Das Gerücht, dass Michael B. Jordan 2015 im Reboot von „Fantastic Four“ die menschliche Fackel spielen soll, ging schon eine Weile um. Die Diskussionen, die damit einhergehen und die immer hochkochen, wenn eine ehedem weiße Figur mit einem Schauspieler anderer Ethnie besetzt wird, waren auch allüberall zu finden. Seit es kein Gerücht mehr ist, hat sich die Lage noch etwas zugespitzt.

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In der Regel wird dabei mit Allgemeinplätzen argumentiert. Oder besser: mit Totschlagargumenten. Die Gegner einer solchen Besetzung erklären, dass dem Geist der Vorlage widersprochen wird, dass Fans die liebgewonnen Figuren in Filmen eben so sehen wollen, wie sie sie kennen, und dass man immer versuchen sollte, möglichst nahe an der Vorlage zu bleiben. Die Befürworter packen dann die Rassismus-Keule raus, werfen den Gegnern vor, dass sie nicht wollen, dass weiße Allmachtsphantasien gebrochen werden, und dass wir alle farbenblind sein sollten.

Schwarz oder weiß oder nichts davon?

Was heißt das? Wenn Filmemacher oder Studios davon sprechen, dass der Zuschauer im Idealfall farbenblind ist, dann heißt das, dass man jede Rolle mit einem Schauspieler jedweder Ethnie besetzen kann. Ein krasses Beispiel: Man könnte auch Hitler mit einem Asiaten besetzen. Als Zuschauer ist man angehalten, über das Aussehen hinwegzusehen.

Fantastic Four - Johnny Storm ist jetzt ein Schwarzer? Ist ja voll … rassistisch!

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Johnny Storm alias The Human Torch, Ethnizität: Egal?
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Das ist in der Theorie toll. Funktioniert aber in der Praxis nicht. Nicht, weil wir als Zuschauer rassistisch wären, sondern weil wir einfach zwei Augen zum Sehen haben. Und da nimmt man den Unterschied eben wahr. Mir fiel das auf, als ich Danny Boyles Bühneninszenierung von „Frankenstein“ sah, in dem Victor Frankensteins Frau von Naomi Harris gespielt wurde. Richtig, das ist Miss Moneypenny aus „Skyfall“. Sie ist eine tolle Schauspielerin, aber sie störte die Illusion der Realität, die jede Geschichte benötigt. Denn zu Beginn des 19. Jahrhunderts wäre es undenkbar gewesen, dass Victor Frankenstein eine farbige Frau gehabt hätte.

Aber hat er ja auch nicht, denn eigentlich sollen wir sie uns weiß vorstellen. Ist das aber nicht eigentlich weit rassistischer? Sozusagen ein imaginäres White-Face (Black-Face ist etwas, das in der Frühzeit Hollywoods Gang und Gebe war, als weiße Schauspieler sich das Gesicht schwärzten und dann Farbige spielten), das farbige Schauspieler aufsetzen müssen, weil sie in ihren Rollen nicht schwarz sein dürfen?

Packshot zu Fantastic FourFantastic Four

Cuba als Daredevil, Idris als Heimdall

Als bekannt wurde, dass Cuba Goodings Traumrolle die des Superhelden Daredevil ist, gab es von harten Fanboys einiges Gemaule. Matt Murdock schwarz? Das geht einfach nicht. Er wurde es dann auch nicht. Aber wohl eher, weil seine Karriere da schon kollabiert war. Bemerkenswert waren auch die Diskussionen, die sich Befürworter und Gegner des schwarzen Heimdalls in „Thor“ lieferten. Einige argumentierten allen Ernstes damit, dass nordische Götter nun mal nicht schwarz sind. Mag sein, aber mal ehrlich, hat das bei Heimdall irgendeine Relevanz?

Fantastic Four - Johnny Storm ist jetzt ein Schwarzer? Ist ja voll … rassistisch!

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Wie wohl die Umdeutung der Human Torch schließlich auf der Leinwand aussehen wird?
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Man könnte also davon ausgehen, dass es mit der Größe der Rolle oder der Wichtigkeit der Figur zu tun hat. So in dem Stil: Ein schwarzer Spider-Man geht gar nicht, aber ein farbiger Elektro ist okay. Da gab es nämlich weithin keine großen Diskussionen, ob es nun richtig oder falsch ist, die Ethnie von Elektro im kommenden „The Amazing Spider-Man 2“ zu ändern und ihn mit Jamie Foxx zu besetzen.

Bei Johnny Storm wird dagegen Zeter und Mordio geschrien – und das aus beiden Lagern. Aber eines wird dabei irgendwie übersehen: Dass die Besetzung ein gutes Zeichen für den gelebten Rassismus des produzierenden Studios 20th Century Fox ist.

Warum nur ein farbiger Schauspieler?

Man weiß noch nicht, ob die Macher von „Fantastic Four“ nun auf Farbenblindheit des Zuschauers setzen oder eine Erklärung abgeben, warum Sue und Johnny Storm offenbar Geschwister sind, aber nicht derselben Ethnie angehören. Das kann en passant gemacht werden. Einer von beiden kann adoptiert worden sein. Oder sie sind nicht leibliche Geschwister, weil ihre Eltern einander geheiratet haben. Oder sie haben dieselbe Mutter, aber nicht denselben Vater bzw. umgekehrt.

Erklärungen sind schnell und leicht gefunden. Aber warum eigentlich so umständlich? Die zwei sind Geschwister. Punkt. Wenn Johnny Storm also mit Michael B. Jordan besetzt wird, wieso hat man dann Kate Mara für Sue Storm verpflichtet?
Traut man sich bei Fox etwa nicht, bei einem Quartett gleich zwei farbige Schauspieler zu integrieren? Das wäre die einzig richtige Entscheidung gewesen, aber dazu fehlte der Mumm. Weil Sue Storm und Reed Richards ein Pärchen werden. Das heißt, es wird auch ein paar Küsse zu sehen geben. Und in manchen Teilen der Südstaaten ist das durchaus immer noch ein Grund, einen Film nicht im Kino zu zeigen bzw. ihn zu boykottieren. Das ist Fox auch bewusst, weswegen man dieser auf die Einnahmen abzielenden Kugel auch unbedingt ausweichen wollte.

Stattdessen klopft man sich auf die Schulter, dass man a) farbenblind oder b) so liberal ist, eine Figur der Fantastic Four zum Farbigen zu machen, versucht zugleich aber zu verdecken, dass der echte Mut fehlt und man stattdessen Michael B. Jordan missbraucht, nicht „die menschliche Fackel“, sondern „der menschliche Alibi-Schwarze“ zu sein. Noch dazu, da man dem Farbigen die Figur aufdrückt, die als einzige der Fantastic Four mit allerhand nervigen Attributen versehen ist. Und das, lieber Leser, ist der wahre Grund, warum es rassistisch ist, aus Johnny Storm einen Schwarzen zu machen. Bei Fox sollten sich die Entscheider schämen, nicht, wie man im Amerikanischen sagt, die „whole nine yards“ zu gehen. Ganz oder gar nicht. Beide oder keiner. Alles andere ist halbgar und verlogen.