Gratulation an Tim Story, er hat den besseren „Fantastic Four“-Film erschaffen. Hätte man damals nicht für möglich gehalten, aber Josh Tranks Werk relativiert eben vieles. Nun ist der neue „Fantastic Four“ da, der uns abermals eine Ursprungsgeschichte beschert. Dass nur zehn Jahre nach dem ersten Versuch so etwas vom Publikum nicht unbedingt positiv aufgenommen wird, hat schon Sony mit „The Amazing Spider-Man“ lernen müssen. Eine Lektion, die nun eben auch 20th Century Fox erfahren muss.

Fantastic Four - Featurette: Bekannter Theoretischer Physiker erklärt Unsichtbarkeit9 weitere Videos

Dabei ist es noch das kleinste Problem des neuen Films, dass hier schon wieder die Entstehung der Fantastic Four durchgekaut wird...

Alles beginnt im Jahr 2007, als der kleine Reed schon von einem Transporter träumt und mit seinem neuen Freund Ben einen ersten Versuch startet. Sieben Jahre später ist das Verfahren perfektioniert, wodurch Reed die Aufmerksamkeit von Dr. Franklin Storm auf sich zieht. Der offeriert ihm ein Stipendium und die Möglichkeit, an einer großen Version seiner Maschine zu arbeiten.

Fantastic Four - Der künstlerische Tod der Fantastischen Vier

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 19/221/22
Der Film kommt am 13.08.2015 in die Kinos.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Daran beteiligt sind auch Sue Storm, Viktor von Doom und schließlich auch Johnny Storm. Gemeinsam sind die jungen Leute erfolgreich und entwickeln einen Transporter in eine andere Dimension. Doch als man sie selbst nicht durchgehen lassen will, überzeugt Reed seine Freunde, dass sie es einfach wagen müssen. Ein verheerender Fehler, denn einer von ihnen geht in der unbekannten Dimension verloren und der Rest kommt mit gewaltigen körperlichen Veränderungen zurück.

Als Reed wieder erwacht, flieht er aus einer geheimen Militärbasis und lässt seine Freunde zurück. Während Ben als Waffe eingesetzt wird, hofft Sue darauf, dass sie alle geheilt werden. Und Reed arbeitet daran, eben dies zu erreichen…

Ein Film ohne Seele
„Fantastic Four“ ist vieles, vor allem ist er aber extrem uninspiriert und vollkommen seelenlos. Die Geschichte bleibt blass, die Figuren entwickeln sich kein Jota und Emotionalität gibt es nicht. Weder, wenn Ben Grimm ob seines Schicksals hadert, Sue Storm jammert oder Johnny sich über seine Fähigkeiten freut. Es sind tote, leere Momente in einem Meer voller solcher Momente.

Fantastic Four - Der künstlerische Tod der Fantastischen Vier

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder
Ein seelenloses Ding von einem Film.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Inszenierung ist holprig. Oder anders gesagt: die Aneinanderreihung der Szenen. Immer wieder hat man das Gefühl, dass einiges fehlt. Die Übergänge sind nicht fließend, sie sind praktisch nicht existent. Ein Zeitsprung um ein Jahr lässt das Ganze auf geradezu lächerliche Art und Weise kollabieren, weil sich in all der Zeit praktisch nichts getan hat. Wenn man kurz blinzelt und die Einblendung „Ein Jahr später“ übersieht, würde man den Zeitsprung auch nicht merken.

Szenen sind viel zu kurz geraten. Sie werden nie ausgespielt, alles wirkt so, als hätte man versucht, jeden Moment so kurz wie möglich zu gestalten.

Leblos, seelenlos, leer – ein filmischer Torso, der es niemandem Recht machen kann.Fazit lesen

Marvels erste Familie

Ein gigantischer Fehler der Macher war, die Fantastic Four als eine dysfunktionale Familie anzusehen. Das sind sie nicht. Im Gegenteil, sie sind eine richtige Familie – und wie bei jeder Familie gibt es auch mal Konflikte. Hier fallen diese praktisch völlig flach, da die Interaktion zwischen den vier Superhelden in spe stark eingeschränkt ist. Es gibt keine gemeinschaftliche Szene nach dem Unfall.

Fantastic Four - Der künstlerische Tod der Fantastischen Vier

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 19/221/22
Da kann man nur hoffen, dass die Filmrecht schnell wieder an Marvel zurückgehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Als Team agieren sie erst im halbgaren Finale, das wiederum mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet. Woher zum Beispiel weiß Victor von Doom, dass Sue Storm unsichtbar ist? Niemand hat es ihm gesagt und 'gesehen' hat er es auch nicht...

Es sind auch Momente wie diese, die nahelegen, dass unglaublich viel aus dem Film herausgeschnitten worden ist. Aber ob zusätzliches Material dabei geholfen hätte, die nichtexistente Motivation der Schurkenfigur zu konkretisieren? Das darf bezweifelt werden. Toby Kebbel hat nichts, mit dem er arbeiten könnte. Sein Victor ist eindimensional, er handelt ohne Sinn und Verstand, und das bei einer Figur, die eigentlich hyperintelligent sein soll.

Ein kurzes „Vergnügen“

Mit einer Nettolaufzeit von etwa 90 Minuten ist „Fantastic Four“ ziemlich kurzgeraten. Er fühlt sich dennoch lange an, weil einfach kein Erzählfluss gegeben ist, weil die Figuren allesamt nur Funktionsträger, aber keine ausgereiften Charaktere sind, und weil die Geschichte selbst so unspektakulär und langweilig ist, dass man das Ende richtiggehend herbeisehnt.