Joseph Gordon-Levitts Regiedebüt „Don Jon“ ist im Grunde so etwas wie der leichtherzige Doppelgänger von Steve McQueens „Shame“. In beiden Filmen geht es um den modernen Menschen und die Beziehungen, die er in dieser unserer Zeit führt. Tonal sind beide Filme natürlich immens unterschiedlich. Wo der eine ein düster-deprimierendes Drama ist, ist der andere eine leichtherzige Erzählung, die auf einer deutlich positiveren Note endet.

Don Jon - Deutscher TrailerEin weiteres Video

Jon (Joseph Gordon-Levitt) hat einiges, das er im Leben liebt: Sein Auto, sein Appartement, seine Familie, seine Kirche, seine Kumpels, seine Mädchen, seinen Körper und seine Pornos. Er konsumiert sie täglich und verwendet allerhand Zeit darauf. Denn die Suche nach dem perfekten Clip geht natürlich nicht von einer Minute zur anderen. Nötig hätte Jon das aber gar nicht, da er ziemlich gut aussieht und eigentlich immer was abschleppen kann, wenn er denn will.

Don Jon - Scarlett Johansson: Besser als Porno?

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Kann Scarlett Johansson ihn von seiner Pornosucht heilen?
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Aber die Schäferstündchen lassen ihn unbefriedigt zurück. Es ist nicht das, was ihm Porno geben kann. Dann lernt er die unglaublich heiße, aber auch ziemlich schwierige Barbara (Scarlett Johansson) kennen. Beide werden ein Paar und auch wenn er unter ihrer Fuchtel steht, bringt es ihm auch was. Denn sie ermutigt ihn, sich auf der Abendschule weiterzubilden. Dort lernt er die deutlich ältere Esther (Julianne Moore) kennen, die ihn anspricht, als sie merkt, dass er auf seinem Smartphone während des Unterrichts Pornos guckt.

Die Pornos sind mittlerweile auch ein Problem. Jon genießt sie immer noch, aber Barbara hasst sie und nimmt ihm das Versprechen ab, sich diesen Dreck nicht mehr anzusehen. Aber kann Jon dieser Sucht abschwören? Will er das überhaupt? Und ist Barbara eigentlich die Richtige für ihn?

Pornos für den einen, Romcoms für die andere

Gordon-Levitts Film ist sicherlich nicht das letzte Wort, wenn es darum geht, sich mit der Beziehungsfähigkeit (bzw. Unfähigkeit) von Menschen zu befassen. Natürlich sind weder Jon noch Barbara exemplarisch, sie sind übersteigert. Einerseits, um den komödiantischen Elementen des Films Vorschub zu leisten, andererseits, weil die Übertreibung das probate Mittel ist, eine Feststellung zu machen.

Packshot zu Don JonDon Jon

In erster Linie zeichnet der Film Don als den Süchtigen, aber das ist längst nicht nur sein Problem. Barbara ist keinen Deut besser, nur dass sie nicht Pornos, sondern Romcoms sieht. Beiden fehlt die Fähigkeit zur Abstraktion, sie wollen das, was sie in den Filmen sehen, ohne sich eingestehen zu wollen, dass das echte Leben so nicht funktioniert. Keiner von ihnen ist bereit, von seiner Phantasie abzulassen. Auch das ist ein Indiz für diese Gattung moderner Mensch, der Schwierigkeiten damit hat, sich auf andere einzulassen und sich ganz und gar fallen zu lassen. Im Grunde sind Jon und Barbara zwei Seiten derselben Medaille, sie wollen beide, dass der jeweils andere zu dem Märchenprinz oder der Pornoschlampe wird, die sie sich immer erträumt haben.

Herrlich witzig, sehr sympathisch, aber auch so selbstbewusst, dass er als Charakterstudie eines Sexsüchtigen gut funktioniert.Fazit lesen

Das klingt nun schwermütiger, als es eigentlich ist. Denn Gordon-Levitt versteht es durchaus, das ernste Thema auf sehr amüsante Art zu verkleiden. Aber er scheut auch nicht davor zurück, den Humor zugunsten ernster Momente aufzugeben.

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Ist sie die Richtige?
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Jon und Esther

Jon ist ein innerlich leerer Mensch. Er hat nichts zu geben, er kennt auch gar nicht das Gefühl, eine Beziehung zu jemandem aufzubauen. Sein Fixpunkt ist die Pornographie, die perfekt aussieht und eine scheinbar ebenso perfekte Welt vorgaukelt, aber das ist alles nur Oberfläche, frei von echtem Gefühl. Mehr will Jon aber auch gar nicht, er will das, was er gesehen hat, aber so etwas lässt sich nicht finden. Jon scheint das auch nicht zu stören, bis er an den Punkt geführt wird, wo er erkennen und bewerten muss, an welchem Punkt in seinem Leben er nun steht.

Was anfangs wie eine alberne Sexklamotte beginnt, entwickelt sich im Verlauf der Geschichte zur psychologischen Charakterstudie, die erstaunlich tiefgehend ist, aber auch erst dadurch befeuert wird, dass Jon auf eine Frau trifft, die nicht seinem Beuteschema entspricht, die eine bedeutungsvolle Beziehung hatte und die – man muss es so sagen – einfach mehr Lebenserfahrung und Weisheit mitbringt. Julianne Moore ist in dieser Rolle exzellent und sie hat eine hervorragende Chemie mit Gordon-Levitt.

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Was wird heute geschaut: Romcom oder Porno?
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Mit Herz und Verstand

„Don Jon“ ist in der Zeichnung seiner Figuren ein bisschen übersteuert, aber er schafft es, der Geschichte Bodenhaftung zu geben. Die Figuren wirken glaubwürdig, sie haben Herz und Seele. Das macht den Film so leicht zugänglich, wobei man zugleich darüber nachdenkt, wie (nicht nur junge) Menschen in einer Art irrealen Realität leben, in der Frauen zu sexuellen Objekten werden und Fantasien nicht mehr im echten Leben fußen, sondern nur noch widergekäute Fiktion sind.

Diese selbstsüchtige Attitüde tut am Ende nicht nur anderen, sondern auch einem selbst weh, denn man kann nie etwas Reales in seinem Leben finden, wenn man immer nur danach strebt, dass alles perfekt ist, so wie man es in Filmen gesehen hat. Filme verstärken ein falsches Verständnis davon, wie Beziehungen wirklich aussehen sollten.