Im Auftrag des Protektorats der Westlichen Regionen muss Jackie Chan in „Dragon Blade“ die Seidenstraße der Han-Dynastie vor kriegerischen Auseinandersetzungen bewahren. Mit Adrien Brody und John Cusack begegnen sich dort allerdings zwei Abtrünnige des Römischen Reiches, die den Frieden empfindlich stören. Oder anders: China möchte jetzt Blockbuster von Weltformat drehen.

Dragon Blade - International Trailer

Erwartung bei Null

Inhaltlich setzt „Dragon Blade“ einen auf internationale Vermarktung abzielenden Trend fort, der schon jetzt zu den verzichtbarsten der jüngeren asiatischen Kinogeschichte zählen dürfte. Um nämlich (nicht mehr ganz so gefragte) Hollywoodstars verpflichten zu können, erzählen diese Filme mal WW2-Geschichten, mal von europäischen Kriegern, die sich irgendwie ins Kaiserreich verirren.

Dragon Blade - Jackie Chan und der teuerste chinesische Film aller Zeiten

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John „Was mache ich eigentlich hier“ Cusack als Abgesandter des Römischen Reichs.
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Folglich entstehen Filme wie „Flowers of War“ mit Christian Bale oder „Empire of War“ mit Adrien Brody. Oder hanebüchener Mumpitz wie „Outcast – Der letzte Tempelritter“ mit Nicolas Cage, der dafür vielleicht eins, zwei Milliönchen mehr bekam als für seine sonstigen Videomarktproduktionen. Überhaupt dürfte China diese Namen mit Gagen locken, die ihnen in Hollywood niemand mehr zahlen würde.

Jackie Chan, der „Dragon Blade“ auch als Produzent und Actionregisseur betreute, hat dieses Modell sogar schon etwas früher entdeckt (man erinnere sich an den schrecklichen US-Teenager in „Forbidden Kingdom“). Ihm dürfte es eine gute Gelegenheit bieten, sich auf dem chinesischen Markt weiterhin als A-Star zu behaupten und gleichzeitig auch im Westen noch wahrgenommen werden zu können.

Nun sind selbst größte Jackie-Fans mittlerweile auf eine Spätkarriere ihres Idols eingestellt, die jede Erwartung bei Null ansetzt. Davon könnte ein Film wie „Dragon Blade“ profitieren, würde er es einem nur nicht so verdammt schwer machen: Die Kämpfe wirken träge, der nur noch pflichtschuldig eingestreute Humor fehl am Platz. Und seine pathosschwangeren Kalenderspruchdialoge tun sogar richtig weh.

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Der friedliebende Huo An (Jackie Chan) soll in der Seidenstraßenregion für Sicherheit sorgen – und muss dafür zur Not auch seine Drachenklinge sprechen lassen.
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Zweifelhafte Höhepunkte

Dem Friedensbotschafter Chan aber nimmt man diese Rolle noch am ehesten ab, sie ist auch eine konsequente Fortführung seiner Figur aus „Little Big Soldier“. Adrien Brodys Overacting hingegen verortetet das Geschehen immer wieder in Absurdistan, John Cusack wiederum meistert seinen Part derart komatös, als befinde er sich im falschen Film (was ja auch stimmt).

Grandios gescheiterter Versuch, sich gegen US-Blockbuster zu behaupten, den das chinesische Kino eigentlich gar nicht nötig hat.Fazit lesen

Eingebettet ist das vorchristliche Epos in eine hochalberne Rahmenhandlung, bei der sich zwei Wissenschaftler gar nicht mehr einkriegen, als sie über die Ruinen einer verlorenen Stadt mit Namen Regum stolpern. Deren Wiederaufbau zeigen Rückblenden, in denen sich Protektoratskommandant Chan mit Centurion Cusack anfreundet, um General Brody zu besiegen (dessen Rolle ursprünglich Mel Gibson spielen sollte!)

Visuell ist das alles auf digitalen Bombast aus, die Effekte gehen völlig in Ordnung. Doch mit derart hohlen Figuren ist auch die kompetenteste Nachbildung von ohnehin allzu generischen US-Blockbustern verloren. Statt hartnäckig auf Hollywood machen zu wollen, hätte der Film besser den Mittelfinger ausgepackt und ein historisches Spektakel mit Herz und Verstand auf die Leinwand zaubern sollen.

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China-Blockbuster-erprobt: Für seine Gage gibt Adrien Brody alles und macht dabei sogar Nicolas Cage Konkurrenz.
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Seinen zweifelhaften Höhepunkt erreicht das Bauerntheater schließlich bei der Gefangennahme des römischen Herrschaftsführers durch dessen Erzrivalen. Minutenlanges Gekreische und ausdauernde Zeitlupen begleiten einen Soundtrack, der mit Zimmer-Streichern, orientalischen Klagegesängen und sogar dem Inception-Button (!) so ziemlich jedes musikalische Klischee der letzten 15 Jahre bemüht.

Von einem solchen Moment kann sich kein Film mehr erholen, weshalb er sinnigerweise auch gleich komplett auseinander fällt. In der zweiten Hälfte schaffen rätselhafte Szenenübergänge und ein grandios verhunzter Schnitt gezielt Desorientierung – als bliebe „Dragon Blade“ nur noch ein Mürbemachen seines Publikums, wenn er es schon nicht vernünftig zu unterhalten weiß. Immerhin das also hat China sich erfolgreich abgeguckt.

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