„Liebe Momo...“. So fängt der Brief der gleichnamigen 11-jährigen Protagonistin an, den ihr Vater ihr kurz vor seinem Tod hinterlassen hat. Viele persönlich adressierte Briefe beginnen auf diese Weise, bevor sie zum Inhaltlichen übergehen – und jener Inhalt ist in Momos Fall in ihrem Brief nicht vorhanden.

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Ein Brief geht auf die Reise

Während Momo und ihre Mutter sich auf einem Schiff befinden, welches sie an ihren neuen Wohnort bringt, denkt die Halbwaise über den nahezu leeren Brief nach. Die letzte Erinnerung, die sie an ihren kürzlich verstorbenen Vater hat, ist ein großer Streit und wie sie vor diesem geliebten Menschen die Flucht ergriff.

Ein schrecklicher Unfall riss ihren Vater aus dieser Welt, woraufhin Momo scheußliche Schuldgefühle und Reue aufgrund des Streits entwickelt. Doch die Welt drehte sich weiter und so kommt es, dass nach dem prägenden Ereignis, Mutter und Tochter aus der Großstadt fort auf eine abgelegene Insel nahe der Seto-Inlandsee ziehen.

Ein Brief an Momo - Auf den Inhalt kommt es an

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Ein neues Leben, an einem weit entfernten Ort. Ob das die Erinnerungen weniger traurig macht?
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An das neue, ländliche Leben in der beschaulichen Klein- und Hafenstadt der Insel Shiojima muss sich die Elfjährige erst gewöhnen. Ihre Mutter ist oft unterwegs, weswegen Momo den ganzen Tag allein zuhause verbringt. Während man vom Ausgangspunkt noch denken könnte, dass die Handlung sich dem Briefinhalt und Momos Umgang mit dem Tod ihres Vaters widmen würde, ist die eigentliche Richtung des Films eine andere.

Nach kurzer Zeit stellt das Mädchen fest, dass sie nicht die Einzige im Haus ist, denn sie bekommt unerwarteten und ungewöhnlichen Besuch aus der Geisterwelt: Drei sogenannte Youkai treiben ihr Unwesen in der Wohnung und nutzen die (scheinbare) Abwesenheit der menschlichen Hausbewohner, um sich über die Essensvorräte herzumachen. Bei ihnen handelt es sich um mystische Wesen aus dem japanischen Volksglauben, die in diesem Fall aufgrund eines Auftrags zur Menschenwelt geschickt wurden. Die drei haben nämlich die Aufgabe bekommen, Momo zu beschützen, solange ihr verstorbener Vater auf dem Weg zum Jenseits ist. Es heißt, dass die Verstorbenen von dort aus über ihrer Familie wachen, sobald sie schließlich angekommen sind.

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Der Film erscheint am 05.09.2012 auf Blu-ray und DVD.
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Doch statt sich gewissenhaft ihrer eigentlichen Aufgabe zu widmen, plündern die drei Störenfriede zu Momos Leidwesen lieber den Kühlschrank und klauen allerlei Gegenstände aus der Nachbarschaft. Zudem kann bis auf Momo keiner die drei sehen, weswegen es ihnen stets leicht fällt, diversen Schabernack zu treiben, ohne das jemand etwas bemerkt. Auch auf Momos Belehrungen würde sich das geisterhafte Gespann nichts geben, wäre da nicht ihr hölzernes Passierschein, an den das Mädchen zufällig gekommen ist.

Ein sommerlicher Animefilm, der sich vor bekannten Genre-Vertretern nicht zu verstecken braucht und zum Wohlfühlen einlädt.Fazit lesen

Ohne diesen kann das Trio nämlich nicht wieder in die Geisterwelt zurück und so müssen sie sich Momos Willen beugen, da sie damit droht, den Holzschein zu zerbrechen, sollten diese sich nicht benehmen. Nun sollen ihr die Youkai dabei helfen, den unvollendeten Brief ihres Vaters mitsamt ihrer eigenen verfassten Nachricht an ihn zurückzusenden.

Drei Geister und ein Mädchen

Aus dieser Situation heraus ergeben sich verschiedene komische Szenen, die den Großteil der lockerleichten Stimmung des Films ausmachen. Der eine oder andere Zuschauer mag sich dabei vielleicht schon etwas zu alt vorkommen, um manche humoristische Szenen lustig zu finden.

Doch genau davon lebt der Film hauptsächlich: von Momos Interaktionen mit ihren neuen Beschützern. Obwohl die drei Momo nicht aus moralischen Gründen aushelfen, sondern bis zuletzt im Grunde es nur deswegen tun, weil es laut eigenen Worten ihre Pflicht ist, kann man ihnen bis zum Ende gewisse Sympathien zusprechen.

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Die geisterhaften Besucher haben einen Haufen Unsinn im Kopf.
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Teilweise merkt man dem Film seine Längen an. Hauptsächlich deswegen, weil dieser sich viel Zeit nimmt, viele Naturbild-Szenen atmosphärisch einzufangen. Die detaillierten Umgebungen sind schön anzusehen und liefern einen realistischen Eindruck des idyllischen Insellebens.

Auch die flüssigen Animationen und die markante Mimik der Charaktere wissen zu gefallen. Anime-Fans dürfte das Charakter-Design eventuell bekannt vorkommen. Denn das Grundkonzept der Figuren stammte von Masashi Ando, der schon bei diversen Animetiteln wie 'Paranoia Agent' oder 'Paprika' (beide vom verstorbenen Kultregisseur Satoshi Kon) den Figuren mit unverwechselbaren Gesichtszügen Leben einhauchte.

Ein Brief an Momo - Bilder aus dem zuckersüßen Film

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Dass der Film schon fast etwas von einem klassischen Anime des Studio Ghibli hat, dürfte auch kein Wunder sein, haben doch die Charakter-Designer und Animatoren zuvor bei vielen bekannten Filmprojekten des Studios (wie beispielsweise „Chihiros Reise ins Zauberland“) mitgewirkt. Die stilistischen Einflüsse in „Ein Brief an Momo“ werden gerade bei einigen dynamischen Verfolgungs- und Naturschauspielszenen mehr als ersichtlich. Glücklicherweise ist der Film in seiner Visualisierung eigenständig genug, sodass er über die Darstellung reiner Bildzitate hinausgeht.

„Ein Brief an Momo“ macht im Grunde nichts falsch und wirkt in sich stimmig. Drama- und Comedy-Elemente halten sich bei diesem Film die Waage, während die Handlung - trotz der unnötigen Längen - einen soliden Abschluss findet. Wenn der Film eine Schwäche hat, dann einzig in der Hinsicht, dass er im Vergleich zu Konkurrenztiteln innerhalb des gleichen Genres kaum mit Besonderheiten hervorsticht. Für einen gemütlichen und gemeinsamen Familienabend lohnt sich der Film zum Anschauen dennoch allemal.