Wenn ein Film 7,3 Millionen Kinobesucher erreicht, erübrigt sich eine Kritik zur Fortsetzung eigentlich. „Fack ju Göhte“ ist innerhalb kürzester Zeit von „noch eine deutsche Komödie“ zu einem Popkultur-Phänomen aufgestiegen und hat so viel Witz und Charme bewiesen, dass Teil 2 unmöglich scheitern kann. Auch nicht, wenn einfach nur 115 Minuten aus einem Reclam-Heft vorgelesen werden würde. Oder, wie hier tatsächlich zu beobachten, das güldene Prinzip der Fortsetzungen (=lauter, größer, unlustiger) zum ermüdenden Einsatz kommt.

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Ab nach Thailand, das geht immer

Denn „Fack ju Göthe 2“ spielt nicht irgendwo, sondern in Thailand...und ruft damit unweigerlich grausige Erinnerungen an „Hangover 2“ hervor. Dieser humoristische Mondo-Tourismus ist lediglich eine Entschuldigung für ein gräuliches Drehbuch, das nicht über kesse Dialoge und überraschende Wendungen, sondern „exotisches“ Staunen Farbe bekommen soll. „Fack ju Göhte 2“ löst sich nach einer halben Stunde aus dem reibungsintensiven Schulumfeld, das in Teil 1 noch für erfrischend anarchische Spannung gesorgt hat, und verfrachtet die Klasse von Zeki Müller (Elyas M'Barek) auf Klassenfahrt nach Bangkok. Wo natürlich Nutten-, Ladyboy- und Affen-Gags nicht lange auf sich warten lassen.

Fack ju Göhte 2 - Fack ju Witz, jetzt wird laut geheult!

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Elyas M'Barek denkt nach: „Diamanten oder Prolls – hmm?“
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Immerhin gibt es einen Grund für diese Reise, nämlich einige Diamanten, die Zeki ein sorgenfreies Leben ermöglichen sollen. Diese Diamanten geraten über ein Spendenprojekt des verfeindeten Schiller-Gymnasiums eben nach Thailand und so muss die ganze Klasse dorthin nachreisen und dabei folgende Plotstränge durchnudeln: 1) Wird Zeki die Diamanten finden und seine Schüler im Stich lassen? 2) Kommt die Chaos-Truppe in Thailand überhaupt klar, trotz zahlreicher Katastrophen? 3) Wird Göhte gegen Schiller triumphieren, sprich: werden die Prollkids die Schiller-Streber in die Pfanne hauen und damit einer Werbekampagne des Bildungsministeriums vorstehen?

Heult laut, ihr alle!

Preise für die richtige Beantwortung der Fragen gibt es leider nicht, denn die Trefferquote dürfte mindestens 100 Prozent betragen. Es ist schon klar, dass eine Fortsetzung nicht mehr so stark auf inhaltliche Überraschungen bauen kann wie noch das Original, aber den grundsätzlich sympathischen Charakteren solch eine Reißbrettgeschichte überzustülpen, sägt schon gewaltig an ihren Kanten. Darüber hinaus ist es auch ein Fehler, die Erwachsenen weitgehend aus der Handlung zu entfernen und dafür den Schülern mehr Freiraum zu gewähren. Als Hintergrund-Asis können sie schräge Farbtupfer geben, doch als Protagonisten werden sie schnell zu redundanten YouTube-Witzen.

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Voll geil, Klassenfahrt im exotischen Paradies!
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Apropos: Es wird deutlich vermittelt, dass die Fortsetzung noch stärker das jugendliche Zielpublikum ansprechen soll. Die Erwachsenen sind wie geschrieben weitgehend raus, die Kids dürfen dafür mehr ran und die Gags gleichen ihre tiefere Lage mit größerer Lautstärke aus. „Prollhumor“ nennt man das landläufig, der zwar immer noch weit über „Kartoffelsalat“-Niveau liegt, aber das schräge Humorzentrum des ersten Teils längst nicht mehr so häufig trifft. Was will man auch schon erwarten von unterbelichteten Sonderschülern? „Du bist so Arzt“, ausgesprochen von Oberschnalle Chantal (Jella Haase), mag da gerne noch das Zeug zum neuen Schulhof-Oneliner haben, und auch „Ich habe 11 Prozent Asperger – und ich 40 Prozent Wodka“ kommt echt gut, aber sonst schlägt ganz oft das „Bauer sucht Frau“-Syndrom zu – vorführen, Kopf schütteln und hämisch wiehern.

Auch dieses Form des Humors hat natürlich ihre Berechtigung, gerade wenn es darum geht, „einfach mal abzuschalten“ (TM), doch verglichen mit „Fack ju Göhte 1“ macht es sich „Fack ju Göhte 2“ schon sehr einfach. Das läuft jetzt unter großer Unterhaltung oder vielleicht auch Bedienung von Erwartungen, doch spätestens, wenn dann der Holzhammerhumor mit Holzhammerdramatik ergänzt wird, vorgetragen von Figuren, die sich unsere Empathie erst noch verdienen müssen, ist man raus und sieht verstohlen auf die Uhr. Puh, knappe zwei Stunden. Was ist eigentlich aktuell im sozialen Netzwerk meiner Wahl los?