Eine geheimnisvolle Welt, ein scheinbar gewöhnlicher Mensch, der geschrumpft wird und diese Welt für sich entdeckt, ein erbitterter Kampf – Gut gegen Böse – und aberwitzige Charaktere: Diese Zutaten sind altbekannt. Schon viele Geschichten haben auf sie gebaut und sind gut damit gefahren. Denn was kann schon schiefgehen, wenn das Rezept so oft funktioniert hat?

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Und genau das ist der Fehler von Epic. Die Geschichte ist zwar irgendwie neu, aber ihre einzelnen Elemente wurden schon viel zu oft verwertet. So weiß man von Anfang an, wie der gesamte Film verlaufen wird, wie er ausgeht und man hat zudem die gesamte Zeit über dieses seltsame, unterschwellige Déjà-vu-Gefühl, das einen nicht loslassen will. Habe ich den Film schon einmal gesehen? Gab es ihn genau so vielleicht schon einmal? Er kommt mir seltsam vertraut vor…

Epic - Verborgenes Königreich - Epic Fail?

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Hat da jemand "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft" gesagt?
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Mit dieser Vertrautheit spielen manche Medienschöpfer ja gerne. Denn was einem wohlig vertraut vorkommt, ist in erster Linie gut. Und so hat auch Epic durchaus seine guten Momente.

Verborgenes Königreich

Die Geschichte dreht sich um Mary Katherine, genannt MK, die nach dem Tod ihrer Mutter zu ihrem Vater zieht. Der kauzige Forscher ist besessen von einer verborgenen Welt im Wald, was ihn einst von seiner Familie entfernte. Der Professor ist fest davon überzeugt, dass im Wald kleine Menschen leben, um die herum ein ganzes Königreich existiert, mit munteren Fantasiewesen und einem ganz eigenen Ökosystem, voller Magie und mit mächtigen Feinden.

Aber MK stößt natürlich nicht zu irgendeinem x-beliebigen Zeitpunkt in der Geschichte dazu – das wäre ja zu langweilig. Genau an dem Tag, an dem sie den Beschluss fasst, ihren Vater wieder zu verlassen, da er sich nur für seine Waldwesen zu interessieren scheint, erschüttert ein furchtbares Ereignis den Wald. Die Königin des Waldes muss alle 100 Jahre eine neue Thronfolgerin bestimmen. Und genau dieser Moment ist jetzt gekommen. Mit einer großen Zeremonie zieht sie durch den Wald, auf der Suche nach der einen Blume, der sie ihre Macht gibt, damit das Leben im Wald aufrechterhalten bleibt.

Doch genau das wollen ihre Widersacher, die Boggans, verhindern. Ihr Anführer Mandrake ist die personifizierte Fäulnis. Er will den Wald verderben und in Dunkelheit tauchen. Einzig Königin Tara und ihre Elite-Truppe – genannt Leafmen - können sie all die Jahre aufhalten. Doch Mandrake hat an diesem wichtigen Tag einen grauenvollen Anschlag auf die Königin geplant, die daraufhin durch den Wald flieht und MK in die Arme läuft – oder umgekehrt. Mit ihrer Zauberkraft schrumpft sie MK, die daraufhin die Aufgabe erhält, das verborgene Königreich (und somit auch den Wald) zu retten.

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Hat da jemand "Avatar" gesagt?
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Alles schon gesehen

Doch für die richtige Würze fehlt natürlich noch etwas: die Liebesgeschichte! Und die ist auch prompt gegeben. Denn MK erhält natürlich einen ganz besonderen Beschützer: Nod, ein rebellischer und verwegener Leafman, der noch in seiner Ausbildung steckt – und irgendwie an eine Mischung aus Flynn Rider aus Disneys „Rapunzel – Neu Verföhnt“ und Anakin Skywalker erinnert.

Und natürlich sind auch wieder die traditionellen Blödelrollen besetzt, die man schon aus so vielen Animationsfilmen kennt und eigentlich nur für Lacher sorgen sollen, da sie die Handlung nicht großartig vorantreiben. Diesen Part übernehmen diesmal zwei glitschige Schnecken mit flotten Sprüchen. Wären die Rollen dieser beiden Figuren nicht schon so unheimlich ausgelutscht, könnte man tatsächlich darüber lachen.

Die dunkle Seite der Macht

Gleiches gilt für den gesamten Rest der Handlung. Da wäre ein bisschen „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“, eine Prise „Die Schlümpfe“, das allzu klassische Gut-gegen-Böse-Spiel, wobei der Handlungsantrieb der Bösen für die heutige Zeit, in der inzwischen oft auch die Gegner mehr oder minder nachvollziehbare Gründe für ihr Tun geliefert bekommen, absolut oberflächlich gehalten wird. „Wir sind böse, weil wir die Fäulnis bringen und den Wald zerstören wollen“ – und ein bisschen klischeehafte Rache spielt dann natürlich auch noch mit.

Klischeebeladenes Déjà-vu-Kino, das einem das Gefühl gibt, diesen Film schon gesehen zu haben.Fazit lesen

Was man dem Film jedoch lassen muss, sind die liebevoll gestalteten Figuren, die detaillierten und fantasievollen Orte und die teilweise fotorealistischen Animationen, die einen verzaubern. Die 3D-Konvertierung ist hierbei jedoch nicht herausragend, aber – wie bei den meisten Animationsfilmen – in Ordnung.

Doch Epic ist kein durchweg träumerischer Märchenfilm, er besitzt auch einige dunkle Seiten und viele düstere Momente und Szenerien. So beginnt er direkt mit dem Tod von MKs Mutter, die im Haus ihres Vaters auf den alten, dreibeinigen und fast blinden Hund trifft – der irgendwo eine lustige, aber aufgrund seiner Behinderungen auch eine tragische Figur darstellt.

„Wir brauchen ein dickes Happy End mit Botschaft!“

Der unheimliche Verfall des Waldes und weitere tragische Todesfälle später, kamen mir tatsächlich Zweifel, wie kleine Kinder so etwas auffassen würden. So merkt man zwar oft, dass der Film auf jüngeres Publikum ausgelegt ist, aber andererseits ist es kein reines Happy-Movie, sondern artet sehr düster an.

Epic - Verborgenes Königreich - Epic Fail?

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Hat da jemand "Flutsch und weg" gesagt?
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Dennoch ist der Film in sich stimmig und man kann ihn sich gut und gerne ansehen. Kann man, muss man aber eben nicht. So schwankt man die ganze Zeit über zwischen den altbekannten Déjà-vus, einer netten Story und entzückenden Wesen – bis zum Ende hin urplötzlich die gewaltige Moralkeule rausgeholt wird, als hätte eine Pädagogenarmee mit erhobenem Zeigefinger zum Ende des Drehbuch-Schreibprozesses das Büro gestürmt: „Aber was lernen denn die Kinder daraus??“

Und zack jagt ein Happy End das andere, eine Einsicht die nächste und eine glückliche Fügung wird durch eine noch glücklichere Begegnung ersetzt. Da bleiben die trotteligen Schnecken nicht die einzigen, die eine breite Schleimspur hinterlassen.