Razatos für das saftige Rambazamba.

Hohle Sprüche und saftige Action – Schwachsinn hoch unendlich, aber geradezu bestechend vergnüglich. Teil 7, bitte jetzt!Fazit lesen

Die volle Breitseite besorgen Verfolgungsjagden, Panzer-Action, Autocrashs, Shoot-outs und – Dank der Verpflichtung der MMA-Kämpferin Gina Carano („Haywire“) und des indonesischen „The Raid“-Stars Joe Taslim – erstmals auch ausgedehnte Zweikämpfe. Taslim bleibt zwar leider unterfordert, Carano aber darf sich mit Michelle Rodriguez einen ziemlich eindrucksvollen Bitchfight liefern. Lettys Rückkehr ins Team ist überdies eine der Stärken des Films – herrlich steinernes Mimenspiel inklusive.

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Hat das mit der Augenbraue drauf: Dwayne Johnson.
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Ein Wiedersehen gibt es darüber hinaus auch mit Braga (John Ortiz) und Stasiak (Shea Whigham) aus „Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile“ (noch immer einer der dämlichsten deutschen Titel aller Zeiten), obgleich dieser Nebenstrang so überflüssig ist wie die meisten der allzu gestreckten Handlungsmomente. Aber auch der sechste Film lässt nichts unversucht, um der Serie endlich eine gewisse Kontinuität zu verleihen.

Sollte es dem nächsten, bereits vorbereiteten F&F-Teil gelingen, das Maß an digital getrickster Action und Story-Leerlauf zu drosseln, könnten sich die herrlich depperten Krawalljungs tatsächlich in jene Liga spielen, die etwa den Expendables bislang vorenthalten blieb. Die traditionelle Abspannsequenz kündigt für „Fast & Furious 7“ zumindest einen Bösewicht maximaler Vorfreude an. Inszenieren wird den allerdings nicht mehr Justin Lin, Regisseur der letzten vier Filme, sondern „Saw“-Vater James Wan.