Bei manchen Filmen ist die Produktionsgeschichte weit interessanter, als das, was erzählt wird. „Escape from Tomorrow“ ist ein solcher Film. Der ultimative Guerilla-Streifen wurde ohne jedwede Erlaubnis und nur mit drei Kameras in Disneyland gedreht. Da man natürlich nur mit dem drehen konnte, was vor Ort vorhanden war, war eine professionelle Ausleuchtung nicht möglich. So musste schon über Monate im Vorfeld geplant werden, wann und wie man die Einstellungen unter Dach und Fach bringt, da man auf das natürliche Sonnenlicht setzen musste. So blieben bei manchen Szenen nur sechs Minuten Spielraum, um sie unter Dach und Fach zu bringen.

Escape From Tomorrow - Deutscher Trailer #1Ein weiteres Video

Vielleicht hatte man erwartet, dass Disney eine Klage gegen den Film anstrengen würde, was natürlich für einige Publicity gesorgt hätte, aber der Konzern entschied sich, kein Aufsehen darum zu machen.

Unabhängig davon ist es natürlich eine Leistung, einen gesamten Film unter diesen Umständen fertiggestellt zu haben, auch wenn das Ergebnis nicht dem entspricht, was man sich als Zuschauer erwartet hätte. Wenn der Slogan „Böse Dinge passieren überall“ lauert und eine Lyncheske Phantasmagorie versprochen wird, dann muss auch abgeliefert werden. Aber das gelingt „Escape from Tomorrow“ nur bedingt.

Escape From Tomorrow - Mickey Horror? Das Böse hält Einzug in Disneyland

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Der Film erscheint am 23.04.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Midlife-Crisis und der Schrecken des Alltags

Jim ist mit seiner Familie in Disneyland. Am letzten Tag seines Urlaubs erfährt er, dass er seinen Job verloren hat, aber diesen einen Tag möchte er noch glücklich verleben. Doch nichts ist so, wie er es sich vorgestellt hat. Während seine Frau und die zwei Kinder viel Spaß haben, entwickelt er eine Obsession für zwei französische Park-Besucherinnen, die ihm immer wieder über den Weg laufen.

Er kommt den sinisteren Machenschaften der Parkverwaltung auf die Spur und gerät inmitten eines Albtraums, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Oder so ähnlich.

Wirklich sicher kann man sich da nicht sein. Vielleicht ist es ein Fall von subjektiver Realitätswahrnehmung, von der man hier Zeuge wird, vielleicht existiert das Böse am glücklichsten Ort auf Erden, vielleicht ist aber auch alles nur ein von einer Krankheit ausgelöster Fiebertraum. Oder man ist angehalten, die Geschichte interpretatorisch abzuklopfen, aber dabei könnte man leicht über Fallstricke stolpern, die auch Regisseur Randy Moore erwischt haben dürften. Denn einer logischen Erklärung entzieht sich „Escape from Tomorrow“ vollständig.

Escape From Tomorrow - Mickey Horror? Das Böse hält Einzug in Disneyland

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Und genau so seht ihr aus, wenn ihr versucht, den Plot zu verstehen.
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Interessante Idee

Die Grundidee eines surrealen Films, der in Disneyland gedreht wird, ist durchaus faszinierend. Man hat augenblicklich Bilder im Kopf, wie ein David Lynch oder Terry Gilliam derartiges umgesetzt hätten, aber im Vergleich zu ihnen ist Moore eben nur ein blutiger Amateur. Darum schafft er es auch nicht, den Zuschauer in die Geschichte hinzuziehen.

Das fängt schon damit an, dass sich in der ersten halben Stunde kaum etwas tut. Im Grunde könnte man auch ein Urlaubsvideo sehen, nur dass es halt in Schwarzweiß gehalten ist.

Interessanter als der Film selbst ist die Geschichte dahinter.Fazit lesen

So sehr man auch bedenken muss, dass die Umstände der Produktion alles andere als leicht waren und Moore sicherlich nicht jede Szene so gestalten konnte, wie er sich das vorgestellt hatte, so kommt man doch nicht umhin, dass das Drehbuch ziemlich unausgegoren ist. Hier werden abstruse Ideen und urbane Legenden miteinander verbunden, aber nie zu einem logischen Ende geführt. Ein paar dieser Ideen hätten durchaus Potenzial gehabt, etwa, als Jim herausfindet, wie die Parkbesucher überwacht und katalogisiert werden, aber man hätte sie auch in den Fokus rücken und nicht zum Wegwerfmoment machen müssen.

Das Ende ist dann ausgesprochen surreal gestaltet. Das ist wirkungsvoll, auf einer reinen Gefühlsebene, gibt inhaltlich aber auch nichts her. Allerdings hat man bis zu diesem Punkt ohnehin schon das Interesse an der Geschichte verloren.