Extrem laut und unglaublich nah – Filmkritik

Irgendwann muss man einfach loslassen

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von Peter Osteried, 15. Februar 2012 17:00 Uhr
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Es gibt eine Szene in „Extrem laut und unglaublich nah“, bei der man ein Gefühl dafür bekommt, was dieser Titel aussagen soll. In einem einzigen Moment nimmt man die Position eines kleinen Jungen ein, der unterwegs ist in New York und auf den all der Lärm und jeder erdenkliche Sinneseindruck herniedergehen. Man kann diesen Moment nehmen, um damit den Titel zu erklären, man muss es jedoch nicht.

Ein Junge versucht, dem Sinnlosen einen Sinn abzugewinnen, während der Film uns auf seine wunderschöne, aber traurige Reise mitnimmt.FazitEr ließe sich auch metaphorisch deuten, als Versinnbildlichung des 11. September, mit einem Ereignis, das New York vor Lärm erzittern ließ und das jedem, ganz gleich, wo auf dieser Welt er war, unglaublich nahe ging. So könnte man den Titel deuten. Oder man lässt es sein. Manchmal gibt es keine Erklärung, weder für die Geschicke unseres Lebens noch für den Titel eines Films.

Oskar Schell ist ein ungewöhnlicher Junge. Sein Vater ließ ihn auf Asperger testen. Wie das Ergebnis ausfiel, wissen wir nicht, aber wir erfahren, dass Oskar und Thomas einen sehr guten Draht zueinander hatten. Der Vater forderte seinen hochintelligenten Sohn mit ausgeklügelten Spielen heraus. Im letzten ihrer Spiele sollte Oskar beweisen, dass es in New York noch einen sechsten Bezirk gegeben hat, der einstmals verschwand.

Doch die Lösung muss auf sich warten, denn der schlimmste Tag kommt. Der 11. September 2001. An diesem Tag befindet sich Thomas Schell im World Trade Center – und er wird es niemals wieder verlassen.

Ein Jahr später wagt sich Oskar in das Zimmer seines Vaters. Im Schrank findet er eine Vase. Sie geht kaputt, zum Vorschein kommt ein Schlüssel, der in einem kleinen Umschlag steckt. Der einzige Hinweis auf dem Umschlag ist ein Name: Black.

Screenshot zu: Irgendwann muss man einfach loslassenTom Hanks, Sandra Bullock und Co. liefern gute Auftritte, aber der Junge spielt sie alle gegen die Wand.

Oskar nimmt diese letzte Herausforderung seines Vaters an. Indem er dieses Rätsel löst und nach dem Schloss sucht, zu dem dieser Schlüssel gehört, kann er seinem Vater ein letztes Mal nahe sein. Doch die Suche erweist sich als schwieriger und zeitaufwendiger als gedacht, gibt es doch 472 Personen mit dem Namen Black in New York.

Vom Buch zum Film

„Extrem laut und unglaublich nah“ ist ein ungewöhnlicher Film. Weil die Geschichte eine sehr literarische ist. Eigentlich funktioniert sie beim Lesen besser. Es gibt Elemente in dieser Geschichte, die wirken glaubwürdiger, wenn man sie im eigenen Kopf visualisiert. Beispielsweise Sandra Bullocks Erzählung im letzten Akt der Geschichte. In Prosa-Form lässt sich das leichter umsetzen. Ein Film könnte scheitern.

Doch er überkommt die leisen Anflüge und die kurzen Momente, in denen man als Zuschauer kurz darüber nachdenkt, wie stimmig das ist. Weil die Regie makellos ist, weil die Schauspieler grandios sind, weil das Skript sehr exakt ist und weil der Film derart viel Gefühl ausstrahlt, dass man von diesem allein schon überwältigt ist.

Ein Newcomer aus dem Nichts

Der Film ruht auf den Schultern eines Kindes: Thomas Horn. Der Junge hat zuvor keinerlei Schauspielerfahrungen gesammelt, liefert hier aber eine Leistung ab, die beeindruckend ist. Er agiert neben gestandenen Mimen wie Tom Hanks, Sandra Bullock und Max von Sydow und bietet jedem von ihnen Kontra.

Screenshot zu: Irgendwann muss man einfach loslassenEin sehr eindringlicher Film.

Dabei muss Horn mit einer Figur arbeiten, die alles andere als leicht gestaltet ist, denn Oskar Schell ist kein normaler Junge. Es gibt Momente, da empfindet man unendliche Sympathie für ihn, doch dann erscheint er wieder unfreundlich und rüde. Ein Ausdruck nicht diagnostizierter, aber vorhandener mentaler Störung, nicht in letzter Konsequenz ausgeprägt, aber gerade noch so vorhanden – das glaubhaft darzustellen würde selbst gestandenen Schauspielern einiges abverlangen.

Obsessionen

Im Kern ist „Extrem laut und unglaublich nah“ ein Film, in dem es um Verlust geht. Und darum, wie man mit diesem Verlust zurechtkommt. Solche Geschichten sind nicht neu, sie können es auch nicht sein, sind sie doch ein essenzieller Bestandteil der menschlichen Erfahrung.

Wie man auf Verlust reagiert, ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Manche versteifen sich in Obsessionen, so wie Oskar Schell, der seinen Vater nicht loslassen kann und versucht, an ihm festzuhalten, indem er sich auf diese Suche begibt. Doch wie bei einem Roadmovie ist der Weg das Ziel.

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Inhalt
  • 1Vom Buch zum Film
  • FFazit
Kommentare 5
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Peter OsteriedPeter Osteried23.02.2012 16:59
Leider die Art Film, die es schwer hat, ein Publikum zu finden.
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De DingieDe Dingie21.02.2012 22:24
Hab den Film am Wochenende mit meiner Freundin zusammen gesehen. Wir wollten ihn uns anschauen, weil eine Mitschülerin die Buchvorlage im Unterricht vorgestellt hatte und das recht interessant klang.

Ist ein echt guter Film geworden - teilweise lustig, teilweise traurig, überhaupt nicht langatmig oder melodramatisch. Kann ich nur weiterempfehlen.
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MalcowMalcow15.02.2012 20:39
Mono Für Alle!
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RascalXRascalX15.02.2012 20:03
Sieht gut aus (Trailer) - wird auf jeden Fall geschaut.
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01
Heiner_GumprechtHeiner_Gumprecht15.02.2012 17:53
Fand den Trailer schon interessant. Wollte abr nicht noch einen Film über den 11. September sehen. Aber nach der Kritik... *notiert ^_^"
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Extrem laut und unglaublich nah
Extrem laut und unglaublich nah FilmplakatRegie: Stephen DaldryGenre:DramaFilmstart: 16.02.2012Spieldauer: 129 minDarsteller:John Goodman, Sandra Bullock, Tom Hanks
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