Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren eine Neuverfilmung des berühmt-berüchtigten Horrorklassikers angekündigt, diskutiert und letztlich verworfen. Mit den tanzenden Teufeln wollte es sich niemand verspaßen, zu groß ist die Fangemeinde, zu bedeutsam des Status des Films als „The Ultimate Experience In Grueling Terror“, wie es einst auf dem Kinoplakat hieß. Nun aber ist es da, das Remake von „The Evil Dead“, und es ist alles andere als übel.

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Cabin in the Woods

Das „The“ hat es allerdings nicht mehr in den Titel geschafft. Es scheinen wohl nicht länger bestimmte böse Tote zu sein, zu denen die fünf armen jungen Dinger draußen in der Waldhütte mutieren, sondern sich ganz allgemein um die Folgen des fürchterlichsten nur denkbaren Exitus zu handeln. Und tatsächlich: Hier wird so derart evil gestorben, wird so vehement ein regelrechter Exzess zerfetzter Leiber begangen, dass auch die nicht minder großspurige Tagline des Remakes ihre Berechtigung hat.

„The most terrifying film you will ever experience” hat sich „Evil Dead” 2013 nämlich auf die Fahnen geschrieben, ein guter Werbeschachzug. Der Film ist in der Tat Terror pur, qualvollere Tode gab es lange nicht mehr im Kino zu sehen, erst recht nicht in einer Major-Produktion. Ein einziger großer Fleischwolf ist das, durch den die Figuren gleich mehrfach gedreht werden. Erst als Menschen, dann als Dämonen. Die Neuverfilmung ist blutig, sehr blutig und dann irgendwann sogar nur noch blutig. Splatterkino, als wäre es das erste Mal.

In Deutschland gehört „Tanz der Teufel“ bekanntlich zu den drei, vier ganz großen Titeln im leidigen Zensurdiskurs. Die hiesige Geschichte des Films, von Indizierung über Beschlagnahmung bis hin zum gekürzten Re-Release, ist klassisches Nerd-Futter in der Beschäftigung mit dem unterschlagenen Film hierzulande. Schreib- und Regiedilettant Andreas Bethmann etwa widmete sich dem Thema ausgiebig in einem Pamphlet mit Namen „Das X-Rated Zensurbuch“.

Die Maßstäbe sind heute freilich andere. Das 1981er-Original war eine Low-Budget-Produktion, die via Kult-Siegel und aufgeregtem Buschfunk zum Mainstream wurde, das Remake nun ist Mainstream, der immer Mainstream bleiben wird. Die FSK-Freigabe (ab 18, das schon noch) gab es für die Sony-geschützte Neuverfilmung anstandslos, „Evil Dead“ wird zumindest in unseren Kinos gegenüber der US-amerikanischen R-Rated-Version ungeschnitten laufen. Obgleich er vor Brutalitäten nur so strotzt.

Evil Dead - Brutal und böse: kongeniales Remake eines Klassikers

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Holla, die Waldfee! Auch das Remake zu Evil Dead ist äußerst brutal.
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Hinter dem Remake stecken die drei Hauptverantwortlichen des Originals, Regisseur Sam Raimi, Hauptdarsteller Bruce Campbell und Produzent Robert Tapert, die es akribisch überwacht haben. Raimi verpflichtete den uruguayischen Regisseur Fede Alvarez, der mit „Evil Dead“ seinen ersten Langspielfilm inszenierte. Campbell beehrte die Castings, in denen es geeignete Nachfolger des einst von ihm angeführten Ensembles zu finden galt, das mit Ash den Star der Trilogie hervorbrachte.

Packshot zu Evil DeadEvil Dead

Besessenheit und Drogenentzug

Die Geschichte wurde nur geringfügig verändert, auf die effektive Simplizität des Originals vertraut auch die Neuauflage. Zu den wesentlichsten Abweichungen gehört die Hauptfigur Mia, gespielt von Jane Levy („Suburgatory“). Sie motiviert die Handlung entscheidend, denn in der unheimlichen Waldhütte möchte sie von ihrer Opiat-Abhängigkeit loskommen, weshalb ihr Bruder (Shiloh Fernandez) und dessen Freunde sie dorthin begleitet. Was folgt, kann man vielleicht als härtesten Drogenentzug der Filmgeschichte bezeichnen.

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Die Besessenheit durch Dämonen nutzt „Evil Dead“ also auch als reinigende Metapher, als einen Entzug im doppelten Sinne: Mia muss sich aus der Sucht und dann noch den Klauen der Finsternis befreien. Das Besessensein erhält im Remake einen neuen Charakter, wodurch dieses auch versucht ist, der unkonkreten Bedrohung des Originals Gestalt zu verleihen, indem es dessen unsichtbare Macht personifiziert (Mia sieht Erscheinungen einer Frau) und dadurch natürlich auch ein wenig abschwächt.

Solche Strategien sind typisch für Neuverfilmungen roher, ungeschliffener Genreklassiker, die mit deutlicheren Ausarbeitungen um Lückenlosigkeit und Kohärenz bemüht sind – bei gleichzeitigem Verlust von Fantasie- und Spielfreudigkeit. Einen schlussendlich gar physischen, das reine Böse verkörpernden Antagonisten hat das Original aus gutem Grund nicht gebraucht. Spannend hingegen ist, wie das Remake eine eigene kleine Dämonensage spinnt und das „Buch der Toten“ stärker in die Geschehnisse einbezieht.

Durch die im Detail vielleicht nicht geglückten, zumindest aber ambitionierten Modifikationen der Vorlage gelingt „Evil Dead“ eine durchaus respektable Version der bekannten Geschichte. Wie schon Raimis eigenes Sequel, „Tanz der Teufel II“, das ja bereits selbst nur ein (noch komödiantischer als der Vorgänger angelegtes) Remake war, ist Alvarez’ Film als eine weitere, eine neue Interpretation des Stoffes zu sehen. Und er ist zudem der bislang ernsthafteste Teil der „Evil Dead“-Saga.

Evil Dead - Brutal und böse: kongeniales Remake eines Klassikers

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Zu dumm: Das Benzin für die Kettensäge ist auf dem Mars.
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Denn Spaß, in einem ironischen, eskapistischen Sinne, macht dieses Remake nicht. Zu wunderbar böse und grimmig, ernst- und schmerzhaft zelebriert es in ausgesucht unangenehmen Bildern und dem exzellenten Sounddesign ein albtraumhaftes Schlachtfest. Der Film schafft Sinneseindrücke puren Horrors, auch Dank seiner retro-orientierten Inszenierung handgemachter Spezialeffekte, und wird nicht zuletzt durch liebevolle Querverweise zum Original auch bei dessen eisernsten Fans Anklang finden.