Als Comic-Figur ist Judge Dredd seit mittlerweile 35 Jahren erfolgreich. Im Kino sah es hingegen anders aus. Als Sylvester Stallone 1995 den Helm anlegte (und ihn auch schnell wieder absetzte), da waren nicht wenige mit dem Ergebnis unzufrieden. Nun hat man sich angeschickt, „Dredd“ neu zu erfinden – mit geringerem Budget, näher an der Vorlage, und mit richtig viel kerniger Gewalt.

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An der US-Kinokasse hat „Dredd“ leider schon verloren. Ob es also weitere Filme geben wird, hängt vom internationalen Einspiel ein. Erfolg wäre zu wünschen, denn „Dredd“ ist genau das, was man sich für diese Figur schon immer gewünscht hat.

Die nahe Zukunft: Die Erde ist verheert, Leben existiert nur noch in Mega City One, einer Megalopole mit 800 Millionen Einwohnern. Hier sorgen die Judges für Gerechtigkeit. Sie sind Polizist, Richter, Geschworener und Vollstrecker in einer Person. Und der beste von ihnen ist Dredd (Karl Urban).

Ihm wird ein Rookie, eine Anfängerin, zur Seite gestellt: Anderson (Olivia Thirlby). Sie ist ein Medium und muss sich erst beweisen. Von Dredds Bewertung hängt es ab, ob sie zu einem Judge wird oder nicht.

Ihr erster Fall führt die beiden Judges in einen Megablock namens Peachtrees, ein gigantisches Hochhaus, in dem 75.000 Menschen leben. Hier wurden drei Leichen gefunden: Gefoltert, gehäutet und dann von weit oben hinuntergeschubst. Dafür verantwortlich ist Ma-ma (Lena Headey), die Anführerin eines Verbrecher-Clans, der plötzlich gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als das Gebäude abzuschotten und die Judges zu töten. Doch das ist schwieriger als gedacht.

Der Helm bleibt auf: Karl Urban ist auch so gut zu erkennen.

Der Helm bleibt auf

„Dredd“ ist erdiger als die Erst-Verfilmung. Die Zukunftsstadt ist nicht weit von gegenwärtigen Metropolen entfernt. Der Verfall der alten Welt bildet hier eine Einheit mit dem Zweckbau der Zukunft. Und mitten drin: eine Gesellschaft, die sich überlebt hat. Gewalt ist alltäglich, und selbst die Judges können nur einen Bruchteil davon ahnden.

Packshot zu DreddDredd

Die Geschichte von Alex Garland ist simpel. Erzählt wird von einem Tag im Leben von Judge Dredd. Es hätte so viel mehr gegeben, das aus der reichhaltigen Comic-Mythologie hätte entnommen werden können, aber dem Autor war bewusst, dass er die Geschichte nicht überfrachten und den Zuschauer nicht überfordern darf.

Kein Helm nötig: Die PSI-begabte Olivia Thirlby steht Dredd zur Seite.

Darum ist „Dredd“ nur so etwas wie der Startschuss. Eine einfache Geschichte, die dazu da ist, die Welt, aber auch die Hauptfigur zu etablieren. Und das ginge niemals besser als in einem Action-Gewitter, das sich sehen lassen kann.

Der Vorlage bleibt man dabei auch treu. Dieser neue Dredd trägt seinen Helm – von Anfang bis zum Ende. Hauptdarsteller Karl Urban muss sein Gesicht nicht zeigen, die Kinnpartie mit den grimmig verzogenen Mundwinkeln ist völlig ausreichend.

Lässt „The Raid“ grüßen?

Der Großteil der Handlung und der Action spielt sich in einem Hochhaus ab. Das erinnert zunächst mal an den indonesischen Film „The Raid“, in dem eine Sondereinheit der Polizei von zahlreichen Gangstern attackiert wurde. Aber: Wo bei „The Raid“ nur die Action-Szenen richtig Schmackes hatten, funktioniert „Dredd“ auch, wenn gerade nicht geschossen wird. „Dredd“ hat tatsächlich eine Geschichte, wenn auch keine sehr komplexe. Der Plot ist nicht nur dazu da, Rechtfertigung für die Action zu sein. Aber das darf man von einem Autor wie Alex Garland („28 Days later“) auch erwarten.

Kerniger Actionfilm, der Judge Dredd so zeigt, wie er sein muss: kompromisslos und hart. Endlich kracht’s im Kino mal wieder richtig!Fazit lesen

Da Dredd durchgehend seinen Helm trägt, ist es schwer, eine Verbindung zu ihm aufzubauen. Es fehlt der hierfür dringend notwendige Blick in seine Augen. Aber dafür stellt man ihm Anderson zur Seite, gespielt von Olivia Thirlby („The Darkest Hour“), die mit Urban gut harmoniert. Wo Dredd fast wie eine seelenlose Maschine ist, deren einziges Interesse die Durchsetzung des Gesetzes ist, ist Anderson für das menschliche Element zuständig. Bequemerweise muss sie den Helm nicht tragen, da er ihre Psi-Fähigkeiten schwächen würde.

Im Umgang miteinander sind es bekannte Archetypen: das alte Schlachtross und der Jungspund, der noch viel zu lernen hat. Eine klassische Figuren-Konstellation, die auch bei „Dredd“ sehr gut funktioniert.

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Die dritte Dimension

„Dredd“ ist einer der wenigen Filme, die in 3-D tatsächlich einen Mehrwert zu bieten haben. Dank der Droge Slo-mo, die von Ma-mas Organisation hergestellt wird, hält der Film oftmals inne bzw. ist immens verlangsamt. Speziell in diesen Momenten punktet „Dredd“ mit der dritten Dimension. Hier wird nicht nur in der Tiefe Dreidimensionalität erschaffen – auch nach vorne entfaltet sich der Film. Darin eingebettet sind Ausbrüche extremer Gewalt, die durch die Entschleunigung umso eindringlicher wirken.