Es beginnt mit einer grellweiß überbelichteten Erinnerung – oder einem Albtraum, wer weiß das schon genau: Zwei Mädchen schleichen durch den Wald, sie selbst und ihre Kleider die reine Unschuld, während bedrohliche Streicher ihren Marsch ins Verderben orchestrieren. Oder so ähnlich.

Keine Frage, atmosphärisch geht Regisseurin Alexandra Schmidt von Anfang an in die Vollen, sie lässt, was die Stimmung von „Du hast es versprochen“ betrifft, keine Ambivalenzen zu. Es geht, es ging Böses vor sich auf der namenlosen Ferieninsel, auf der die Ärztin Hanna (Mina Tander) einst ihre Kindheitsurlaube verbracht hat – gemeinsam mit ihrer alten Freundin Clarissa (Laura de Boer), die eines Tages mit einer Überdosis zu Hanna in die Klinik eingeliefert wird, just als diese selbst mitten in einer veritablen Ehekrise steckt.

Du hast es versprochen - Deutschland - ein Schauermärchen

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Grusel durch Atmosphäre statt Splatter.
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Die beiden hatten sich längst aus den Augen verloren, doch rasch beschließen sie, ihren je eigenen Schmerz mit einer Rückkehr an den Ort einer scheinbar unbeschwerten Vergangenheit zu bekämpfen. Hannas Tocher Lea (Lina Köhlert) wird kurzerhand mit eingepackt.

Am Ziel angekommen, beginnt ein seltsames Mädchen die drei zu verfolgen: Wahn oder Wirklichkeit? Und mit der Erinnerung an die gemeinsame Freundin Maria (Mia Kasalo) und an eine seltsame Höhle mitten im Wald kommt allmählich die Erkenntnis auf, dass die Vergangenheit so unbeschwert wohl doch nicht war.

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Alexandra Schmidt gibt als ihre Vorbilder Tim Burton und Michael Haneke an, die beschriebene Eingangssequenz weckt Erinnerungen an Peter Weirs „Picknick am Valentinstag“, eine mysteriöse, traumverlorene Filmerfahrung um das Verschwinden dreier Internatsschülerin an der Schwelle zum Erwachsenwerden.

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Wahn oder Wirklichkeit?
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Ohne die Suche nach Referenzen, Anleihen und Zitaten zu weit treiben zu wollen: Schmidts Langfilmdebüt orientiert sich lange eher an Weir und Burton, doch ohne den sexuellen Subtext des einen und ohne die furchtlose Märchenphantasie des anderen. Die Regisseurin inszeniert eine aus effektiven, mäßig originellen Versatzstücken zusammengebaute und letztlich eher mutlose Geschichte, für die das inflationär gebrauchte Etikett „Mystery“ einmal durchaus richtig am Platze ist.

Unheimlich nach Rezeptbuch

Im Film kommen vor: ein Dorf mit dunklem Geheimnis. Seltsam schroffe Einheimische, die düstere Andeutungen machen, allen voran der hünenhafte Hausmeister Tim (Thomas Sarbacher). Der junge Dorfbewohner (Max Riemelt), der, sei’s aus Altruismus oder aus vagem erotischen Interesse, vielleicht der Einzige ist, der sich zugänglich zeigen wird, wenn’s hart auf hart kommt. Die raue See.

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Die Schrecken der Kindheit reichen bis in die Gegenwart.
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Und natürlich Rückblenden, Träume, fetzenhafte Erinnerungen, die einander gerne auch mal widersprechen. Allzu störend wirkt sich diese Klischeehaftigkeit gar nicht unbedingt aus, und das nicht nur, weil Genrekost im deutschen Kino rar ist. Alexandra Schmidt kann durchaus in Bilder packen, dass es nicht nur in Rumänien und den „Backwoods“ der USA noch weiße und zugleich düstere Flecken auf der Landkarte gibt, die sich als mythologische Orte eignen.

Atmosphärisch dichter, aber letztlich viel zu konventioneller Mystery-Thriller aus deutschen Landen.Fazit lesen

Dabei verwandelt sie ihre Erzählung in eine Emotions- und Dramaturgiemaschine, die sich mit der Psychologie der Figuren anfangs kaum aufhält. „Zwei, drei Stunden später, und wir hätten nichts mehr tun können“, sagt Hanna ihrer suizidalen Freundin Clarissa am Krankenbett – zwei, drei Sekunden später liegen die beiden einander in den Armen, als würde das Wiedersehen alle Qual und Todessehnsucht mit einer Welle davon spülen.

Abgesehen von solch extremen Unglaubwürdigkeiten kommt der Verzicht auf Psychologisierung dem Film durchaus zu Gute – umso ärgerlicher jedoch wird es, als am Ende im Schweinsgalopp die Fäden der Geschichte entwirrt werden und sich sämtlicher Spuk in Luft auflöst. So weit ist das deutsche Kino anscheinend dann doch noch nicht wieder, dass es sich traute, einen Rest des Unerklärlichen in die scheinbar restlos vermessene Landschaft der Republik zu pflanzen.

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Das Unheimliche in "Du hast es versprochen" kommt auf Rezept.
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Dafür steuert die Handlung immerhin konsequent auf ein pessimistisches Ende zu, dafür wird wenigstens die Idee, die noch jedem Geistermythos zugrunde liegt, konsequent auf die Spitze getrieben: Die Vergangenheit, das Verdrängte, im Wortsinne Un-heimliche kehrt zurück und meldet einen restlosen Anspruch an das verlogene Idyll der Gegenwart an. So grell der Film begann, als so düster erweist er sich in Wirklichkeit.