Wenn Horrorfilme sich darauf berufen, auf wahren Geschichten zu basieren, dann ist immer Vorsicht angeraten. Das gilt auch für „Erlöse uns von dem Bösen“, für den das Sachbuch des Polizisten Ralph Sarchie, „Beware the Night“, Pate stand. Sarchie ist ein Mann, der davon überzeugt ist, „das Werk“ zu tun, in Gottes Auftrag zu handeln und die Menschen vor dem Bösen zu beschützen.

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In seinem Buch schildert er all die Fälle mit übernatürlichem Einschlag, denen er im Lauf seiner Karriere begegnet ist. Für den Film musste man sich auf eine durchgehende Geschichte konzentrieren, wobei Einzelfälle, die Teil des größeren Ganzen sind, dann auch den episodischen Charakter der Vorlage emulieren.

Erlöse uns von dem Bösen - Eric Bana begegnet dem wahren Bösen

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Der Film erscheint bei uns am 04.09.2014 auf Blu-ray und DVD.
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2010 im Irak: Drei Marines begeben sich in ein Höhlensystem, erleben dort aber etwas, das sie für alle Zeiten verändern wird. Drei Jahre später trifft Sgt. Ralph Sarchie (Eric Bana) zusammen mit seinem Kollegen Butler (Joel McHale) einen dieser Marines, als sie zu einem Fall häuslicher Gewalt gerufen werden. Jimmy will sich der Verhaftung entziehen, aber Sarchie ist einfach besser. Er schnappt den Mann.

Wenig später eilen Sarchie und Butler zu einem neuen Fall. Eine Frau hat ihr Baby in einem Zoo in der Bronx in einen Graben geworfen. Die Frau wird verhaftet. Der nächste Fall wird noch mysteriöser: Bewohner eines Hauses berichten, dass es darin spukt, tatsächlich findet Sarchie jedoch eine Leiche, die in Zusammenhang mit den anderen Fällen steht, die er gerade bearbeitet hat.

Aber Sarchie ahnt noch nicht, was wirklich auf ihn zukommt. Das wird ihm erst klar, als sich der Priester Mendoza (Edgar Ramirez) an ihn wendet und den Blick für eine Welt schärft, die in den Schatten liegt. Je mehr sich Sarchie darauf einlässt, desto mehr bringt er auch seine eigene Familie in Gefahr.

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Eine Geschichte, die auf wahren Ereignissen beruht? Aber klar doch...
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Die zwei Arten des Bösen

Vater Mendoza erklärt Sarchie, dass es zwei Arten des Bösen gibt. Das zweitrangige Böse wird von Menschen verübt, aber das vorrangige Böse ist etwas anderes, etwas Urwüchsiges, das schon immer da war und Einfluss auf den Menschen nahm. Sarchie kannte bislang nur das zweitrangige Böse, im Verlauf des Films wird er aber auch das andere kennen lernen.

Guter Genre-Film mit fein austarierter Hauptfigur. Weniger wäre aber hier mehr gewesen.Fazit lesen

Dass er das mehr oder minder schluckt – das Murren darüber ist nur kurz – wird vor allem damit erklärt, dass Sarchie eine Gabe hat, eine Art Radar für das Böse. Das ist praktisch, wenn man in einem Film darauf setzen muss, die Hauptfiguren möglichst flott zum Ort des supranatürlichen Geschehens zu bringen.

Es unterminiert jedoch auch die Aussage der Geschichte. Wo Ambivalenz der Weg zum Ziel gewesen wäre, entscheidet man sich bei „Erlöse uns von dem Bösen“ dafür, eine definitive Aussage zu treffen: Das Böse in übernatürlicher Gestalt existiert. Daran gibt es keinen Zweifel.

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Das nutzt Derrickson für ein Exorzismus-Finale, das zwar etwas lang, aber durchaus wirkungsvoll ist. Aber dadurch wird er zu einem normalen Horrorfilm, was umso bedauerlicher ist, da er in vielerlei Hinsicht zuvor als psychologischer Thriller funktioniert hat. Denn immerhin nimmt man sich die Zeit, Eric Banas Figur tiefgründig aufzubauen. Er ist ein Mann, der vor allem die Dunkelheit in sich selbst bekämpft und mehr als einmal droht, diesen Kampf zu verlieren. Das hätte der eigentliche Kern dieser Geschichte sein müssen.

Klischees gibt’s auch

Derrickson ist nicht davor gefeit, den einfachsten Genre-Weg zu gehen. In dem Moment, in dem Sarchies Familie vehement bedroht wird, befindet man sich mit „Erlöse uns von dem Bösen“ endgültig in den Standardmomenten des Genres. Eine mutigere und kühnere Herangehensweise an die Geschichte wäre hier von Vorteil gewesen.

Das gilt umso mehr, da der Film in seinem ersten Drittel tief in der Realität verwurzelt ist. Die ist düster, spielt doch fast alles in der Nacht, wenn die Schatten länger werden und das menschliche Grauen sich offenbart. Im Grunde sind es zwei unterschiedliche Filme, die Derrickson hier bietet, in der Vermengung leiden jedoch beide aneinander.