„Dumm und Dümmer“, recht charmante Blödelkomödie, großer Kassenerfolg, mittlerweile auch Kultfilm. Mit Fangemeinde, Happenings und allem was dazu gehört. 20 Jahre und eine Karriere von Jim Carrey ist das schon her, fühlt sich allerdings auch so an. Nun, zwei Dekaden später, kommt die offizielle Fortsetzung, hierzulande etwas bemüht „Dumm und Dümmehr“ getauft. Eine Verzweiflungstat, nicht allein der Titel.

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Als das Original 1994 in den Kinos startete, feierte man Jim Carrey gerade als neuen Jerry Lewis. Mindestens aber, und das auch zu Recht, als neue Komödienhoffnung. Drei sensationelle Hits konnte der Stand-up-Komiker damals verbuchen, in einem einzigen Jahr. „Ace Ventura“, „Die Maske“ und eben „Dumm und Dümmer“, das musste ihm erst einmal jemand nachmachen. Hat auch bis heute niemand geschafft.

Dumm und Dümmehr - Fortsetzung nach 20 Jahren – aber macht das Wiedersehen auch Freude?

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20 Jahre lang hat sich Harry (Jeff Daniels) um seinen Freund Lloyd (Jim Carrey) in einer Anstalt gekümmert. Dann die Erlösung: Alles nur Spaß! Bühne frei fürs Sequel.
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Zu halten war so ein Höhenflug nicht, das wird Carrey bewusst gewesen sein. Sein Wechsel ins, wie es immer ein bisschen doof heißt, dramatische Fach kam überraschend, aber umso eindrucksvoller. Die Kritik war aus dem Häuschen, sogar das Publikum blieb ihm treu. Um Oscarnominierungen wurde er gleich mehrfach betrogen, sonst aber gewann er einen Preis nach dem anderen. Super Typ, ehrlich.

Dann verlor Carrey allmählich an Zugkraft. Seit fünf Jahren gilt er als kommerzieller Wackelkandidat, knapp an der Sachwelle zum Flopgaranten. Den großartigen „I Love You Phillip Morris” wollte in den USA niemand sehen, er startete dort auch erst ein Jahr nach seiner Premiere. Nebenrollen in „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ und „Kick-Ass 2“ besiegelten schließlich das vorzeitige Karriere-Aus.

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Mit Vögeln meint es der Film nicht gut, Harrys Tochter Penny (Rachel Melvin) aber ist relativ leicht zu begeistern. Ob das auch für Fans von „Dumm und Dümmer“ gilt?
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Ein Hit muss her, werden sich auch die Brüder Bobby und Peter Farrelly gedacht haben. „Dumm und Dümmer“ war 1994 ihr Regiedebüt, und das lief natürlich super. Es folgten „Verrückt nach Mary“ und die erneute Carrey-Kooperation „Ich, beide & sie“, aufrechterhalten aber ließ auch dieser Erfolg sich nicht. Zuletzt verwursteten sie „Die Stooges“, ein künstlerisches Fiasko, gottlob unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Mit Jeff Daniels ist das anders. Er war nie ein Star, schon gar kein großer Komiker. Daniels kommt vom Broadway, hat sich im Kino durch sogenannte Charakterrollen einen Namen gemacht, gilt als zuverlässig-guter Schauspieler. Für ihn war „Dumm und Dümmer“ ebenso wenig Sprungbrett wie Karriereanker, musste es auch gar nicht sein. Daniels ist in souveränen Rollen eingerichtet, mal Mainstream, mal Arthaus, immer sehenswert.

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Weit über 50, aber sich für keine Dummheit zu schade: Carrey und Daniels wirken dennoch seltsam müde in dieser Fortsetzung. Um nicht zu sagen runtergerockt.
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Ihm dürfte diese Verzweiflungstat einer Fortsetzung daher noch am wenigsten schaden. Seine Rückkehr in die Rolle des infantil-liebevollen Harry Dunne wird Konto und Agenten zufrieden gestellt haben, aber es hängt eigentlich nichts davon ab. Als er am Set von „Dümm und Dümmehr“ erschien, hatte er gerade einen Emmy für „The Newsroom“ gewonnen.

Jim Carrey wiederum, hier erneut als treuer Freund Lloyd Christmas mit Zahnlücke und Caesarhaarschnitt zu sehen, gilt als wesentlicher Initiator des Projekts. Wenn das nicht läuft, läuft vielleicht gar nichts mehr.

Eine Fortsetzung, wie sie einfalls- und lustloser kaum hätte sein können. Verzweiflung auf allen Ebenen, vor allem aber brutal unkomisch.Fazit lesen

Notdürftiges Remake

Suboptimale Voraussetzungen, wenn auch sicherlich keine Seltenheit in Hollywood. Leider aber trieft „Dumm und Dümmehr“ vor kommerziellem Kalkül. Und man kann nicht sagen, dass umso schön-dooferer Humor oder ganz besonderer Enthusiasmus aller Beteiligten die leider nicht sonderlich aufrichtige Verzichtbarkeit dieses Sequels Lügen strafen würden. Im Gegenteil.

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Ja, sie ist es tatsächlich. Kathleen Turner, mittlerweile rar auf der großen Leinwand. Den Auftritt in „Dumm und Dümmehr“ hätte man ihr gern erspart.
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Der Film ist sich nicht zu schade, den Vorgänger en detail nachzubuchstabieren. Statt nach Aspen reisen die beiden Trottel nun halt Richtung El Paso, Aufhänger ist kein Koffer, dafür aber ein kleines Päckchen mit Muffins drin. Das sollen sie zu Harrys Tochter – ja, Harrys Tochter! – bringen, von der über 20 Jahre lang nichts wusste. Die Nachricht des bislang ungekannten Familienmitgliedes erscheint ihm wie ein Glücksfall, denn Harry braucht dringend einen geeigneten Nierenspender.

Wie im ersten Film bekommen Lloyd und er es dabei erneut mit geldgierigen Ganoven zu tun, hier einer Millionärsgattin (Laurie Holden, „The Walking Dead“) und deren heimlichem Liebhaber (Rob Riggle, „Saturday Night Live“). Und wie im ersten Film ist es eine Frau, die das unzertrennliche Gaga-Glück auf die Probe stellt: Penny (Rachel Melvin, „Zombiber“), Harrys vermeintliche Tochter, lässt Lloyds Herz höher schlagen.

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Gags, Einfälle und selbst das Finale des Vorgängers imitiert „Dumm und Dümmehr“ frech und frei, als könne man das alles einfach noch mal exakt so machen wie vor 20 Jahren. Weniger eine Fortsetzung, eher ein notdürftiges Remake. Gefangen in der totalen Wiederholung: Tagträume mit Kampfeinlagen, eine Neuauflage des blinden Nachbarsjungen, der irgendwann mal lustige Schlusswitz.

Ist vielleicht alles als Fanservice gedacht, tut aber eigentlich nur noch weh. Besonders, wenn der Film ausgerechnet die altehrwürdige Kathleen Turner aus dem Kinoexil befreit, um sie als „gigantische Hure“ zum unwürdigen Klamaukabschuss freizugeben. Sexismus und, wenn es gerade mal wieder gut passt, gern auch Homophobie, darin sind die Farrelly-Brüder tatsächlich immer noch ungeschlagen.