Zum zweiten Mal wurde der Roman der Strugatsky-Brüder nun verfilmt. Zum ersten Mal war es Peter Fleischmann, der in einer sowjetisch-deutschen Ko-Produktion im Jahr 1989 die philosophische Geschichte zum Leben erweckte. Dafür bekam er damals Schelte, der Film fiel an der Kasse durch, generell galt, dass er nur bruchstückhaft der Vorlage gerecht geworden ist.

Es ist schwer, ein Gott zu sein - Offizieller Trailer (OmU)

An Aleksey Germans Version werden sich jedoch noch mehr die Geister scheiden, hat er doch ein knapp dreistündiges Monstrum erschaffen, das auf vielerlei Hinsicht fasziniert, aber den Zuschauer auch auf Distanz hält.

Für German war es ein sehr persönliches Projekt. Von 2000 bis 2006 hat er den Film gedreht, danach befand er sich sieben Jahre in der Postproduktion, die sein Sohn nach Germans Tod im Jahr 2013 abschließen musste. Nun kommt dieses gewaltige Vermächtnis in die Kinos, ein allzu großes Publikum wird der sperrige, nur schwer zugängliche Film aber kaum finden.

Es ist schwer, ein Gott zu sein - Sci-Fi für die Götter

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Der Film kommt bei uns am 03.09.2015 in die Kinos.
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Narratives Ungetüm

Betrachtet man dem Film, kann man der Geschichte kaum folgen. Aber diese erzählt sie: Wir befinden uns auf einem Planeten weit entfernt von der Erde. Er gleicht der Erde, ist in seiner Evolution aber mindestens 800 Jahre zurück. Man befindet sich im tiefsten Mittelalter, aber anders als bei uns findet die Renaissance nicht statt. Sie beginnt zu keimen, wird dann jedoch brutal erstickt. In dieser Welt Ist Kunst geächtet, wird Wissen als gefährlich betrachtet. Intellektuelle werden gejagt und zur Strecke gebracht.

Auf dieser Welt sind jedoch auch mehrere Wissenschaftler von der Erde unterwegs, die alles beobachten, sich aber nicht einmischen sollen. Doch einer von ihnen kann nicht unbeteiligt bleiben, er verhilft einigen Intellektuellen zur Flucht, weil er fürchtet, dass ihr Verschwinden einen faschistischen Staat zur Folge hätte.

Packshot zu Es ist schwer, ein Gott zu seinEs ist schwer, ein Gott zu sein

Das ist die Geschichte, mit der die Strugatsky-Brüder zu Zeiten der Sowjetunion Kritik übten. In Science Fiction verpackt, war es schon immer möglich, an staatlicher Zensur hinaus gesellschaftskritische Töne anzuschlagen. Hier thematisiert man die Ausrottung der Intelligenzija unter Stalins Führung.

Ein dreistündiges Monstrum von einem Film, das extrem schwer zugänglich ist.Fazit lesen

Die Strugatsksys benutzten die Geschichte als Metapher, nun tat es ihnen German gleich, wobei er noch weit mehr in sein filmisches Monstrum gesteckt hat.

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Ein schwerer Film, der viele abschrecken wird.
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Eine Welt im Schlamm

„Es ist schwer, ein Gott zu sein“ ist ein extrem kryptischer Film. Gäbe es den einleitenden Off-Kommentar nicht, man könnte gar nicht einordnen, wo man sich befindet und was gerade passiert. Der Film entzieht sich effektiv einer narrativen Einordnung. Er porträtiert eine monochrome Welt, die in Dreck und Schlamm versinkt, in der es keine Schönheit gibt, sondern die Hässlichkeit des Menschen alles überdeckt und überlagert.

Die Geschichte bleibt ungreifbar, German setzt ganz und gar auf das Mysteriöse seiner außerweltlichen Erzählung. Dabei versucht er, eine Metaebene zu eröffnen, die sich daraus ergibt, dass sich Figuren immer wieder direkt an die Kamera wenden. Sie blicken auf den Zuschauer, wohlwissend, dass sie beobachtet werden. Das rückt den Zuschauer in die Position eines der Erdenwissenschaftler, der diesem archaischen Treiben zusieht. Das ist eine stilistisch interessante Entscheidung, ändert aber auch nichts daran, dass der Film nur schwer verdaulich ist.

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Generell gilt, dass man durchaus die Größe dessen, was German erschaffen hat, schätzen kann, ohne wirklich von dem Film unterhalten zu werden. Denn in seiner kryptischen Erzählweise und der dargebotenen Hässlichkeit ergibt sich kaum so etwas wie Unterhaltungswert. Man ist eher faszinierend, aber ob das auch genug ist, um sich drei Stunden darauf einzulassen?