Alex Garland hat schon einige gute Drehbücher geschrieben, er ist aber auch ein guter Regisseur. Das stellt er mit seinem Debüt „Ex Machina“ unter Beweis, welches wie ein Kammerspiel gestaltet ist. Alles kreist um drei Personen, zwei Männer und eine Frau, und die Frage, was einen Menschen menschlich macht.

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Nathan ist ein genialer Erfinder, ein Multi-Milliardär, der die erfolgreichste Suchmaschine des Internets programmiert hat. Er lebt zurückgezogen mitten in der Wildnis und lässt Caleb, einen Angestellten seiner Firma, zu sich kommen. Er begrüßt ihn wie einen Freund, erklärt ihm, dass er eine Woche hier sein wird und hält ihm einen Vertrag unter die Nase, mit der er sich zu Stillschweigen verpflichtet.

EX_MACHINA - Sci-Fi für ein intelligentes Publikum

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Der Film wird bei uns am 3.04.2015 veröffentlicht.
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Caleb unterschreibt, woraufhin Nathan ihm erklärt, was er von ihm will. Er soll einen Turing-Test durchführen. Bei diesem Test geht es darum, dass ein Mensch mit einer Maschine interagieren soll. Der Mensch soll danach feststellen, ob die Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen besitzt.

Nathan stellt Caleb die künstliche Ava vor, geformt wie eine Frau, aber als Roboter erkennbar. Es geht weit mehr als um einen normalen Turing-Test. Caleb ist bewusst, dass er eine Maschine vor sich hat, aber er soll sich im Verlauf dieser Woche festlegen, ob sie ein echtes Bewusstsein besitzt. Die Sitzungen beginnen, die Gespräche werden intensiver und in einem seltenen, unbeobachteten Moment warnt Ava ihn, dass er Nathan nicht trauen kann.

Alt, aber gut

Die Idee, die hinter Garlands Skript steht, ist nicht neu. Isaac Asimov hat sich in einigen seiner Romane damit befasst, Ridley Scott hat sie in „Blade Runner“ untersucht, ein derartig klaustrophobisches Gefühl wie in „Ex Machina“ gab es dort jedoch nicht. Mit der Konzentration auf wenige Figuren und engen, abgeschotteten Lebensraum erzeugt Garland Atmosphäre, aber auch Spannung.

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Wie menschlich ist Ava (Alicia Vikander) wirklich?
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Diese Spannung ergibt sich nicht aus den Taten, als vielmehr den Umständen. Sie ist in den Figuren angelegt, denn Action sucht man hier vergebens. Stattdessen liefert Garland ein langsam erzähltes, aber faszinierendes Kammerspiel, das von den großen Fragen lebt, die es aufwirft.

Grandiose Sci-Fi-Kammerspiel, das den Intellekt des Zuschauers anspricht. Ein Film zum Nachdenken!Fazit lesen

Was macht einen Menschen, was macht ein Lebewesen aus? Wie definiert man Bewusstsein? Kann eine künstliche Intelligenz wirkliches Bewusstsein erlangen oder simuliert sie nur, was notwendig ist, um so zu erscheinen? Das ist schwerer Stoff, auf den es keine einfachen Antworten gibt. Garland versucht gar nicht erst, sie zu liefern. Er überlässt es dem Zuschauer, die Lücken aufzufüllen und sich ein eigenes Bild zu machen.

Großartig gespielt

So gut Oscar Isaac als immer wieder bedrohlich erscheinendes Genie und Domhnall Gleeson als moralischer Kompass der Geschichte auch sind, die großartigste Leistung liefert Alicia Vikander ab. Sie spielt Ava als eine Maschine, die nicht nur Caleb Glauben macht, dass sie mehr als nur das ist.

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Zwei Männer, eine "Frau". Das kann schwerlich gut ausgehen...
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Vor allem aber beschwört Vikander mit ihren Bewegungen das herauf, was man als das „uncanny valley“ bezeichnet. Es ein paradoxer Effekt bei künstlichen Figuren, die absolut real erscheinen, bei denen aber ein Jota anders ist, was die menschliche Wahrnehmung beeinflusst. Vikander bewegt sich perfekt, aber auf eine Art, die glauben lässt, dass es ein künstliches Skelett ist, das hier agiert. Es gibt Szenen, wo dies besonders zum Tragen kommt, etwa jenem Moment, in dem ihre Silhouette vor hellem Licht zu sehen ist, wie sie sich gerade die Strümpfe auszieht.

Zugleich ist sie verführerisch. Weil sie unschuldig erscheint, weil sie wie ein echter Mensch erscheint, kurz: Weil man sich in sie wirklich verlieben könnte. So ergeht es auch der Hauptfigur, die damit in ein Duell hineingezogen wird, das zwischen dem Schöpfer und seiner Schöpfung stattfindet. Aber man ist sich nie sicher, inwieweit dem Schöpfer überhaupt bewusst ist, dass nicht er es ist, der alle Fäden in der Hand hält.