Als Julia Roberts und Clive Owen in Mike Nichols „Hautnah“ zum ersten Mal ein Liebespaar vor der Kamera gaben, rümpfte die Filmpresse unzufrieden ihre Nase: Die Chemie zwischen der einst bestbezahlten Schauspielerin Hollywoods und dem erst spät vom Theater zum Kino übergesiedelten Briten habe nicht gestimmt, und überhaupt passe der burschikose „Pretty Woman“-Star nicht zum kernigen „King Arthur“ mit der sanften tiefen Stimme.
Das hat den „Michael Clayton“-Regisseur und Autor der Jason-Bourne-Filme Tony Gilroy jedoch nicht davon abgehalten, die beiden für seine zweite Regiearbeit erneut zusammenzubringen. In „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“ spielen Roberts und Owen ein Spionagepärchen, das mithilfe ausgeklügelter Firmenbespitzelung den ganz großen Gaunercoup plant. Überhäuft mit Kinoreferenzen und Insiderbezügen ist Gilroys Film vor allem eine Hommage an klassische Screwball-Komödien und Agenten-Thriller im Stil von Alfred Hitchcock und Frank Tashlin.
Die eigentlich irrelevante Handlung des Films wird von zwei riesigen konkurrierenden Pharma-Unternehmen bestimmt, die ihre Sicherheitsberater und Industriespione aufeinander ansetzen. Die einstige CIA-Agentin Claire Stenwick (Roberts) und der ehemalige MI6-Spitzel Ray Koval (Owens) sind in der jeweils anderen Firma beschäftigt, arbeiten jedoch nicht gegeneinander, sondern an einem geheimen gemeinsamen Plan: Sie wollen sich mit dem wertvollen Patent eines neuen Medikaments absetzen und ihren beiden Bossen (Tom Wilkinson und Paul Giamatti) ein Schnippchen schlagen.
Kann ein Film mit diesem Mann eigentlich richtig schlecht sein?Die Nachricht über ein neues Wundermittel, mit dem der eine Wirtschaftskonzern den anderen auszuspielen droht, dient natürlich nur als offensiver MacGuffin – jenem Element, das Plot und Figuren an- und vorantreibt, ohne selbst eigentlich bedeutsam oder interessant zu sein. Die vielen Story-Verstrickungen, überraschenden Wendungen und erst nach und nach enthüllten Details der Liebesbeziehung der Doppelagenten im Mittelpunkt stellt Gilroy jederzeit deutlich für ein offenkundiges Spiel mit Genregesetzen und Drehbuchklischees aus.
Hinter der pseudokniffligen Geschichte von „Duplicity“ verbirgt sich nämlich eher ein amüsiertes Sinnieren über all die falschen Fährten und Ablenkungsmanöver, das unabkömmliche Werkzeug klassischer Spionagekomödien. So interessiert sich Gilroy nicht nur für seine beiden Hauptdarsteller, denen er zahlreiche doppelbödige Dialoge und spitzfindige Wortgefechte geschrieben hat, sondern auch die ewig gleichen Strukturen des Genres, die er verstanden und vorgeführt wissen möchte.
Trotz unterschiedlicher Seiten, arbeiten Claire und Ray heimlich zusammen.So vereint der Film mit beschwingtem Tonfall ein ewig umeinander kreisendes Liebespärchen, obligatorische Heist-Momente und verschiedenste Spielorte, meist mit sonnigem Urlaubsflair und schönen Postkartenmotiven. Gilroy verweist dabei auf „Über den Dächern von Nizza“ oder „Caprice“, nutzt für sein Spiel mit der Erwartungshaltung großzügig Splitscreens und die raffinierte Musik von James Newton Howard, während er immer wieder Zeitsprünge vornimmt und die an und für sich simple Handlung neu anzuordnen versucht.
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