Mit ihren Solo-Abenteuern sind Sylvester Stallone („Shootout“) und Arnold Schwarzenegger („Last Stand“) in diesem Jahr baden gegangen, nun wird alle Hoffnung auf „Escape Plan“ gesetzt, in dem die zwei alt gewordenen Action-Heroen gemeinsame Sache machen. Damit die Action auch mit etwas Gehalt inszeniert wird, holte man Regisseur Mikael Håfström an Bord.

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Auch er ist dafür verantwortlich, dass „Escape Plan“ nicht nur ein weiterer Actionfilm ist, sondern auch als Thriller funktioniert. Und: Er kitzelt aus Arnold Schwarzenegger eine der besten Darstellungen seines Lebens heraus, aber das mag auch daran liegen, dass er in einer langen Szene Deutsch spricht und sich in seiner Muttersprache auch nach all den Jahren wohler fühlt.

Ray Breslin (Sylvester Stallone) verdient sehr viel Geld damit, sich einsperren zu lassen. Sein Job ist es, aus Hochsicherheitsgefängnissen auszubrechen, um so Sicherheitslücken zu offenbaren. Nun wird er von der CIA angeheuert, um ein streng geheimes Gefängnis zu testen, in dem die gefährlichsten Individuen der Welt, denen man nicht erlauben kann, in Freiheit zu bleiben, interniert werden. Der Haken: Wenn Breslin den Auftrag annimmt, dann verschwindet er von der Bildfläche, auch seine Kollegen wissen nicht, wo er dann sein wird.

Breslin sieht das als Herausforderung und lässt sich einsperren. Doch er findet sich nun in einem Gefängnis wieder, wie er es noch nie zuvor gesehen hat. Schlimmer noch: Sein Kontaktmann, der Direktor, über den er im Notfall den Auftrag abbrechen könnte, ist nicht da. Breslin ist auf sich allein gestellt, aber gewillt auszubrechen, um herauszufinden, wer ihn reingelegt hat. Dafür braucht er jedoch die Hilfe von Emil Rottmayer (Arnold Schwarzenegger).

Escape Plan - Kein Gefängnis ist groß genug für die Superstars des Action-Kinos

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Zwei der größten Actinstars geben sich noch einmal die Ehre.
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Weder Lock up noch Prison Break

Da Stallone schon einmal einen Knacki spielte, bieten sich Vergleiche zu “Lock up” an, sie sind aber haltlos. Beides sind gänzlich unterschiedliche Filme. Auch mit „Prison Break“, in dem ein Mann sich einsperren lässt und die Baupläne auf seinem Körper tätowiert hat, um ausbrechen zu können, hat „Escape Plan“ herzlich wenig zu tun. Tatsächlich erinnert der Film ab dem Moment, wo Breslin sich im Gefängnis wiederfindet, noch am Ehesten an „Fortress“, auch wenn der Strafvollzug dort deutlich mehr Science-Fiction-Gehalt hatte.

Die Tatsache, dass die Insassen rechtlos sind, gefoltert werden und den Gewalttätigkeiten des vermummten Wachpersonals ausgesetzt sind, hat erzählerische Tendenzen, die mit der Realität nur schwer in Einklang zu bringen sind. Ein bisschen problematisch ist dabei auch, dass der Hintergrund dieses Supergefängnisses nie genau beleuchtet wird.

Packshot zu Escape PlanEscape Plan

Gerade dafür hätte sich der Film ein wenig mehr Zeit nehmen können. Zeit, die man andernorts hätte einsparen können. Die eingeschobenen Szenen mit Breslins Kollegen, die nach ihm suchen, erfüllen keinerlei Zweck. Sie geraten im Gegenteil zum Showstopper, ohne den der Film deutlich besser funktionieren würde.

Was nicht heißt, dass er nicht funktioniert. Das Gegenteil ist der Fall, trotz narrativer Fallstricke ist „Escape Plan“ eine spannende Angelegenheit, die auch Action beinhaltet, diese aber vor allem im Finale explodieren lässt. Zuvor hat man das mehr oder minder klassische Erzählkonstrukt eines geplanten Gefängnisausbruchs.

Darauf hat man seit den 80er Jahren gewartet: ein richtiges Team-up zwischen Sly und Arnie.Fazit lesen

Das wiederum ist gut, weil Stallones Figur als ein Mann gezeichnet wird, der einerseits extrem clever und gebildet ist, andererseits ein solches Auge für Beobachtung hat, dass er die Schwachstellen erkennt, die sich mit Routine einstellen. Das mag ein bisschen überzogen sein, man nimmt es der Figur jedoch ab.

Sly und Arnie

Die Hauptrolle spielt zweifelsohne Stallone in diesem Film. Schwarzenegger taucht erst nach etwa einer halben Stunde auf. Das ist auch der Moment, auf den man als Zuschauer wartet. Er enttäuscht nicht. Stallone und Schwarzenegger als Team haben ihren Reiz, und das selbst heute, wo beide deutlich älter sind – und auch ein wenig müder wirken.

Escape Plan - Kein Gefängnis ist groß genug für die Superstars des Action-Kinos

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Escape Plan zeigt zwei in Würde gealterte Haudegen - und unterhält wirklich gut.
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Gerade Schwarzenegger zeigt aber Entwicklung seit „Last Stand“. Er ist nicht mehr so steif und wirkt ohne die gefärbten Haare auch nicht albern. Zudem hat er eine besonders starke Szene, in der er Deutsch spricht, zwar mit mittlerweile deutlich hörbarem Akzent, aber nicht mit dem steirischen Zungenschlag, den er privat pflegt. In der Synchronisation wird das natürlich verloren gehen.

Ohnehin kann man sich nur schwer vorstellen, wie es funktionieren soll, dass Thomas Danneberg beide Hauptrollen spielt. Zwar hat der Schauspieler eine immense Bandbreite, Sly und Arnie hat er aber seit jeher gleich angelegt. Da beide hier sehr viel Interaktion haben, dürfte das Ergebnis in der deutschen Fassung irritierend sein.

Sly und Arnie harmonieren hier so gut, dass man sich im Grund wünscht, die zwei hätten schon mal auf dem Zenit ihrer Karriere in den 80er Jahren partizipiert.