In Deutschland gehört Til Schweiger spätestens seit seinem Megahit "Der bewegte Mann" zur absoluten Schauspiel-Elite. Vergangenes Jahr feierte er zudem mit "Keinohrhasen" große Erfolge als Regisseur. Nur in den USA konnte er bisher nie so recht Fuß fassen - zuletzt floppte etwa der ambitionierte Thriller "One Way" an den Kinokassen.

Mit "Far Cry", der Verfilmung des hochgelobten Videospiels aus dem Hause Crytek, soll sich dies nun ändern. Wir trafen Til Schweiger in Berlin und haben mit ihm über Uwe Boll, Regiepläne und Tabus gesprochen.

Far Cry - Trailer

gamona: Immer wieder geraten gewalttätige Spiele und Filme in die Kritik. Wie denken sie darüber? Haben solche Filme wirklich einen negativen Einfluss auf die Menschen?

Til Schweiger: Nein, das glaube ich nicht. Actionfilme, also ein Film wie Far Cry sind keine Gefahr für die Gesellschaft. Da sehe ich Filme wie Saw oder Hostel, wo es nur darum geht Menschen zu Tode zu foltern, schon sehr viel kritischer.

gamona: Was hat sie denn animiert, in einem Uwe Boll-Film mitzuwirken? Gab es dafür einen bestimmten Grund?

Far Cry

- Ausgefragt: Til Schweiger stellt sich zum Interview
alle Bilderstrecken
"Postal war streckenweise überragend."
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 43/491/49

Til Schweiger: Ja, ich hatte einfach Lust drauf. Uwe hat mich gefragt, ich habe ihn auch vorher getroffen, mochte ihn sofort und hatte auch einen Film, Postal, von ihm gesehen. Den fand ich streckenweise überragend, streckenweise auch ein bisschen „over the top“, aber insgesamt hab ich darin ein großes Talent erkannt. Ich wusste natürlich um seinen Ruf, witzigerweise haben auch ganz viele Freunde zu mir gesagt „Uwe Boll? Wie kannst du das machen? Bist du wahnsinnig? Hast du mal einen Film von dem gesehen?“ Er hat halt diesen Ruf, der ursprünglich aus der Game-Community kommt. Und der ist irgendwie übergeschwappt in die Filmindustrie. Aber keiner hat einen Film gesehen. Ich habe mittlerweile ein paar gesehen, davon finde ich ein paar gelungener und ein paar weniger gelungen.

Packshot zu Far CryFar Cry kaufen: ab 4,99€

gamona: Bei „Keinohrhasen“ haben sie selbst Regie geführt. Konnten sie sich ein bisschen mit ihm ergänzen oder haben sie sich komplett aus dem Regiebetrieb herausgehalten?

Til Schweiger: Ich habe schon die ein oder andere Idee dazu beigesteuert, manche hat Uwe genommen, einige hat er wieder verworfen. Aber das war ja gerade einer der Aspekte, wegen denen ich die Rolle angenommen habe. Nach dieser Mehrfachbelastung bei „Keinohrhasen“ konnte mich einfach mal wieder fallen lassen und in die Hände eines anderen Regisseurs begeben.

Tabus und Nazirollen

gamona: Uwe Boll sagt, er legt Tabus grundlegend ab. Stimmen sie damit überein oder gibt es Dinge, die sie im Film nie zeigen würden?

Til Schweiger: Absolut. Tabu Nummer eins für mich ist es einen Nazi zu spielen. Es gibt genügend Schauspieler, die sagen, man müsse Nazis spielen, um zu zeigen, wie schlimm es damals war. Tabu Nummer zwei wäre es in extrem gewalttätigen Folterfilmen wie Saw mitzuspielen. Uwe hat z.B. den Film „Seed“ gedreht – den konnte ich mir nur 10 Minuten ankucken, weil das so unfassbar brutal ist, was sich da abspielt. Ich bin hinterher zu Uwe gegangen und meinte „Was machst du denn da?“ Ein weiteres Tabu wäre für mich auch eine Rolle anzunehmen, wie sie Jürgen Vogel vor einiger Zeit gespielt hat. In „Der freie Wille“ wird das Innenleben eines Vergewaltigers portraitiert – so etwas muss ich nicht zeigen.

Far Cry

- Ausgefragt: Til Schweiger stellt sich zum Interview
alle Bilderstrecken
"Seed ist so unfassbar brutal - den konnte ich mir nicht ansehen."
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 43/491/49

gamona: Wieso würden sie gerade Nazis nicht spielen? Es gibt doch sicherlich auch Rollen, die sie nicht mögen und trotzdem spielen.

Til Schweiger: Nein, ich würde nie eine Rolle spielen, die ich nicht mag. Und Nazis kann ich absolut nicht leiden. Das war für mich damals auch der Grund, warum ich die Rolle in „Soldat James Ryan“ abgelehnt habe. Kürzlich habe ich für Quentin Tarantinos „Inglorious Bastards“ unterschrieben – nur darf ich den Nazis da in den Hintern treten *lacht*

gamona: Im Komödienfach haben sie nun schon einige große Erfolge gefeiert. Sehen sie ihre Zukunft jetzt eher im Actionbereich?

Far Cry

- Ausgefragt: Til Schweiger stellt sich zum Interview
alle Bilderstrecken
"Komödien wie Keinohrhasen sind meine große Leidenschaft."
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 43/491/49

Til Schweiger: Nein, das war eher ein Ausflug. Ich hab ja vorher schon in mehreren Actionfilmen mitgespielt und werde das sicherlich auch in Zukunft immer mal wieder tun, aber mein Herz gehört schon den Komödien.

gamona: Wie schätzen sie die Zukunft von Filmen der Marke „Far Cry“ ein, in denen Computerspiel und Kinofilm verschmelzen?

