Mehr als zwei Millionen Exemplare wurden von Timur Vermes‘ Roman „Er ist wieder da“ verkauft. Das Augenmerk heischende Cover und der durchaus anrüchige Inhalt sorgten für den Bestseller, der die Frage aufkommen ließ: Sich über Hitler lustig machen, darf man das überhaupt?

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In Deutschland hat man dazu ein gespaltenes Verhältnis. Andere Komödien, die sich dem Diktator parodistisch annäherten, wurden mit dem Vorwurf der Geschmacklosigkeit überzogen. Hier nun möchte man dem wohl schon entgegenwirken, indem man David Wnendt für die Regie holte, machte dieser doch zuvor mit dem Neo-Nazi-Drama „Kriegerin“ auf sich aufmerksam.

Er ist wieder da - Was, wenn Hitler heute leben würde?

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Der Führer ist zurück. Der pure Horror?
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Was nun seinen „Er ist wieder da“ angeht, so präsentiert er sich als eine mitunter sonderbare Mixtur, die eher an Sacha Baron Cohens „Der Diktator“ denn an seinen „Borat“ erinnert. Hier gibt es nicht nur Spielszenen, sondern auch Begegnungen des „echten“ Volks mit dem Führer.

Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen hier, und das nicht nur, weil die Leute natürlich wissen, dass es „nur“ ein Hitler-Double ist, sondern auch, weil Wnendt es nicht immer gar so genau nimmt. Es gibt Szenen, die Begegnungen mit echten Menschen darstellen sollen, aber eben doch gestellt sind. So mancher Rezensent ist darauf auch schon reingefallen und hielt etwa Hitlers Besuch in der NPD-Zentrale für echt. Aber hier ist alles gestellt.

Hitler wacht auf

Alles beginnt im Berlin der Gegenwart. Adolf Hitler erwacht, weiß aber nicht, wie das möglich ist. Er macht sich jedoch flugs mit der modernen Welt vertraut und fällt einem Filmemacher auf, der ihn zu einem Fernsehsender bringt. Dort hält man Hitler für einen Komiker und baut ihn in verschiedenen Shows ein. Dort posaunt der Führer seine wahren Ansichten hinaus, auch wenn jeder dies für Humoresken hält – oder insgeheim dem Mann sogar zustimmt.

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Der Film kommt am 08.10.2015 in die deutschen Kinos.
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Hitler selbst hat sich nicht verändert. Er hat dieselben Ansichten, er nutzt dieselben Methoden, nur auf eine moderne Welt umgelegt. Letztendlich ist dabei jedoch nicht die Frage, wie Hitler auf die neue Zeit reagiert, sondern inwieweit das deutsche Volk sich verändert hat. Oder ist es wieder bereit, einem Verführer zu verfallen?

380 Stunden

Es gibt aber auch die echten Momente, wenn Hitler in Bayreuth als Porträt-Maler agiert. Die meisten seiner Kunden zeigen ein befremdliches Verhalten, nur einer bietet dem Pseudo-Diktator verbal die Stirn. Wnendts Film ist hier tendenziös. Denn er konnte auf mehr als 380 Stunden Material zurückgreifen.

Schon vor Beginn der eigentlichen Dreharbeiten reiste er mit seinem Hitler-Darsteller Oliver Masucci und einem Kameramann durch die Republik und wollte herausfinden, wie echte Menschen wohl agieren, wenn sie auf den Führer treffen.

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Am 06.10.2015 feierte der Film Premiere in Berlin.
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Dabei ist natürlich unklar, wie hoch der Prozentsatz jener Menschen ist, die sich gegenüber Hitler öffnen und ihr fragwürdiges Gedankengut exponieren. Der Film legt den Verdacht nahe, es seien fast alle. Tatsächlich ergeht sich „Er ist wieder da“ hier aber in geschickter Manipulation. Das kann man sogar als eine Art Metaebene begreifen, geht es doch in der Geschichte selbst auch um die Manipulation sowohl der Medien als auch der Zivilgesellschaft. Dabei bedient sich der Film der Methoden, die er satirisch anzuprangern versucht.

Trotz Schwächen ein auf mehreren Ebenen funktionierender Film.Fazit lesen

Mit Vorsicht zu genießen

Man versteht die Intention des Filmemachers. Wnendt setzt die Technik der authentischen Begegnungen – sowohl der wahrhaft echten als auch der gestellten – ein, da ihm Vermes‘ Weg versperrt ist. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive erzählt. Zwar hört man auch im Film Hitlers Gedanken, es gibt aber längst nicht nur Szenen, in denen er auch dabei ist.

Die Struktur des Films ist sehr zerfasert. Nicht nur wegen der „Begegnungen mit dem Volk“, sondern auch wegen den Erlebnissen, die Hitler und sein ihn begleitender Dokumentarfilmer haben. Das Ganze kommt sehr episodisch daher. Der rote Faden fehlt, der im Roman durch die konsequente Ich-Perspektive gegeben ist.