Mit Mistgabeln und Fackeln bewaffnet schlugen die Bauern aufeinander ein. Ihre Dörfer lagen nicht im Krieg. Es gab keine alte Fehde und kein größeres Ziel. Es gab nur Uneinigkeit. Während symbolisches Blut fließt und metaphorische Knochen brechen, erheben sich die Stimmen im Sturm des Krieges und brüllen voll Zorn. Beide Seiten sind sich einig, dass Dracula der größte der Vampire ist. Aber sollte er als liebestoller Gigolo und Frauenheld dargestellt werden. Dessen tragische Vergangenheit Mädchenherzen schmelzen lässt und rosa Schlüpfer dunkel färbt. Oder ein mächtiger Dämon aus den finsteren Tiefen der Hölle, der Kehlen zerfetzt wie trockenes Papier?

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Warum können wir nicht beides haben?“, rief Universal Pictures und trennte die streitenden Massen voneinander. Kein zwölfjähriges Mädchen soll je wieder von einem dicken Metaler angebrüllt werden, weil ihr Lieblingsvampir glitzert. Und keine Bücherratte soll je wieder der Außenseiter auf einer Party sein, weil sein Geschöpf aus finsterer Nacht wie ein alter Mann ausschaut und nicht ins College geht.

Dracula Untold - Batmans größter Alptraum

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Der Film kommt bei uns am 02.10.2014 in die Kinos.
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Mit „Dracula Untold“ werden die Kriege beigelegt und die Vampire nicht nur im Geiste wieder vereint. Eine Annäherung, die beiden Seiten nichts kostet; lediglich Verbesserungen mit sich bringt. Klar, „Dracula hätte weniger schnulzig sein können“, sagt die eine Seite. Und „er hat ein romantisches Ende verdient“ schmalzt die andere. Doch wenn man den Geist von Bram Stoker an die heutige Zeit – die heutigen Vorlieben – anpassen muss, dann ist dieser Film die perfekte Symbiose.

Der blutige Pfad des Pfählers

Die Geschichte von „Dracula Untold“ ist eine Mischung aus Bram Stokers Vorlage und eigenen Ideen, die es erlauben, einen zweiten und vielleicht auch dritten Teil zu produzieren. Doch zu diesen beängstigenden Gedanken beim nächsten Mal mehr. Bringen wir die Story auf den Punkt. Kurz und knackig, ohne zu spoilern.

Vlad Tepes (Luke Evans) musste als junger Mann für die Türken kämpfen und hat sich schnell auf den Schlachtfeldern einen Namen gemacht. Als „Pfähler“ verursachte sein Ruf unter den Gegnern mehr Angst, als jede Armee es gekonnt hätte. Doch damit sein eigener Sohn nicht ebenfalls als Krieger der türkischen Armee geistig zu Grunde gerichtet wird und vielleicht sogar stirbt, ist er bereit, sein Königreich, seine Freiheit und sogar sein Leben zu opfern.

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Der Urvampir kann nur mit Draculas Hilfe sein Gefängnis verlassen: Caligula (Charles Dance).
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Das hat er seiner geliebten Frau versprochen, für die er durch die Hölle wandern würde. Nackt. In einem pinken Kleid... Nein, jetzt mal ehrlich. Die Geschichte um Vlad und seine Frau ist so unfassbar schnulzig, dass sie die tragische Geschichte aus dem originalen Dracula weit hinter sich lässt und aus dem tragischen Charakter der Bram-Stoker-Geschichte einen gefühllosen Mistkerl macht.

Das beste aus beiden Welten und ganz sicher ein echter Dracula.Fazit lesen

Vlad und Mirena (Sarah Gadon) lieben sich so sehr, dass es einem aus den Ohren wieder herauskommt. Mit blutigen Augen starrt man fassungslos auf die Leinwand und muss mit ansehen, wie es ein gerade einmal eineinhalbstündiger Film schafft, immer wieder im Leerlauf zu verrecken. Vielen Teenies und liebestollen Vampirfans wird das sicherlich die Nase zum laufen und die Hirnwindungen zum durchdrehen bringen – denn dieser Dracula ist nicht nur romantisch, liebevoll und voller Güte, sondern auch ein echt „heißer Feger“.

Doch all diejenigen, die sich auf eine moderne Version des blutigen Fürst der Vampire gefreut haben, werden die Haare zu Berge stehen und das Gähnen aus den Mundwinkeln entfleuchen. Doch keine Sorge! Dieser Vampir ist alles andere als Zahnlos. Unbelehrbar turtelnt und schmalzig, aber alles andere als ein zahmes Mäuschen.

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Schlachtet Armeen ab, um seine Familie zu beschützen: Vlad (Luke Evans).
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Blut und Leid

Denn in „Dracula Untold“ wird nicht nur eine interessante Geschichte erzählt, in der der römische Kaiser Caligula der erste der Vampire war (durch einen dämonischen Fluch), sondern auch ein „Badass“ von einem Dracula eingeführt, der seinem Namen alle Ehre macht und sich in 92 Minuten imposant durch einen höchst ansehnlichen Film schnetzelt.

Vlad war als Mensch bereits ein gruseliger Gesell mit der Kraft eines Stiers, doch als Vampir schlitzt er sich in prächtigster CGI-Manier durch die Reihen der türkischen Soldaten und hinterlässt Felder aus blutigsten Rot und offene Münder unter den Zuschauern. Selten war es schöner, einem Vampir bei der „Arbeit“ zuzusehen.

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Die Leistung der Schauspieler ist bei fast jedem mehr als ausreichend, doch sollten vor allem zwei Akteure besonders lobend erwähnt werden. Zum einen Vlads Sohn (Art Parkinson), der eine beeindruckende Leistung abliefert. Und zum anderen der Hauptdarsteller selbst, Luke Evans, der jeden um sich herum an die Wand spielt und einen der besten modernen Draculas verkörpert, die wir je zu sehen bekommen haben.

Leider wackelt das Ende, da es einige Logikfehler hinter sich herschleift und viel zu stark auf eine Fortsetzung aufgebaut ist. Außerdem ist es schade, dass man über eineinhalb Stunden mutig seinen eigenen Weg geht, um sich dann doch wieder der Geschichte des alten Herrn Stoker zu nähern, beziehungsweise ganz mit ihr zu verschmelzen. Das nimmt dem Film einiges an Seele. Aber unterm Strich ist „Dracula Untold“ der beste Vampirfilm seit Jahren.