Til Schweiger: Ich denke so etwas wird es weiterhin geben. Hollywood fällt ja nicht mehr viel ein, deswegen gibt es nur noch Fortsetzungen. Das Risiko eines Flops soll reduziert werden und der Gedanke ist da eben „Hey wir haben hier ein erfolgreiches Spiel, lasst uns einen Film draus machen. Wir haben einen erfolgreichen Marvel-Comic – machen wir auch einen Film draus.“

Problemfall: Videospielverfilmung

gamona: Das Problem daran ist nur leider, dass sich der Film oft nur sehr locker am Original orientiert.

Til Schweiger: Wenn man sich an das Original hält, müsste man ja eigentlich ein verfilmtes Videospiel auf die Leinwand bringen. Dann gehen die Leute ins Kino und schauen zwei Stunden lang über den Lauf eines Gewehres – das will doch keiner. So etwas spielt man doch lieber zu Hause.

Far Cry

- Ausgefragt: Til Schweiger stellt sich zum Interview
alle Bilderstrecken
"Wie soll man aus einem Spiel wie Far Cry einen vorlagengetreuen Film machen?"
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 43/491/49

gamona: Bei „Far Cry“ ist ein großer Vorwurf aus der Community zum Beispiel, dass die einzige Gemeinsamkeit mit der Vorlage das Hawaiihemd deines Charakters Jack Carver ist.

Til Schweiger: Na und? Den Vorwurf soll einer mal intelligent begründen, wie man aus so einem Spiel einen vorlagentreuen Film machen soll. Wenn man 100 Mio. Dollar zur Hand hat, kann man natürlich Til Schweiger raus schneiden und durch Keanu Reeves ersetzen, die Explosionen vergrößern und Computereffekte implementieren. Aber ich weiß nicht, ob man irgendeinen Drehbuchautor dazu kriegt, aus Far Cry eine 1:1 Filmumsetzung zu machen.

gamona: Aber ist ein Computerspiel als Grundlage für einen Film denn überhaupt sinnvoll? Nur weil ein Spiel als solches funktioniert, muss doch der Film nicht auch ein Erfolg sein. Sind wir mal ehrlich: Die Story des Far Cry-Spiels war schon etwas einfältig.

Til Schweiger: Natürlich ist das einfältig. Das ganze Spiel ist einfältig, da ist keine Intelligenz drin. Wenn ich da vorm Computer sitze und irgendwelchen Leuten den Kopf wegschieße – das ist total stumpfsinnig. Im Gegensatz zum Spiel macht der Film ja wenigstens Spaß. Manche Leute amüsieren sich, weil sie sagen es wäre Trash – ich persönlich finde, es gibt richtig witzige Szenen im Film. Es ist ein B-Movie, mit „Three Kings“ kann er nicht konkurrieren - den Anspruch erhebt aber auch keiner.

Die Arbeit mit Uwe Boll

gamona: Also lag für sie eher der Reiz darin, mit Uwe Boll zusammen zu arbeiten?

Til Schweiger: Ja, auch weil ich mir denke: „Der Uwe muss so viel einstecken und das ist nicht gerechtfertigt.“ Ich wollte mir mein eigenes Bild machen und kann über Uwe als Mensch nur das Beste sagen. Das muss ihm erstmal jemand nachmachen, wie er seinen Weg geht. Und seine Filme spielen ihr Geld schließlich auch ein, sonst würde seine Werke ja niemand mehr finanzieren. Uwe zieht das durch und hat Erfolg dabei, dennoch schlägt ihm eine Welle von Hass und Antipathie entgegen. Da sage ich mir: „Mit dem solidarisierst du dich jetzt.“

Far Cry

- Ausgefragt: Til Schweiger stellt sich zum Interview
alle Bilderstrecken
"Die Kritik an Uwe Boll ist nicht gerechtfertigt."
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 43/491/49

gamona: Ist ihnen die Arbeit an einem Film wichtiger als das Resultat?

Til Schweiger: Nein, natürlich ist es der Idealfall wenn du eine tolle Zeit hast und im Anschluss noch ein toller Film dabei herauskommt. Aber ich habe zum Beispiel Filme gemacht wie „Tomb Raider 2“ mit Angelina Jolie. 140 Millionen Dollar Budget. Das ist in meinen Augen kein guter Film. Der ist kein Stück besser als „Far Cry“. Null – obwohl die 140 Millionen Dollar hatten. Und dann sitze ich hinterher da und denke mir: „Dafür war ich jetzt sechs Monate am Set gefangen?“ Oder „King Arthur“ – auch kein guter Film. Auch 130 Mio. Dollar Budget. Für die zwei Filme habe ich ein halbes Jahr meines Lebens geopfert. Und jetzt mache ich „Far Cry“ – und der Uwe macht den in sechs Wochen. Ein tolles Ergebnis ist der Idealfall, klar. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Wie viel tolle Filme gibt’s denn? Bzw. es gibt sie ja, aber das Problem ist, dass dich keiner fragt, ob du mitspielen willst.

Far Cry

- Ausgefragt: Til Schweiger stellt sich zum Interview
alle Bilderstrecken
"King Arthur hat 130 Mio. Dollar gekostet - und ist trotzdem kein guter Film."
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 43/491/49

gamona: Gibt es denn Filme in denen Sie lieber mitgespielt hätten?

Til Schweiger: Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich schaue mir jetzt keinen tollen Film an und denke: „Ooch, die Rolle von John Travolta hätte ich gerne gespielt.“ Ich habe einen großen Vorteil – ich mache meine eigenen Filme. Und da hole ich mir all meine Freude und Glückseligkeit.

gamona: Vielen Dank für das Interview.