Orson Scott Card war lange der Meinung, „Ender’s Game“ sei unverfilmbar. Weil der Roman sich so stark auf das Innenleben seiner Hauptfigur konzentriert. Vielleicht aber auch, weil die Geschichte ein erstaunlich kompromissloses Ende findet, das nicht nur weit abseits davon ist, glücklich zu sein, sondern auch ein Menschenbild zeichnet, das Schockwellen durchs Publikum schicken wird.

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50 Jahre sind vergangen, seit die außerirdischen Formics die Erde angegriffen haben. Damals war es dem beherzten Opfer eines Mannes zu verdanken, dass die Menschen den Sieg davongetragen haben. Seitdem bereitet man sich auf eine Rückkehr der Formics vor. Eine Flotte wurde errichtet, aber das ist längst nicht alles.

Schon im Kindesalter prüft man nun beim Nachwuchs, wie es um die Veranlagung bestellt ist. Manche werden schon früh für eine militärische Ausbildung herangezogen. So auch Ender (Asa Butterfield), der Drittgeborene in seiner Familie, was ihn in einer Welt, in der nur zwei Kinder erlaubt sind, zum Ausgestoßenen macht.

Man sucht nach einem militärischen Genie, das als Kommandeur der Flotte den Fomics einen vernichtenden Schlag versetzen kann, damit niemals wieder eine Gefahr von ihnen ausgeht. Colonel Hyrum Graff (Harrison Ford) ist sich sicher, dass Ender dieser Junge ist. Er setzt alles daran, ihn bei seiner Ausbildung voll zu fordern, aber hat er auf das richtige Pferd gesetzt? Oder wird Ender unter der Last des Drills zusammenbrechen?

Ender's Game - Das große Spiel - Sternenkrieg als Kinderspiel

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Der 16-jährige Asa Butterfield mit einer starken Leistung.
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Die Philosophie des Krieges

„Ender’s Game“ ist Military-Science-Fiction. Die Geschichte ließe sich im Grunde auch ohne jedweden Sci-Fi-Aspekt erzählen, sie ist universell gültig und kann auf jeden Konflikt und jede Konfliktpartei übertragen werden. Sie beschäftigt sich mit der Frage nach der Gültigkeit des Krieges, aber auch mit dem Trauma, das er mit sich bringt.

„Ender’s Game“ zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die seit fünf Jahrzehnten nur ein Ziel vor Augen hat. Sich zu schützen vor dem, was da draußen ist. Das war zur Zeit des Kalten Kriegs, als der Roman erstmals publiziert wurde, schon sehr prägnant, und ist es heute immer noch.

Der Angriff der Formics, der die Geschichte überhaupt erst in Gang setzt, ist nichts anderes als ein gewaltiger terroristischer Anschlag, der die Welt – und die Menschen mit ihr – aus den Angeln hebt. In Form der Science-Fiction wird ein bitterer Kommentar auf den allumfassenden Sicherheitsgedanken unserer Gesellschaft, dem Freiheiten geopfert werden, geworfen.

Zugleich reißt der Film den Menschen die Maske vom Gesicht. In ihrer Engstirnigkeit, ihrer Angst und ihrer Aggression sind sie die wahren Kriegstreiber, die mit eiserner Entschlossenheit einen Krieg vorbereiten und vorantreiben, der mit nicht weniger als einem Genozid enden soll.

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In seinen besten Momenten erinnert „Ender’s Game“ an „Starship Troopers“. Er ist keineswegs die beißende Satire, die Verhoevens Film war, aber er versteht es, richtig tief zu bohren. Dorthin vorzudringen, wo es wehtut, wo man sich eingestehen muss, dass man auf der falschen Seite steht.

Vielschichtiger Science-Fiction-Kriegsfilm, der es sich bei der Figurenzeichnung nicht leicht macht, sondern dem Roman gerecht wird.Fazit lesen

Der Krieg als Spiel

Es war von Orson Scott Card ein cleverer Ansatz, bei seinem 1985 erschienenen Roman den Krieg als Spiel zu inszenieren. Das fängt auch Gavin Hoods Film sehr gut ein. Er wirkt dabei aktueller, als es vor knapp 30 Jahren der Fall war. Damals waren photorealistische Simulationen und Spiele, an denen sich der Nachwuchs übt, nicht in dieser Form vorhanden.

Heute weiß man, dass das Militär auf ähnliche Mittel zurückgreift, um seine Soldaten vorzubereiten. Das verleiht der Geschichte Brisanz, die noch gesteigert wird, weil es hier Kinder sind, die zum Morden ausgebildet werden.

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Neben Raubein Harrison Ford, der den Colonel Hyrum Graff gibt.
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Anders als im Roman sind es nicht sechs Jahre im Leben von Ender, die man miterlebt. Das Geschehen wurde auf etwa ein Jahr komprimiert, um den Schauspieler nicht wechseln zu müssen. Es lässt die Geschichte noch flotter werden, da Enders rasanter Aufstieg noch deutlicher spürbar ist.

Drill im All

Ein bisschen fühlt man sich an „Full Metal Jacket“ erinnert, was die langen Passagen der Ausbildung betrifft – nur im Weltall und mit Kindern. Hood, der selbst mit 17 Jahren zur Armee eingezogen wurde, versteht, wie militärischer Drill funktioniert.

Sein Film, dessen Drehbuch er auch verfasst hat, trägt dem Rechnung. Dem phantastischen Sujet zum Trotz wirkt der Mikrokosmos eines militärischen Boot-Camps und des Beziehungsgeflechts zwischen den Rekruten sehr authentisch.