Könnte man sagen, ein Film hätte ein Problem, wenn er als „District 9“-Sequel durchgehen würde? Sozusagen ein „District 10“? Genau dieses Gefühl erzeugt Neil Blomkamps neuer Film „Elysium“, mit dem der Regisseur gefährlich nahe dran ist, schon mit seiner zweiten Regiearbeit als „One Trick Pony“ abgestempelt zu werden.

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Es ist das Jahr 2154. Die Reichen und Schönen haben die Erde längst verlassen und leben im Weltall in dem Habitat Elysium, wo Milch und Honig fließen und jede Krankheit geheilt werden kann. Auf der Erde leben all die armen Schweine, die sich Elysium nicht leisten können. Die Welt ist ein einziger Slum geworden. Hohe Arbeitslosigkeit, hohe Kriminalität, Roboterpolizisten, die für Ruhe sorgen, Umweltverschmutzung, Dreck, Trostlosigkeit – das volle Paket. Kurz: Eine Welt, auf der niemand leben will, die meisten es aber müssen.

So auch Max (Matt Damon), der früher Autos geknackt hat, jetzt aber auf Bewährung ist und in einer Fabrik arbeitet. Dort erleidet er einen Arbeitsunfall und wird verstrahlt. Fünf Tage bleiben ihm noch, dann ist er tot. Seine einzige Rettung ist Elysium, doch um ein Ticket für ein Shuttle mit Illegalen zu erhalten, das versucht, in Elysium zu landen, muss er alles riskieren. Max unterzieht sich einer schmerzhaften Prozedur und soll eine Mission erfüllen, die droht, zum Selbstmordkommando zu werden…

Science Fiction mit sozialkritischer Note

In den 70er Jahren verstand man sich hervorragend auf Science-Fiction-Filme, die nicht nur unterhalten wollten, sondern auch etwas über unsere Welt auszusagen hatten. In diese Kerbe möchte Blomkamp, der das Drehbuch zu „Elysium“ selbst geschrieben hat, auch schlagen. Allein, ein echter Wirkungstreffer ist ihm nicht gelungen.

Allzu plump kommt sein Film daher, im Grunde fehlt nur, dass die armen Massen des Films „Wir sind die 99%“ skandieren, aber das hat sich der Autor/Regisseur dann wohl doch nicht getraut. Stattdessen zeichnet er das Bild einer Zweiklassengesellschaft, bei dem die einen in Saus und Braus und die anderen in bitterer Armut leben.

Elysium - Der neue, alte Neil Blomkamp: Ist Elysium doch nur District 10?

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Das Gleiche in grün? Die Einflüsse von District 9 sind in Elysium deutlich zu erkennen.
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Nur: Wie man auf Elysium lebt, zeigt der Film eigentlich gar nicht. Er beschränkt sich darauf, quasi im Shuttle-Vorbeiflug schöne Häuser und grünende Gärten zu zeigen, die Himmelsbevölkerung selbst bleibt aber erstaunlich unsichtbar. Ein Gesicht wird ihr nur von Jodie Foster verliehen, die als Verteidigungsministerin kalt, herzlos und berechnend ist, ansonsten aber keinerlei Eigenschaften besitzt.

Packshot zu ElysiumElysium

Noch während ihre Figur halbgar verbissen schwadroniert, drängt sich die Frage auf, was Foster wohl an dieser substanzlosen Rolle gereizt haben mag – vom Gagenscheck einmal abgesehen.

Die Sozialkritik ist nix, aber taugt die Action?

Wir stellen fest: Außer viel Dampfplauderei hat Blomkamp nicht viel zu bieten, aber „Elysium“ wird ja auch als Actionfilm angepriesen und beworben. Funktioniert er also rein auf dieser Ebene? Im Großen und Ganzen schon, allerdings gibt es hier nichts zu sehen, das in irgendeiner Weise neu oder überraschend wäre.

Der Look von District 9, aber weder Substanz noch Tiefgang. Stattdessen ergeht sich der Film im Banalen.Fazit lesen

Schusswechsel, bei denen wackelige Handkamera Intimität vorgaukelt, und Mano-a-Mano-Kämpfe zwischen Matt „Stahlskelett“ Damon und Bodyguard-Android sind so hektisch geschnitten, dass man dem Verlauf kaum folgen kann. Mit viel gutem Willen kann man dieser Form von Action einen Hang zur realistischen Darstellung unterstellen, ein bisschen mehr Klarheit wäre aber schon wünschenswert gewesen.

Dafür entschädigen ein paar besser anzusehende Action-Einlagen zum Ende des Films, inklusive einer großen Szene von Sharlto Copley. Der hat in der Riege der dürftig entwickelten Figuren noch die Beste abgestaubt. Seine Figur ist zwar weit davon entfernt, irgendeine Art von Entwicklung durchzumachen, aber zumindest sieht Kruger kernig aus – und hat im Original einen herzallerliebsten Akzent, bei dem die meisten „native speaker“ Verständnisschwierigkeiten haben dürften.

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Jodie Foster als unterkühlte Gegenspielerin.
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Oberflächlich unterhaltend

„Elysium“ agiert, als hätte er Substanz, unterhält aber im Grunde nur oberflächlich. Er ist nett anzusehen, umso mehr, wenn man den Look von „District 9“ mag, den ganz großen Wurf sollte man aber nicht erwarten. Dafür hat es sich Blomkamp einfach zu leicht gemacht.

Er hakt die emotionalen Momente ganz nach Schema F ab, gibt der von Matt Damon erschreckend unsympathisch gespielten Hauptfigur eine Form von Motivation, die aber letztlich auch erst zum Tragen kommt, als es schon viel zu spät ist. Das Finale will dann die ganz großen Momente bieten, die Montage ist aber erkennbar manipulativ und darum auch nur bedingt effektiv.